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Skandale verunsichern - doch sind Pflegeheime wirklich solch ein Albtraum? Was unterscheidet ein gutes von einem weniger guten Heim? Welche Probleme gibt es tatsächlich? Wie kann man vorgehen, wenn man für sich selbst oder die eigenen Eltern das Beste finden will? Bei der Beantwortung von Fragen wie diesen kann die Unterstützung einer Pflegeberaterin Gold wert sein.
Pflegeberaterinnen helfen unter anderem bei der Suche nach dem richtigen Heim. In-formationsmaterialien gibt es zuhauf. Broschüren aller Art und eine Reihe von Internet-Portalen – wenn man vom Schreibtisch aus auf Recherche geht, dann entsteht der Eindruck: Das Angebot hat sich deutlich gebessert.
Doch wie findet man genau das Richtige? Auf Seiten wie Heimverzeichnis, Weiße Liste oder in den Suchdiensten der Krankenkassen kann man sich Adressen heraus suchen, die in Frage kommen könnten. Das Wichtigste aber ist der Check vor Ort.
Der beginnt bei einem Gespräch mit der Heimleitung. Unbedingt zu prüfen sind die Kos-ten, denn die Zuzahlungen schwanken erheblich - bei Pflegestufe 1 im Potsdamer Raum zwischen unter 900 und über 1500 Euro. Die Zuzahlungen wiederum hängen unter anderem von der Unterbringung ab: Je nachdem ob Einbett- oder Zweibett-Zimmer unterscheiden sich auch die Pflegekosten. Wichtig ist es auch zu fragen, welche Kostenent-wicklung voraussichtlich bevorsteht.
Zweiter Punkt: Wie ist die Ausstattung des Hauses? Gibt es einen Garten? Ist er rollstuhlgerecht gestaltet? Und: Gibt es Besuchsdienste, die mit den Bewohnern spazieren gehen? So wichtig bei alledem das Gespräch mit der Heimleitung ist, man sollte unbedingt allein mit Bewohnern sprechen. Und wenn es einen Beirat der Heimbewohner gibt, dann kann man dort einen Eindruck von der Stimmung im Pflegeheim gewinnen.
Einer der zentralen Checkpunkte: die Personalsituation im Heim. Der normale Schlüssel: Vier Pflegekräfte im Frühdienst für 22 Bewohner, drei im Spätdienst und eine in der Nacht. Man sollte auch fragen, wie hoch der Anteil von Hilfskräften ist – vor allem demente Personen sind auf qualifiziertes Personal angewiesen.
Generell der Tipp: Sensibilisieren Sie Ihre Sinnesorgane beim Heimrundgang – was Sie sehen, hören und riechen, sagt viel über die Qualität des jeweiligen Heimes aus.
Dann: der Zimmercheck. Die Größe ist fast immer gleich: 16 Quadratmeter. Aber der Blick aus dem Fenster kann ganz unterschiedlich ausfallen. Ist es ein sonniges Zimmer oder ein schattiges Zimmer? Lässt sich das Zimmer im Sommer, wenn viel Sonne scheint, durch beschichtete Gardinen oder Jalousien verdunkeln?
Nächster Checkpunkt: Welche Freizeitangebote gibt es, und wie oft? Ob Gartenarbeit, Chor oder Tierbesuche im Heim – werden die Bewohner auch aus ihren Zimmern abgeholt, damit sie tatsächlich die Chance haben, die Angebote zu nutzen?
Weitere Fragen, die bei der Suche nach dem richtigen Heim wichtig sind:
• Wie wird mit der Privatsphäre und Selbstbestimmung der Heimbewohner umgegangen?
• Wie wird die medizinische und zahnärztliche Versorgung sichergestellt?
• Werden Angehörige und ehrenamtliche Engagierte mit in den Pflegealltag eingebunden?
• Gibt es Hilfe beim Umzug?
• Gibt es die Möglichkeit anderer Wohnformen für den nicht pflegebedürftigen
Ehegatten?
• Wo findet man Hilfe? (Beratungsstellen, Pflegestützpunkte?)
• Muss man alles selbst finanzieren, gibt es Unterstützung?
Wer all diesen Fragen nachgeht und positive Antworten darauf bekommt, der braucht eigentlich keine Angst zu haben., wenn er – aus welchen Gründen auch immer – neuer Heimbewohner wird.
Wenn doch ein Heimumzug notwendig wird
Die Gründe für einen Heimumzug können ganz unterschiedlich sein: Mal werden qualifizierte Pflegekräfte zunehmend durch Hilfskräfte ersetzt. Dadurch können gravierende Fehler bei der Versorgung der Bewohner entstehen: Falsche Tabletten werden gegeben, die alten Menschen nicht ausreichend gepflegt, so dass Druckgeschwüre entstehen, bestimmte Diätvorgaben nicht beachtet. Oder das gerade neu bezogene Heim macht pleite.
Auch wenn solch ein Umzug für ältere Menschen durchaus Strapazen bedeutet, sollte er unter bestimmten Umständen unbedingt in Angriff genommen werden: wenn die alten Menschen alles ablehnen, ihre Medikamente nicht schlucken, nichts mehr essen oder trinken beispielsweise, denn dann kann solch ein Umzug Leben retten.
Filmbeitrag: Angelika Wörthmüller
Infotext: Constanze Löffler
Bücher und Broschüren
Das richtige Pflege- und Seniorenheim
Rechtliche Tipps für Senioren und ihre Angehörigen
Verlag Ch. Beck, 2. Auflage 2011
ISBN: 978-3-406-61415-6
Preis: 4,40 Euro
Wohnen im Alter im Land Brandenburg 2011/2012
von Guido Steinke
Beck Juristischer Verlag
ISBN: 978-3-940311-17-7
Die Broschüre ist im Buchhandel für eine Schutzgebühr von 1,50 Euro erhältlich.
Gut wohnen im Alter in Berlin
von Konrad Franke
Kai Homilius Verlag, 2011
ISBN: 978-3-89706-597-0
Preis: 11,90 Euro
Auf der Suche nach der passenden Wohn- und Betreuungsform
Ein Wegweiser für ältere Menschen (kostenlose Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
Bezugsmöglichkeiten:
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