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Im Krankenhaus Waldfriede in Berlin-Zehlendorf wurde am Mittwoch das erste medizinische Zentrum für genitalverstümmelte Frauen eröffnet. Das "Desert Flower Center" nimmt sich als erste Klinik ganzheitlich der Probleme beschnittener Frauen an.
Das Konzept ist bisher einzigartig. Neben hochspezialisierten Beckenbodenchirurgen stehen im "Desert Flower Center" Waldfriede ebenso Psychologen, Seelsorger, Sozialdienst und Selbsthilfegruppen für eine weitergehende bzw. ergänzende Betreuung bereit. Jährlcih sollen 50 bis 100 Patientinnen behandelt werden.
Die Kosten für Operationen werden für in Deutschland versicherte Patientinnen von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen getragen. Selbst Nichtversicherte - etwa aus Afrika vor der grausamen Prozedur geflohene Frauen - können auf finanzielle Unterstützung bei Behandlung bauen.
Die rekonstruierenden Eingriffe sind unterschiedlich aufwendig, denn die Beschneidungen fallen unterschiedlich radikal aus - vom Abschneiden der Klitoris über das zusätzliche Entfernen der Schamlippen bis hin zum fast vollständigen Vernähen des Genitalbereichs.
Nach den meist mit Rasierklingen, Messern oder Glasscherben durchgeführten Eingriffen komme es oft zu chronischen Entzündungen im Genitalbereich, Inkontinenz und Fistelproblemen, weil Enddarm und Scheide durchstoßen wurden, berichtet Chefarzt Roland Scherer, Experte für Darm- und Beckenbodenchirurgie. Schmerzen und Unfruchtbarkeit seien oft die Folge, aber auch erhöhte Kindersterblichkeit, denn viele Babys blieben im durch Narben und Nähte verengten Geburtskanal stecken.
Waris Dirie ist Schirmherrin des Projekts
Schirmherrin des Projekts ist Waris Dirie, ehemaliges Model und UN-Sonderbotschafterin. Die 48-Jährige setzt sich seit 2002 mit ihrer in Wien angesiedelten "Desert Flower Foundation" für die Rechte afrikanischer Frauen und gegen das Ritual der Beschneidung ein.
Mit fünf Jahren wurde die gebürtige Somalierin selbst Opfer von Genitalverstümmelung. Ihren Lebens- und Leidensweg verarbeitete sie in mehreren Romanen. Elf Millionen Mal wurde ihr Buch "Wüstenblume" verkauft, das auch verfilmt wurde.
Die WHO geht davon aus, dass derzeit weltweit rund 140 Millionen Mädchen und Frauen verstümmelt leben, vor allem in Afrika. Etwa jede Vierte stirbt an den direkten oder langfristigen Folgen des Eingriffs. In Deutschland leben schätzungsweise 50 000 Opfer.
Quelle: Waldfriede Krankenhaus/dpa

