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Diese Folge von "Abenteuer Diagnose" erzählt wieder wahre Patientengeschichten, jede spannend wie ein Kriminalfall. Es sind Geschichten von Menschen, die plötzlich in den Kampf gegen einen unbekannten Gegner verwickelt werden: Eine mysteriöse Erkrankung, die sich durch scheinbar nicht zusammen passende Symptome tarnt. So auch die kleine Julia und ihre Eltern.
1. Diagnose: Kinderrheuma - Juvenile Idiopathische Arthritis
Jetzt kommt die Trotzphase, denken sich alle, als sich Julia plötzlich verändert. Die Zweijährige wird quengelig, wirft sich oft wütend auf den Boden, schreit viel. Bald sieht die Mutter, dass es einen Grund gibt für ihren Unmut: Das Mädchen hat starke Schmerzen im Handgelenk. Tatsächlich entdecken die Ärzte etwas auf dem Röntgenbild. Julia strahlt noch, als sie den Gips bekommt. Doch dann schwillt auch der Fuß an: Die Ärzte stehen vor einem Rätsel.
Genau wie bei den Erwachsenen weisen auch Kinder mit Rheuma typischerweise Gelenkentzündungen auf. Die Erkrankung kann aber auch in anderen Organen entzündliche Veränderungen hervorrufen. Allein in Deutschland sind rund 15.000 Heranwachsende unter 18 Jahren von Kinderrheuma betroffen. Jedes Jahr kommen weitere 1000 Kinder dazu. Mit ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen trifft die Erkrankung Kinder und Jugendliche jeden Alters – selbst Kleinkinder können bereits daran leiden.
Geschwollene, gerötete Hand- und Fußgelenke, Schmerzen, Fieber über Wochen: Diese Anzeichen sprechen für Kinderrheuma. Fachleute nennen die Erkrankung juvenile idiopathische Arthritis (JIA). Man nimmt an, dass die Veranlagung, an Rheuma zu erkranken, vererbt werden kann.
Hierzu passt, dass bei Rheuma nicht selten eine familiäre Häufung beobachtet wird. Die Veranlagung ist aber nur der eine Teil in der Entstehungsgeschichte. Denn viele Menschen tragen eine entsprechende Bereitschaft in sich, ohne jemals zu erkranken. So müssen weitere Faktoren zusammentreffen, um die Erkrankung auszulösen. Beispielsweise ein hyperreagibles Immunsystem: Durch eine fehlerhafte Reaktion des Abwehr- oder Immunsystems erkennt dieses eigenes Gewebe, beispielsweise die Gelenkschleimhaut oder Sehnenscheiden, als fremd und attackiert sie.
Im Gelenk entsteht eine Entzündung, es sammelt sich Flüssigkeit und sorgt für die Schwellungen. Je nach Krankheitsverlauf während der ersten sechs Monate und der Anzahl der betroffenen Gelenke unterscheidet man verschiedene Formen des Kinderrheumas. Zwei wichtige Gruppen sind zunächst die akuten und chronischen Formen der Arthritis. Bei den akuten Formen bleiben die Gelenkstrukturen erhalten; die chronische Entzündung birgt die Gefahr der Gelenkschädigung bis hin zur Zerstörung. Akute Formen werden meist durch Infektionen ausgelöst; chronische rheumatische Gelenkbeschwerden beginnen häufig ohne äußerlich erkennbare Ursache.
Jedes Jahr erkranken etwa 1000 Kinder neu an einer JIA. Die meisten von Rheuma betroffenen Kinder sind zwischen zwei und vier Jahre alt. Selbst erfahrene Kinderärzte tappen bei der Vielzahl der unterschiedlichen Beschwerden mitunter im Dunkeln. Und besonders bei den Kleinkindern ist die Erkrankung schwer zu erkennen; sie können über ihre Beschwerden nicht sprechen, sind dafür oft weinerlich und erscheinen unausgeglichen.
So kommt es vor, dass bei manchen Kindern die Erkrankung über Wochen, Monate oder gar Jahre unerkannt bleibt. Für eine Diagnose sind neben der gründlichen körperlichen Untersuchung Ultraschall, Röntgen und eine Blut-Untersuchung hilfreich. Wichtige Medikamente, die zur Behandlung der JIA eingesetzt werden, sind Entzündungshemmer, sogenannte Basistherapeutika und Kortisonpräparate. Seit einigen Jahren lindern auch Biologicals die Beschwerden.
Dazu gehören die TNF-Blocker. Sie hemmen den körpereigenen Botenstoff TNF-Alpha und verhindern dessen entzündungsverstärkende Wirkung. Unabhängig von den Medikamenten helfen Krankengymnastik und Ergotherapie, damit sich die Kinder gut in ihrem Alltag zurechtfinden und möglichst wenig auf fremde Hilfe angewiesen sind. Je früher eine Behandlung beginnt, umso effektiver ist sie. Kinder, bei denen fünf und mehr Gelenke beteiligt sind, haben eine schlechtere Prognose hinsichtlich einer Heilung.
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