Ein großes Bündel Akten (Bild: dpa)

rbb PRAXIS News vom 03.09.2013 - 'Statistische Auffälligkeiten' bei Meldungen der Krankenkassen

Nachdem die Rheinische Post am Dienstag davon berichtete, dass fast jede zweite Krankenkasse unter dem Verdacht stehe, falsche Krankheitszahlen gemeldet zu haben, trat nun das Bundesversicherungsamt den Presseberichten entgegen.

In der Klarstellung des Bundesversicherungsamtes (BVA) heißt es, bei den Prüfungen gehe es um statistische Auffälligkeiten: "Konkreter Manipulationsverdacht besteht nicht."

Dem Zeitungsbericht zufolge entdeckten die Beamten bei insgesamt 59 von derzeit 134 Krankenkassen Auffälligkeiten und forderten die Kassen zu einer Erklärung auf. Die Ergebnisse stammen aus dem Jahr 2009. Im Jahr 2008 seien in drei Fällen tatsächlich Manipulationen festgestellt worden, erläuterte das BVA.

Weiter hieß es in dem Bericht, eine Betriebskrankenkasse habe erklären müssen, warum in einem Jahr die Zahl der Herzinfarkte bei ihren Versicherten um mehr als 280 Prozent gestiegen ist, während sie durchschnittlich bei allen Kassen um weniger als ein Prozent in die Höhe ging. Das Bundesversicherungsamt teilte dazu mit, im fraglichen Fall handele es sich um einen Anstieg von 5 auf 19 Fälle.

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums bemühte sich ebenfalls um Erklärungen und sprach von einem Routineverfahren. Es sei nun Sache der Kassen und der Aufsicht zu klären, ob es tatsächlich zu Manipulationen gekommen sei.

Auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen äußerte sich ähnlich. An der Erstellung der Daten seien Ärzte, Kliniken, Kassen und weitere Institutionen beteiligt. Gründe für Auffälligkeiten könnten auch verspätete Meldungen sein oder hohe Steigerungsraten bei einer kleinen Zahl von Fällen.

Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU), erklärte, es sei gut, dass die Aufsicht ihre Kontrollrechte nutze. Es sei "völlig inakzeptabel, wenn einzelne Kassen Daten manipulieren oder manipulieren lassen, um mehr Geld zu bekommen".


Quelle: epd/AFP