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Immer mehr Bäckereien bieten es an, im Netz häufen sich die Rezepte zum selber Backen: sogenanntes Abend- oder Eiweißbrot. Doch was ist drin im Brot fast ohne Mehl? Kann man davon wirklich abnehmen? Was sagen Ernährungsmediziner zu dem neuen Trend? Gibt es gesundheitliche Bedenken – oder kann es jeder essen? rbb Praxis fragt nach!
Keine Saison ohne neuen Diät-Trend: Diesen Frühsommer ist es das Eiweißbrot. Geeignet für das tägliche Abendbrot enthält es viel weniger Kohlehydrate als normal. Verschiedene Diäten, die mit der Trennung von Kohlehydraten und Eiweißen arbeiten oder die Kohlehydratzufuhr generell reduzieren, haben die frische Butterstulle am Abend nicht auf dem Speisezettel: Viel zu viele Kohlehydrate. Auch Nudeln und Kartoffeln sind verboten. Denn Kohlehydrate am Abend führen dazu, dass mehr von dem Hormon Insulin ausgeschüttet wird und das aufgenommene Fett nachts weniger verbrannt werden kann.
Das trendige Produkt führt hingegen dazu, dass das Sättigungsgefühl eher erreicht ist. Es eignet sich daher für Menschen, die Gewicht verlieren wollen. Den Muskelaufbau begünstigt der erhöhte Eiweißgehalt aber nur, wenn man parallel auch Sport macht.
Was ist ein Eiweiß-Brot?
Ein normales Mischbrot wird aus Mehl, Wasser, Hefe und Salz gebacken. Es enthält etwa 44 bis 89 Prozent Kohlehydrate, fünf bis 16 Prozent Eiweiß, weitere fünf Prozent Fett. In der Regel hat es 200 bis 230 Kalorien pro 100 Gramm. Das neue Eiweißbrot enthält dagegen durchschnittlich nur sechs bis 13 Prozent Kohlehydrate und dafür 24 bis 46 Prozent Eiweiß und mit 41 bis 58 Prozent auch einen wesentlich höheren Fettanteil. Die Kalorien pro 100 Gramm belaufen sich auf 250 bis 290.
Das neue Brot enthält also weniger Getreidemehl, dafür Weizeneiweiß (Gluten), Soja- und Lupineneiweiß, außerdem Leinsaat, Sonnenblumenkerne sowie Obst- und Gemüsefasern. Lupine sind Hülsenfrüchte wie Erbsen, Kichererbsen und Erdnüsse. Der Verzehr des Kohlenhydratarmen Brotes dämpft die Produktion von Insulin.
Einige Experten begrüßen den Verzehr des Brotes mit dem erhöhten Eiweißgehalt. Denn durch die pflanzlichen Eiweiße und die vielen Ballaststoffe ist es gesünder als die herkömmlichen kohlehydrathaltigen Laibe. Dennoch hat das Trendbrot hat auch einen Nachteil: Es enthält nicht nur mehr Eiweiß, sondern der Fettanteil ist auch viel höher als in einem herkömmlichen Brot. Gerade Menschen, die abnehmen wollen und auf die Kohlehydrate achten, müssen das wissen. Sonst nehmen sie unbewusst mehr Fette als gewünscht zu sich.
Natürlich hat das neue Eiweißbrot auch seinen Preis: Wie es üblicherweise mit Trendprodukten geschieht, ist es deutlich teurer als ein normales Vollkornbrot: 400 bis 500 Gramm kosten ungefähr drei Euro. Teilweise ist der Preis begründet durch die enthaltenen, teuren Pflanzenfasern und Kleie. Teilweise passt sich der Preis aber auch der Zielgruppe an, die bereit ist, deutlich mehr für das innovative Brot zu bezahlen.
Auch Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen mehr Eiweiß zu sich nehmen sollen, können das Abendbrot probieren. Dennoch ist Vorsicht geboten: Auch ein Zuviel an Eiweiß kann schädlich für die Nieren sein. Bei Menschen mit Übergewicht kann ein überhöhter Eiweißkonsum sogar das Diabetesrisiko ansteigen lassen. Daher sollten Menschen mit Nierenerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen wie Gicht oder Übergewicht vor dem Verzehr des Eiweißbrotes mit ihrem Arzt sprechen.
Filmbeitrag: Jeanne Wallrath
Infotext: Beate Wagner
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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