
rbb Praxis News vom 09.01.2014 -
Rund 280.000 DAK-Versicherte haben 2012 Schlaf- und Beruhigungsmittel mit hohem Suchtrisiko eingenommen. Ein Viertel der Patienten sind laut Auswertung der Krankenkasse Menschen zwischen 20 und 40 Jahren.
Benzodiazepin-Präparate und sogenannte Z-Substanzen (zum Beispiel Zopiclon oder Zolpidem) sind rezeptpflichtige Medikamente, die zur Linderung von Angstzuständen oder bei schweren Schlafstörungen verordnet werden.
Die DAK-Zahlen zeigten, dass ein Viertel der Versicherten, die solche Beruhigungsmittel auf Rezept bekämen, Frauen und Männer zwischen 20 und 40 Jahren sind. In dem Alter stünden viele beruflich vor großen Herausforderungen und nicht selten unter Dauerstress, so Dr. Ronald Meurer, Apotheker bei der DAK-Gesundheit.
"Die Statistik lässt vermuten, dass sie die Substanzen zur Bewältigung des Leistungsdrucks nehmen. Dazu sind die Medikamente allerdings überhaupt nicht geeignet." Das Risiko, eine Abhängigkeit zu entwickeln, ist bei jüngeren Menschen besonders hoch. Ärzte sollten die Arzneimittel nur nach sorgfältiger Prüfung verschreiben und die Einnahme engmaschig kontrollieren, fordert Meurer.
Nehmen Patienten die Wirkstoffe längerfristig ein, entstehen Abhängigkeiten – Experten schätzen, dass deutschlandweit und krankenkassenübergreifend rund 1,5 Millionen Menschen tablettensüchtig sind.
Über elf Prozent der DAK-Versicherten, die 2012 Benzodiazepine oder Z-Substanzen einnahmen, sind 80 Jahre und älter. Für sie sind die Wirkstoffe ebenfalls gefährlich. Deshalb stehen diese auf der von Wissenschaftlern ausgearbeiteten Priscus-Liste mit für ältere Menschen ungeeigneten Wirkstoffen. Durch die Einnahme der Beruhigungsmittel erhöhe sich einerseits das Risiko für Stürze, anderserseits könne durch die Kombination mit Medikamenten gegen Bluthochdruck oder Herzprobleme ein gefährlicher Pillenmix entstehen.
Quelle: DAK

