Verschiedene Tabletten liegen auf einem Haufen © dpa
Verschiedene Tabletten liegen auf einem Haufen © dpa

rbb Praxis News vom 11.06.2013 - Arznei-Report: Zu viele Pillen für Senioren und Kinder

Kinder und ältere Menschen bekommen zu viele Arzneimittel mit gefährlichen Auswirkungen und ohne klaren medizinischen Grund. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Arzneimittelreport der Krankenkasse Barmer GEK, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Ältere bekommen zu viele Medikamente gleichzeitig

Ältere Menschen nutzen der Studie zufolge oft riskant viele Medikamente gleichzeitig. Ein Drittel der Menschen ab 65 Jahren bekommt sechs oder mehr verschiedene Mittel zur täglichen Einnahme verschrieben, wie der Arzneimittelreport 2013 der Krankenkasse Barmer GEK zeigt.

Das berge Risiken, warnte Versorgungsforscher Gerd Glaeske, der zu den Autoren der Studie zählt. Bei Einnahme vieler Medikamente seien Wechselwirkungen wahrscheinlicher. Vor allem leide die Therapietreue - das heißt, Patienten vergessen eher mal ein Medikament. Für einen besseren Überblick fordert die Krankenkasse, Patientendaten elektronisch zu vernetzen.

Zu viele Psychopillen für Kinder

Als besorgniserregend werteten die Forscher auch die hohen Verordnungszahlen von Antipsychotika für Kinder und Jugendliche. Von 2005 bis 2012 seien die Verschreibungen hier um 41 Prozent gestiegen, obwohl es dafür laut Glaeske keine medizinische Erklärung gebe. Studien zeigten keinen Anstieg psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Die Mittel hätten zudem teils gravierende unerwünschte Wirkungen.

Antipsychotika beziehungsweise Neuroleptika werden vor allem für Kinder und Jugendliche mit einer sogenannten Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), mit Angststörungen oder Depression verordnet.

(Quelle: AFP)