rbb Praxis News vom 01.04.2014 - Ärzte und Versicherte fürchten Mängel bei Gesundheitsversorgung

Noch sind die meisten Menschen zufrieden mit der medizinischen Versorgung in Praxen und Kliniken. Doch für die Zukunft rechnen Ärzte und Versicherte mit Mängeln bei der Gesundheitsversorgung. Das ergab ein neuer Gesundheitsreport.

Aktuell sind die meisten in Deutschland zufrieden mit der Versorgung in Praxen und Kliniken. "Rund 80 Prozent der Bürger bewerten das Gesundheitssystem als gut oder sehr gut", sagte die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des neuen Gesundheitsreports des Finanzdienstleisters MLP.

Der Blick in die Zukunft jedoch ist überwiegend pessimistisch: 69 Prozent der Bürger und 75 Prozent der Ärzte meinen, dass Deutschland immer mehr auf eine Zwei-Klassen-Medizin zusteuert. Nicht einmal jeder vierte rechnet damit, dass das Gesundheitssystem so leistungsfähig wie heute bleibt. Knapp zwei von drei Versicherten befürchten sinkende Leistungen, weniger Zeit der Ärzte für die Patienten und höhere eigene Kostenbeteiligung bei Operationen und Arztbesuchen.

Auch Ärzte erwarten für die kommenden Jahre Verschlechterungen im Gesundheitssystem. Jeder vierte Mediziner glaubt an eine deutliche Verschlechterung der Gesundheitsversorgung innerhalb der kommenden zehn Jahre. 75 Prozent der Ärzte meinen sogar, es komme immer mehr zu einer Zwei-Klassen-Medizin. Die älter werdende Gesellschaft, die abnehmende Zahl der Beitragszahler und die wachsende Personalnot bei Ärzten und Pflegern kommen laut Köcher als Hauptgründe infrage.

Viele Menschen erwarten von der Politik laut Umfrage mehr Engagement für eine Absicherung der Gesundheitsversorgung. Von den aktuellen Projekten der Koalition scheint vor allem der Plan einer zentralen Terminvergabe für schnellere Arzttermine auf unterschiedliche Meinungen zu stoßen: 45 Prozent finden dies gut, jeder Dritte lehnt das Vorhaben aber ab, weil Einschränkungen der freien Arztwahl gefürchtet werden. 57 Prozent der gesetzlich Versicherten mussten ihren Angaben zufolge in den vergangenen Jahren ein- oder mehrmals mehr als drei Wochen auf einen Arzttermin warten. Auch lange Wartezeiten trotz eines Termins kommen laut den Befragten häufig vor: Gut sieben von zehn gesetzlich Versicherten gaben an teils stundenlang warten zu müssen.


Quelle: dpa