
rbb PRAXIS News vom 17.05.2013 -
In Deutschland werden kritische Stimmen in Hinblick auf die Klon-Versuche menschlicher Stammzellen in den USA laut. Aber wird damit tatsächlich eine ethische Grenze überschritten oder ist es vielmehr eine neue Hoffnung auf Therapien unheilbarer Krankheiten?
Wissenschaftler in den USA haben erstmals menschliche embryonale Stammzellen durch ein Klon-Verfahren hergestellt, wie am vergangenen Mittwoch im Fachblatt "Cell" veröffentlicht wurde. Dabei wandte die Forschungsgruppe im Bundesstaat Oregon um den Leiter Shoukhrat Mitalipov ein Verfahren an, das dem Ansatz ähnelt, der 1996 zur Schaffung des Klonschafes Dolly führte. Hierbei wird aus einer Hautzelle das genetische Material entnommen und in eine menschliche Eizelle eingepflanzt, deren Zellkern zuvor entfernt wurde. Durch die Verwendung dieser Zellen erhoffen sich Mediziner Durchbrüche bei der Behandlung von Herzkrankheiten, Parkinson, Alzheimer, Diabetes oder Querschnittslähmung. Mitalipov erklärte, bei den neu geschaffenen Zellen handele es sich um echte Stammzellen, die sich zu Leber-, Herz- oder Nervenzellen ausdifferenzieren können.
Doch was für die einen ein wissenschaftlicher Durchbruch ist, ist für die anderen ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Die Berichte über das Klonen menschlicher Stammzellen in den USA haben bei Wissenschaftlern, Kirchenvertretern und beim Ethikrat in Deutschland Kritik hervorgerufen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, verurteilte das Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken scharf. Dies verbiete die Menschenwürde. Das gelte selbst dann, wenn dadurch anderen Menschen geholfen werden könne. Die Vernichtung eines Embryos dürfe nicht "Voraussetzung für Gesundheit, Überlebensfähigkeit oder verbesserte Therapiechancen von anderem menschlichen Leben" werden, sagte Schneider.
Von einer Anwendung des Verfahrens in der reproduktiven Medizin, also dem Klonen von Menschen, distanzierte sich der Forscher Mitalipov ausdrücklich. Dies sei nicht der Fokus seiner Arbeit. Der Stammzell-Experte Rudolf Jaenisch vom MIT erklärte dazu, das Ergebnis stelle keinen Fortschritt beim reproduktiven Klonen dar. Bei entsprechend hergestellten Embryonen - deren Schaffung ohnehin illegal wäre - müsste man das gleiche Ergebnis wie bei Mäusen erwarten: "Die meisten sterben bei der Geburt und die anderen haben sehr ernste Probleme, wenn sie älter werden."
Im aktuellen Fall geht es aber nicht um das Klonen von Menschen, sondern um die Gewinnung von Stammzellen für therapeutische Zwecke. Dennoch bewerteten deutsche Stammzellforscher die Studienergebnisse zurückhaltend. So sagte der Kölner Stammzellexperte Jürgen Hescheler der Nachrichtenagentur AFP, dass schon lange bekannt sei, dass das Prinzip funktioniere. Auch der Wissenschaftler Albrecht Müller von der Universität Würzburg merkt an, der Forschungserfolg sei "eigentlich zu erwarten gewesen". Die Stammzellforschung habe damit aber ein "weiteres Handwerkszeug".
In Deutschland verbietet das Embryonenschutzgesetz die Gewinnung dieser Stammzellen, weil dabei Embryonen vernichtet werden. Erlaubt ist nur die Forschung an importierten embryonalen Stammzelllinien, die vor dem Stichtag 1.5.2007 erzeugt wurden.
Quellen: AFP/Reuters/epd/eigen
Doch was für die einen ein wissenschaftlicher Durchbruch ist, ist für die anderen ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Die Berichte über das Klonen menschlicher Stammzellen in den USA haben bei Wissenschaftlern, Kirchenvertretern und beim Ethikrat in Deutschland Kritik hervorgerufen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, verurteilte das Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken scharf. Dies verbiete die Menschenwürde. Das gelte selbst dann, wenn dadurch anderen Menschen geholfen werden könne. Die Vernichtung eines Embryos dürfe nicht "Voraussetzung für Gesundheit, Überlebensfähigkeit oder verbesserte Therapiechancen von anderem menschlichen Leben" werden, sagte Schneider.
Von einer Anwendung des Verfahrens in der reproduktiven Medizin, also dem Klonen von Menschen, distanzierte sich der Forscher Mitalipov ausdrücklich. Dies sei nicht der Fokus seiner Arbeit. Der Stammzell-Experte Rudolf Jaenisch vom MIT erklärte dazu, das Ergebnis stelle keinen Fortschritt beim reproduktiven Klonen dar. Bei entsprechend hergestellten Embryonen - deren Schaffung ohnehin illegal wäre - müsste man das gleiche Ergebnis wie bei Mäusen erwarten: "Die meisten sterben bei der Geburt und die anderen haben sehr ernste Probleme, wenn sie älter werden."
Im aktuellen Fall geht es aber nicht um das Klonen von Menschen, sondern um die Gewinnung von Stammzellen für therapeutische Zwecke. Dennoch bewerteten deutsche Stammzellforscher die Studienergebnisse zurückhaltend. So sagte der Kölner Stammzellexperte Jürgen Hescheler der Nachrichtenagentur AFP, dass schon lange bekannt sei, dass das Prinzip funktioniere. Auch der Wissenschaftler Albrecht Müller von der Universität Würzburg merkt an, der Forschungserfolg sei "eigentlich zu erwarten gewesen". Die Stammzellforschung habe damit aber ein "weiteres Handwerkszeug".
In Deutschland verbietet das Embryonenschutzgesetz die Gewinnung dieser Stammzellen, weil dabei Embryonen vernichtet werden. Erlaubt ist nur die Forschung an importierten embryonalen Stammzelllinien, die vor dem Stichtag 1.5.2007 erzeugt wurden.
Quellen: AFP/Reuters/epd/eigen


