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Mi 23.11.11 20:15

Allergischer Schock

"Kann Spuren von Erdnüssen enthalten" - dieser Hinweis auf Verpackungen kann lebensrettend sein. Denn nehmen Menschen, die allergisch auf Erdnüsse reagieren, zufällig auch nur kleinste Mengen des Allergie auslösenden Stoffes zu sich, können sie einen allergischen Schock mit Luftnot und Kreislaufzusammenbruch erleiden.

Auch der Genuss von Fisch, Meeresfrüchten oder der Stich einer Wespe kann bei entsprechend empfindlichen Menschen einen aller-gischen Schock auslösen, der sofort ärztlich behandelt werden muss. Beinahe wäre dieses Gericht mit Shrimps ihre letzte Mahlzeit gewesen. Nach dem ersten Bissen fing es im Hals fürchterlich zu jucken an, das Atmen wurde schwer, ihr wurde schwindelig. Pusteln traten am Körper auf, im Minutentakt wurden es immer mehr. Die Lippen waren wie aufgespritzt, das ganze Gesicht angeschwollen.

Erst in der Notaufnahme wachte die Patientin wieder auf, neben ihr die besorgte Freundin, die den Notarzt gerufen hatte. Die Diagnose: allergischer Schock. Im Krankenhaus spitzt sich die Situation weiter zu. Der Blutdruck fällt lebensgefährlich, ihre Organe werden nicht mehr ausreichend durchblutet. Sofort werden der Patientin Adrenalin und Antihistaminika gespritzt und eine Kochsalzinfusion gegeben. Das soll den Blutdruck normalisieren, und die allergische Reaktion stoppen. 

"Plötzlich war ich allergisch". Für die meisten kommt eine Allergie überraschend – oft sogar dann, wenn man früher nie Probleme mit Überempfindlichkeiten hatte. Auch die Protagonistin im Film berichtet, dass sie erst ein paar Wochen zuvor Shrimps gegessen und die Mahlzeit völlig unbeschadet überstanden hatte. Das ist typisch: Bis sich die Beschwerden das erste Mal zeigen, hat der Körper bereits mehrfach mit dem jeweiligen Allergen Bekanntschaft gemacht, und zwar, ohne dass es zu auffälligen Reaktionen kommt. Allergene, das sind körperfremde Eiweiße, auf die das Immunsystem übertrieben reagiert.

Diese Reaktion kann sich schleichend wie bei einer Katzenhaarallergie entwickeln oder ganz plötzlich im allergischen Schock äußern. Für eine gewisse Zeit kann der Körper die fremden Eiweiße neutralisieren, ohne dass es Komplikationen gibt. Doch das Immunsystem schaukelt sich hoch, bis sich beim erneuten Kontakt genügend Antikörper auf die vermeintlich gefährlichen Eiweiße stürzen können. Bestimmte Zellen der Immunabwehr, die so genannten Mastzellen, schütten – getriggert durch die Antikörper – den Botenstoff Histamin aus, der die für Allergien typischen Beschwerden verursacht: Juckreiz, Rötungen und Atemnot. Außerdem macht Histamin die Wände von Blutgefäßen durchlässiger und sorgt damit auch für die geschwollene, quaddelige Haut.

Immer mehr Stoffe werden als Auslöser allergischer Reaktionen verdächtigt. Im Prinzip kann jedes Lebensmittel das Immunsystem so reizen, dass sich irgendwann eine Allergie entwickelt. Zu den gefährlichsten Allergenen gehören Insektengifte (Bienen, Wespen) und die Erdnuss. Schon Spuren dieser Nuss können einen lebensbedrohlichen Kreislaufkollaps verursachen. Ein bis zwei von Tausend Menschen müssen hierzulande mit schweren allergischen Reaktionen rechnen, wenn sie Erdnüsse essen.

Das Problem bei solch heftigen Reaktionen ist: Es ist keine Desensibilisierung möglich. Betroffene müssen also Meeresfrüchte, Fisch oder Erdnüsse von nun an selbst in geringsten Mengen vermeiden. Wer weiß, dass er mit der Gefahr für einen allergischen Schock lebt, sollte immer ein Notfallset dabei haben. Mit einer Adrenalin-Spritze und Antihistaminka können Betroffene ihren Kreislauf bis zum Eintreffen des Notarztes stabilisieren. Noch wichtiger ist das Notfallset bei dem Drittel der Betroffenen, bei denen man den allergieauslösenden Stoff nicht kennt.

Bei der Patientin im Film waren die Übeltäter schnell gefunden: die Shrimps. Oft muss der Stoff aber erst aufwändig ermittelt werden. Eine Möglichkeit: ein Hauttest. Entstehen Quaddeln, heißt das: Dieses Lebensmittel kann Probleme machen. Eine weitere Möglichkeit: verschiedene Lebensmittel werden in Breiportionen sozusagen "versteckt". Unter ärztlicher Kontrolle wird beobachtet, ob und wie stark der Betroffene auf den Inhalt reagiert.

Filmbeitrag: Pia Busch
Infotext: Constanze Löffler

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 23.11.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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Im Studio:

Dr. med. Anne Henschel

Oberärztin, Leiterin der Allergiesprechstunde
Klinik für Dermatologie und Allergologie
Vivantes Klinikum Spandau
Neue Bergstraße 6
13585 Berlin
Tel.: 030 - 130 13 1557
E-Mail: anne.henschel@vivantes.de
[www.vivantes.de]

Im Beitrag:

Prof. Dr. med. Margitta Worm

Leiterin d. Bereiche Klinische Studien, Nahrungsmittelallergie, atopische Dermatitis, Berufsdermatologie u. Autoimmunerkrankungen der Haut
Allergie-Centrum-Charité
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Charité – Campus Mitte
Luisenstraße 2-5
10117 Berlin
Tel.: 030 - 450 518 105
E-Mail: margitta.worm@charite.de
[www.allergie-centrum-charite.de]

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