
rbb Praxis News vom 05.02.2014 -
Ein Däne ist der erste Mensch der Welt, der mit Hilfe einer neuartigen Handprothese ohne Zeitverzögerung wieder etwas spüren kann. Experten mehrerer europäischer Hochschulen und Kliniken entwickelten eine Ersatzhand, welche durch Muskelbewegungen des Unterarms gesteuert wird und über einen Rückkanal verfügt.
Der Däne Dennis Aabo Sørensen verlor bei einem Unfall mit Feuerwerkskörpern seine linke Hand. Jahre später kann er trotzdem wieder fühlen und tasten. Dies ermöglicht eine neuartige Handprothese, die von Experten mehrerer europäischer Hochschulen und Kliniken entwickelt wurde. Sie berichten darüber in der Fachzeitschrift "Science Translational Medicine".
"Wenn ich ein Objekt gehalten habe, konnte ich fühlen, ob es weich oder hart, rund oder eckig war", wird Sørensen in einer Mitteilung der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (Schweiz) zitiert. Wie bei anderen fortgeschrittenen Prothesen steuern Muskelbewegungen des Unterarms die Hand. Neu ist der Rückkanal, über den der Prothesenträger sofort merkt, ob er zu fest zudrückt oder welche Art Gegenstand er in der Hand hält. Sørensen kann mit der Prothese Größe, Form und Härte von Gegenständen in seiner Hand erfassen.
In einer Operation setzte das Forscherteam dem Patienten vier sehr feine Elektroden in den Oberarm. Ansatzpunkte waren der Mittelarmnerv (Nervus medianus), der Empfindungen von Daumen und Zeigefinger ans Gehirn leitet, und der Ellennerv (Nervus ulnaris), der die Signale für den kleinen Finger leitet. Eine Software übersetzt die elektrischen Signale der Drucksensoren in Impulse, die die Nerven weiterleiten können.
Die Wissenschaftler wollen ihr Verfahren nun an zahlreichen Patienten testen. Zukünftig solle der Stimulationsapparat verkleinert und vollständig implantiert werden, schreiben sie in ihrem Fachartikel.
Quelle: dpa

