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Mi 23.11.11 20:15

Heilung aus dem Internet

Ob Halsschmerzen oder Meningitis – zu jeder Krankheit bietet das Internet nach nur wenigen Klicks schnell und kompakt Infos. Viele Deutsche konsultieren mittlerweile lieber das Internet, wenn sie gesundheitliche Beschwerden haben, als ihren Arzt oder Apotheker. Doch wie seriös sind die Informationen aus dem Netz? Kann man Dr. med. Google wirklich glauben?

Wer kennt sie nicht: Gesundheitsportale mit Informationen rund um Medizin. Der nächste Arztbesuch steht an, ein Freund hat eine besonders verträgliche Methode für die anstehende Knieoperation empfohlen, der Bauch zwickt plötzlich am Wochenende. Was stimmt? Was ist die Ursache? Was hilft? Vielleicht weiß das der Doktor aus dem Internet. Immerhin bietet er Millionen Treffer in weniger als einer Sekunde. Im ersten Gesundheitsportal sind gleich 45 mögliche Ursachen für Bauchschmerzen gelistet: Die Angebote reichen von der harmlosen "Magenentzündung“ bis zu gefährlicheren Diagnosen wie "Darmverschluss", "Magenkrebs" oder "Cholera".

Immer mehr Menschen suchen im Netz nach medizinischen Informationen. Viele recherchieren vor oder nach dem Arztbesuch eine zweite Mediziner-Meinung oder kontaktieren Leidensgenossen. Die Zahl der Websites zum Thema Gesundheit ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Die Seiten klären auf über Krankheiten, Diagnosen und Therapien, erläutern aktuelle Neuerungen in Gesundheitspolitik und Forschung und erklären gängige Untersuchungsverfahren.

Dazu gibt es Medizinlexika, Selbsttests sowie Links und Adressen von Instituten und Selbsthilfegruppen. Suchmaschinen helfen, Ärzte, Kliniken oder Apotheken in der Heimatregion zu finden. Die Portale verfügen über kostenlose Diskussionsforen, in denen sich Patienten miteinander austauschen. Einige bieten betreute Foren an, in denen Ärzte Fachfragen beantworten.

Extrem beliebt: Arztbewertungsportale. Sie sollen bei der Suche nach dem "richtigen" Arzt helfen. Auf den Seiten können Patienten öffentlich die Ärzte loben und tadeln und sogar Noten vergeben. Doch das Wichtigste bleibt unklar: Behandelt der gewählte Arzt auch fachlich gut? Und: Die Bewertungen sind manipulierbar. Wie bei allen Verbraucherportalen sind es lediglich subjektive Einzelmeinungen der Menschen, die diese Ärzte aufgesucht haben. Ebenfalls im Trend: Zweitmeinungsseiten. Operieren oder nicht? Patienten haben ein Recht auf eine zweite Meinung – und auch die gibt es im Internet.

Medizinische Informationen im Netz zu suchen ist für die Patienten zunächst ein Vorteil. Nie waren Patienten besser informiert als heute. Doch was macht man mit diesen Informationen und vor allem: Wie viel Wert haben sie? Gesundheitsportale können ganz unterschiedlicher Qualität sein. Seriöse Auskünfte sind oft nur einen Mausklick von gefährlicher Quacksalberei entfernt. Die einen Beiträge strotzen vor Werbung. Andere sind von Ärzten verfasst, aber nicht immer verständlich. Und überhaupt, ist der "mündige Patient“ wirklich erwünscht? Viele Ärzte haben ihre positive Antwort darauf bereits gefunden und sehen einen Vorteil darin, wenn ein Patient nachfragt, seine Krankheit besser versteht und sich einbringt.

Neun Kriterien, um festzustellen, ob eine Internetseite qualitativ hochwertige Informationen enthält

• Wer bietet die Informationen an? Folgende Angaben sollten im Impressum o. ä. leicht zu finden sein: Name, Adresse, Kontakt per Mail und Telefon.
• Welche Ziele verfolgt der Anbieter? Es sollte schnell erkennbar sein, ob es sich um eine Institution, ein Unternehmen oder eine Arztpraxis handelt.
• Wer finanziert die Seite? Ist Werbung klar von den Inhalten getrennt?
• Wer ist der Autor der Inhalte? Welche Qualifikation hat er?
• Welche Qualität haben die Inhalte? Gibt es Hinweise auf wissenschaftliche Quellen, werden Aussagen belegt, sind die Informationen nachvollziehbar? Sind Experten ausgewiesen?
• Wie ausgewogen ist der Inhalt dargestellt? Werden neben den Vorteilen auch die Nachteile und Risiken erläutert? Stehen mehrere Behandlungsoptionen zur Auswahl?
• Verfügt die Seite über ein anerkanntes Gütesiegel? Beispiele: das sogenannte hon-Siegel der Schweizer "Health on the net Foundation" (www.hon.ch) oder das Siegel des Aktionsforums Gesundheitsinformationssystem (www.afgis.de)
• Wann wurde die Seite erstellt? Wie aktuell sind die Inhalte?
• Wird erwähnt, dass die Inhalte nie eine Arzt-Patientenbeziehung ersetzen kann?

Filmbeitrag: Carola Welt
Infotext: Constanze Löffler

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 23.11.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

expertengespräch

Video 23.11.11

rbb PRAXIS, 23.11.11
Gespräch mit Dr. Sebastian Schmidt-Kaehler

rbb PRAXIS

Gespräch mit Dr. Sebastian Schmidt-Kaehler

Gesundheitswissenschaftler und Geschäftsführer der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland zum Thema "Heilung aus dem Internet?"

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Im Studio:

Dr. Sebastian Schmidt-Kaehler

Gesundheitswissenschaftler, Geschäftsführer der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland
Unabhängige Patientenberatung Deutschland
Bundesgeschäftsstelle
Littenstraße 10
10179 Berlin

Bundesweites UPD Beratungstelefon:
0800 – 0 11 77 22
Mo. – Fr. von 10 – 18 Uhr und Do. bis 20 Uhr
Beratung bei Anruf aus dem Festnetz kostenfrei
[www.upd-online.de]

Im Beitrag:

Kai Sostmann

Arzt, Leiter des Bereiches eLearning an der Charité
IT-Beauftragter des Charité-Centrums für Frauen-, Kinder-und Jugendmedizin mit Perinatalzentrum und Humangenetik
Charité - Universitätsmedizin Berlin
CVK: Campus Virchow-Klinikum
13353 Berlin
Tel.: 030 - 450 576 166

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