Die älteste Turnerin der Welt, die 86-jährige Johanna Quaas aus Halle mit Enkeltochter Susi, Quelle: dpa

rbb PRAXIS News vom 27.05.2013 - Großstudie: Deutsche fühlen sich gesünder

Das Berliner Robert-Koch-Institut hat in einer neuen Großstudie die Gesundheit der Deutschen unter die Lupe genommen. Dafür wurden etwa 8000 Menschen befragt und auf Herz und Nieren untersucht. Die letzte vergleichbare Studie gab es 1998. Im Folgenden einige ausgewählte Ergebnisse.

Die Menschen in Deutschland fühlen sich immer fitter. Drei Viertel der Befragten bezeichnen nach einer Studie ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut. Der Wert steige seit den 1990er Jahren, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) am Montag mit. Besonders deutlich werde dies bei den Älteren, sagte eine Expertin. Mehr als jeder zweite über 70 fühle sich gesund - obwohl Menschen in diesem Alter zunehmend Beschwerden haben können.

Die Untersuchung ergab nach Angaben des RKI aber auch: Wer einen geringen Schulabschluss und weniger Einkommen hat, schätzt seinen allgemeinen gesundheitlichen Zustand schlechter ein und wird auch häufiger krank als bessergestellte Menschen. Der Sozialstatus beeinflusse die Gesundheit in nahezu allen Bereichen, hieß es. Beispiel Übergewicht: Jede zweite Frau und zwei von drei Männern bringen zu viele Kilos auf die Waage.

Fast jeder Vierte sei stark übergewichtig. Dies betreffe besonders Menschen, die sozial oder wirtschaftlich nicht so gut gestellt seien. Insgesamt sehen die Wissenschaftler aber durchaus Effekte der Kampagnen, mit denen etwa Krankenkassen durch Bonuszahlungen zu mehr Bewegung aufrufen. Rund jeder Vierte treibt laut RKI inzwischen regelmäßig mindestens zwei Stunden pro Woche Sport - Männer etwas mehr als Frauen. Das sei deutlich mehr als noch vor zehn Jahren.

(Quelle: dpa)

DIABETES: Bei 7,2 Prozent der Menschen zwischen 18 und 79 Jahren wurde Diabetes diagnostiziert. Das ist ein Anstieg um 38 Prozent binnen zehn Jahren. Ein Drittel des Anstiegs ist allerdings auf die wachsende Zahl älterer Menschen zurückzuführen, die generell ein erhöhtes Diabetesrisiko haben. Auch Übergewicht ist ein großer Risikofaktor.

ÜBERGEWICHT: 53 Prozent der Frauen und rund 67 Prozent der Männer gelten als übergewichtig - die Zahl hat sich seit einer vergleichbaren Studie von 1998 "auf hohem Niveau eingependelt". Allerdings gibt es immer mehr stark Übergewichtige. Unter Fettleibigkeit (Adipositas) leiden heute bereits 23,3 Prozent der Männer und 23,9 Prozent der Frauen, wobei der Anteil bei jungen Männern besonders hoch ist. Jeder fünfte 30- bis 39-jährige Mann ist mittlerweile stark übergewichtig.

STRESS: Mehr als jeder Zehnte leidet unter Dauerstress, Frauen (13,9 Prozent) noch mehr als Männer (8,2 Prozent). Gestresste Menschen sind zugleich anfälliger für Depressionen oder Burnout. Zudem hat etwa ein Drittel der Erwachsenen massive Schlafstörungen.

DEPRESSION: Bei sechs Prozent wurde in den letzten zwölf Monaten eine Depression diagnostiziert und zwar vor allem im mittleren Lebensalter und bei mehr Frauen als Männern.

GEWALT: Etwa jeder 20. Befragte ist binnen eines Jahres Opfer körperlicher Gewalt geworden. Jeder Fünfte erlebte psychische Gewalt und wurde beleidigt, bedroht oder schikaniert. Frauen waren demnach tendenziell häufiger Opfer, wurden aber "signifikant häufiger" gewalttätig gegen ihren Partner.

ALLERGIEN: Rund 30 Prozent der Erwachsenen leidet unter mindestens einer Allergie. 8,6 Prozent haben Asthma, fast 15 Prozent Heuschnupfen und 4,7 Prozent Nahrungsmittelallergien.

ERNÄHRUNG: Die Deutschen essen etwas mehr Obst und Gemüse. Im Schnitt verputzen Frauen 3,1 und Männer 2,4 Portionen am Tag - Gesundheitsexperten empfehlen allerdings fünf Mal Obst und Gemüse täglich.

SPORT: Etwa ein Viertel der Erwachsenen treibt mindestens zwei Stunden pro Woche Sport. Das sind mehr als noch vor zehn Jahren. Die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu mindestens 2,5 Stunden mäßiger Bewegung pro Woche erreicht aber nur ein Fünftel.

RAUCHEN UND ALKOHOL: Während der Anteil der Raucher gesunken ist, ist der Alkoholkonsum vor allem bei den Jüngeren zwischen 18 und 29 Jahren weiterhin bedenklich. Über die Hälfte der Männer und ein Drittel der Frauen dieses Alters trinken in riskanter Weise Alkohol.

(Quelle: afp)