Blick in OP des Deutschen Herzzentrums (Bild:dpa)

rbb Praxis News vom 21.01.2014 - 18.800 Tote durch Behandlungsfehler in deutschen Kliniken

In Deutschland sterben jährlich mehr Menschen durch Klinik-Fehler als im Straßenverkehr. Die Qualität planbarer Operationen ist dabei meist dort am besten, wo sie routinemäßig durchgeführt werden. Das geht aus dem Krankenhaus-Report 2014 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK hervor.

In Krankenhäusern, in denen Operationen besonders häufig durchgeführt werden, ist die Qualität am besten. Bei Hüftgelenk-Operationen beispielsweise muss in dem Fünftel der Kliniken mit den meisten Behandlungen deutlich seltener eine Operation wiederholt werden als in den Kliniken mit den wenigsten Eingriffen. Dort ist die Rate an Wiederholungsoperationen um 37 Prozent höher. Auch in der Versorgung bei Frühgeburten haben die routiniertesten Kliniken einen Vorsprung. Die Frühchen überleben am sichersten in den Kliniken mit den meisten kleinen Patienten pro Jahr. Das ergab der Krankenhaus-Report 2014 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Rund 18.800 Menschen sterben nach Angaben der Verfasser des Reports jährlich in deutschen Kliniken durch Behandlungsfehler. Das seien fünfmal so viele Todesfälle wie im Straßenverkehr. Dabei seien die Fehler in vielen Fällen vermeidbar, erklärte Max Geraedts, Leiter des Instituts für Gesundheitssystemforschung der Universität Witten/Herdecke und Mitherausgeber des Reports. Nicht abgefragte Allergien sowie Hygienemängel nannte Geraedts als Beispiele für vermeidbare Behandlungsfehler.

Um dem entgegenzuwirken, forderten die Autoren des Reports die Krankenhäuser auf, eine Fehlerkultur zu etablieren, Mitarbeiter stärker zu sensibilisieren und Fehlerberichtssysteme zu nutzen.

Der AOK-Bundesverband sprach sich zudem für die Pläne der großen Koalition aus, welche beabsichtigt die Bezahlung der Krankenhäuser stärker an der Qualität auszurichten. Union und SPD haben dafür die Gründung eines unabhängigen Qualitätsinstituts vereinbart.


Quelle: epd