Die Füße eines Neugeborenen hängen während des Wiegens aus einem Beutel (Bild: dpa)

rbb Praxis News vom 10.12.2013 - Arzt und Hebamme für natürliche Geburt als Kulturerbe

Ein Berliner Gynäkologe und eine Hebamme wollen auf die aktuelle Entwicklung zunehmender Kaiserschnittgeburten aufmerksam machen und die Geburt ohne operative oder medikamentöse Unterstützung zum immateriellen Kulturerbe machen. Das teilte das katholische St. Joseph Krankenhaus in Berlin mit.

Der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Abou-Dakn, sagte Schwangere haben aufgehört guter Hoffnung zu sein, stattdessen bestimmten häufig Ängste die Geburtsplanung.

Der Arzt beklagt, dass das Wissen um die natürlichen Prozesse und menschlich zugewandte Betreuung bei einer Geburt zunehmend verloren gingen und stattdessen eine technik-orientierte Überwachung im Vordergrund stünde. "Was Schwangeren häufig fehlt, ist das Vertrauen und die Kenntnis über die eigenen körperlichen Möglichkeiten, eine Geburt gut zu meistern", sagte die Hebamme Bettina Kraus.

Wie die Klinik mitteilte, ist der Vorschlag bereits der Senatskulturverwaltung vorgetragen worden. Bis April 2014 kann sie nun zwei Vorschläge für die deutsche Liste des immateriellen Kulturerbes einreichen, über die dann die Kultusministerkonferenz und der Kulturstaatsminister entscheiden. Auf der UNESCO-Liste finden sich überliefertes kulturelles Wissen und Können, beispielsweise Tanz, Theater, aber auch Heilkunst. Das erste Auswahlverfahren für die Liste lief in diesem Jahr.

In Deutschland hat die Zahl der Kaiserschnittgeburten in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich zugenommen. 2012 hat es allerdings einen leichten Rückgang gegeben. Die Quote lag im vergangenen Jahr bei 31,7 Prozent. Die Weltgesundheitsorganisation gehe aber davon aus, dass nur eine Quote von 15 Prozent medizinisch zu begründen sei, erklärten Kraus und Abou-Dakn.


Quelle: epd