
rbb Praxis News vom 10.02.2014 -
In Deutschland wird es die "Pille danach" auch künftig nur auf Rezept geben. Gesundheitsminister Hermann Gröhe lehnte die Freigabe des Medikaments ab. SPD und Grüne kritisieren die Entscheidung.
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sprach sich in einem Interview gegen eine Freigabe der "Pille danach" aus. Stattdessen warb er für einen zügigen, diskriminierungsfreien Zugang und gute Beratung. Das sei am besten gewährleistet, wenn es bei der Verschreibungspflicht bleibe, sagte der Minister der "Welt am Sonntag".
Damit entschied sich Gröhe gegen den Expertenausschuss des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm), der Mitte Januar dafür plädiert hatte, die Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel rezeptfrei auszuhändigen. Auch der Bundesrat hatte im November die Rezeptfreiheit verlangt, um gerade jungen Frauen einen schnellen Zugang zu dem Präparat ohne Arztbesuch zu ermöglichen. Auf diese Weise würden letztlich auch Abtreibungen verhindert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte im Jahr 2010 ebenfalls die Freigabe empfohlen. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD wurde das Thema wegen unterschiedlicher Meinungen ausgespart. Gröhes Entscheidung stieß nicht nur beim Koalitionspartner SPD auf Unverständnis, sondern auch bei der Opposition. "Die Erfahrungen in anderen Ländern zeigen, dass die 'Pille danach' dazu beiträgt, Schwangerschaftsabbrüche zu verhindern", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Hilde Mattheis, der "Welt".
Gröhe betonte es handele sich nicht um eine "Abtreibungspille". Auch gehe es weder darum, vermeintlichen Sittenverfall zu bekämpfen noch die Selbstbestimmung der Frauen einzuschränken. "Es geht darum, das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und die Frauengesundheit bestmöglich zusammenzubringen." Bei der Pille danach handele es sich um einen Wirkstoff, der in Einzelfällen auch schwere Nebenwirkungen habe, so Gröhe. In Deutschland sei überall der schnelle Zugang zu einem Arzt gewährleistet. Zwar könnten auch Apotheken beraten. "Ob das im Notdienst an der Fensterklappe in ausreichender Weise geschehen kann, darüber lässt sich streiten."
Die Pille danach, die als Notfallverhütung gilt, muss möglichst frühzeitig nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Spätestens sollte die Einnahme innerhalb von 72 Stunden erfolgen. Eine Schwangerschaft kann mit Levonorgestrel nicht abgebrochen werden.
Quelle: Reuters

