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Viele Jugendliche plagt Akne, ältere Menschen oft Sodbrennen - beiden kann dasselbe Mittel helfen. Heilerde in besonderer Form kann die Gesundheit fördern. Sie besteht aus speziellen Mineralien wie Silikaten und Kalkspat, bindet Wundsekrete und reinigt Hautporen.
Sie sieht aus wie Schlamm, riecht wie Erde und schmeckt wie Dreck: Heilerde ist ein Allheilmittel. Man kann sie sich auf die Haut schmieren, trinken oder auch als Schutz gegen Hitze und Mückenstiche verwenden. Die braune Tunke ist eines der ältesten Naturheilmittel der Welt: Schon die Ägypter sollen Nilschlamm verwendet haben.
Heilerde kommt sowohl in naturheilkundlich orientierten Kliniken wie auch zuhause immer häufiger zum Einsatz. Typische Indikationen sind: rheumatischen Beschwerden, Prellungen, Verstauchungen, Magen-Darm-Beschwerden, Sodbrennen oder Durchfall. Bisher gibt es keine umfassenden Studien zum Nachweis der Wirksamkeit, dennoch hat die Heilerde-Therapie aber häufig Erfolg.
In Deutschland hat der Kneipp-Anhänger Adolf Just vor über hundert Jahren lehmhaltigen Löss erforscht und seine heilende Wirkung gepriesen. Heute setzt man sie zum Beispiel am Klinikum für Naturheilkunde in Essen ein. Zusammen mit Honig und Olivenöl gilt sie hier als Patentrezept bei vielen Hauterkrankungen. Denn Heilerde hat reinigende Wirkung: Mit ihr lassen sich wasserunlösliche Stoffe wie Talg aus den Hautporen entfernen. Sie eignet sich daher bei Pickeln, Pusteln und Mitessern. Zudem kühlt und trocknet sie die Haut zum Beispiel bei Schuppenflechte, Neurodermitis oder Ekzemen. Und auch bei Insektenstichen oder Gelenkbeschwerden.
Die Charité Berlin hat in einer Studie die Wirksamkeit bei unreiner Haut untersucht. 175 Frauen, alle mit der Hauterkrankung Akne vulgaris, testeten die Erdmaske sechs Wochen lang. Bei ihnen trocknete das Pulver die Haut aus, entfettete sie und hemmte Bakterien in ihrem Wachstum. Zudem profitierte die Haut von einem leichten Peeling-Effekt. Immerhin 80 Prozent bewerteten die Heilerde als wirksam. Experten erklären sich die Wirkung so: Die feinen Erdkörnchen saugen Fett, Talg und anderen Dreck wie ein Schwamm aus den Poren der Haut.
Heilerde kann auch innerlich wirken. So verordnen die Mediziner im Essener Klinikum Heilerde regelmäßig zum Trinken. Sie soll den Magen beruhigen und Schleimhautentzündung mildern und bei Durchfall helfen. Nach einem cholesterinreichen Essen soll es sogar freies Cholesterin binden und abtransportieren. Besonders effektiv löscht die Erde Sodbrennen.
Denn mineralogisch gesehen handelt es sich bei Heilerde um so genannten Löss, also Gesteinsstaub. Löss entsteht aus “Abrieb” zwischen den Gesteinen. Das Besondere an dem braunen Pulver, das sich mit Wasser in einen zähflüssigen Schlamm verwandelt, ist seine hohe Gesamtoberfläche. So kann es andere Substanzen wie beispielsweise Wundsekrete, Zellpartikel oder Bakteriengifte gut binden. Die Erde ist ein guter Puffer, der überschüssige Säure bindet.
Heilerde ist nebenwirkungsfrei, nur bei Verstopfungen wird sie nicht empfohlen. Wichtig: Heilerde sollte nie zusammen mit Medikamenten eingenommen werden, sondern etwa zwei Stunden zeitversetzt. Ansonsten droht Gefahr, dass die Arznei verzögert oder nicht in den Körper aufgenommen wird. Wer den erdigen Geschmack der Heilerde verschmäht, kann auf Kapseln ausweichen. Sie sind auch gut für unterwegs geeignet.
Filmbeitrag: Judith König
Infotext: Beate Wagner
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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