Nervenzellen unter dem Mikroskop (Bild: dpa)

Motto 2013: "Rechtzeitig erkennen - richtig behandeln" - Welt-Parkinson-Tag im Zeichen der Früherkennung

Parkinson ist die häufigste nervenbedingte Bewegungsstörung bei älteren Menschen. Bei der unheilbaren Krankheit sterben Nervenzellen ab, die den Botenstoff Dopamin produzieren. In der Folge geht die Kontrolle über Gliedmaßen verloren.

Typische Symptome sind zitternde Hände, starre Gesichtszüge, Haltungs- und Gangstörungen und Schlaflosigkeit. Erste Symptome treten meist im Alter zwischen 50 und 60 Jahren auf. Bis zu zehn Prozent der Betroffenen sind aber jünger als 40. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Europäische Parkinson Vereinigung initiierten den Gedenktag 1997. Sein Datum geht auf den am 11. April 1755 geborenen englischen Arzt James Parkinson zurück, der als erster die Symptome der Schüttellähmung beschrieb.

Entwicklung zur Volkskrankeit

Mit der steigenden Lebenserwartung in Deutschland wächst auch die Zahl der Parkinson-Erkrankungen. Die Vorstandschefin der Deutschen Parkinson Vereinigung (dPV), Magdalene Kaminski, geht deshalb davon aus, dass sich Parkinson zu einer Volkskrankheit entwickeln wird. Die dPV schätzt die Zahl der Patienten mit dieser Diagnose auf etwa 300.000 bundesweit. Bei schätzungsweise weiteren 100.000 Menschen werde die Krankheit nicht richtig erkannt.

Frühe Symptome richtig deuten

Im frühen Stadium von Parkinson können Angstzustände und depressive Verstimmungen auf die Krankheit hindeuten. Diese psychischen Symptome würden jedoch oft nicht mit der motorischen Erkrankung in Verbindung gebracht, sagte der Psychiater und Neurologe Thomas Müller. Die Betroffenen würden fälschlicherweise mit einer Psychotherapie behandelt, etwa gegen Depressionen, das Burn-Out-Syndrom oder mangelnde Belastbarkeit, sagte Müller. Insbesondere bei jungen Patienten dauere es teilweise bis zu fünf Jahre, bis Parkinson richtig erkannt werde.

Medikamentengabe mit anderen Therapien kombinieren

Wenn die ersten Symptome richtig diagnostiziert werden, lässt sich Morbus Parkinson aber inzwischen so gut behandeln, dass der Krankheitsverlauf erheblich verlangsamt wird. Durch gezielte Medikation lassen sich die Symptome effektiv lindern. Dabei stehen als klassische Therapiemaßnahmen kontinuierliche Medikamentengaben durch beispielsweise Pumpensysteme zur Verfügung.

Eine Kombination der klassischen Therapieansätze mit Physio-, Sprach- und Beschäftigungstherapien gehört heute zum medizinischen Standard. Seit einigen Jahren richtet sich die Aufmerksamkeit der Experten verstärkt auf die nicht-motorischen Störungen wie Depressionen, Schlafstörungen, reduzierte Mimik oder Sprachschwierigkeiten.

Telemedizin kann hilfreich sein

Nach den Worten von Dr. Thomas Giese, Neurologe bei der Barmer GEK, bedarf es dazu der sorgfältigen Diagnosestellung und einer individuell angepassten Arzneimitteltherapie. Allerdings könne die optimale Einstellung des Patienten auf eine für ihn hilfreiche Medikation mit zunehmendem Krankheitsverlauf medizinisch sehr anspruchsvoll werden. Daher biete die Barmer GEK eine individuelle videobasierte Therapie im häuslichen Umfeld an. Dazu schaltet sich der behandelnde Arzt zu verabredeten Zeiten per Videokamera ins Wohnumfeld des Patienten dazu.  

Mithilfe spezieller Bewegungsübungen analysieren dann Arzt und Patient gemeinsam die konkrete Wirkung der Medikamente. Zudem werden Alternativen bei Auswahl, Dosierung und Einnahmezeitpunkt besprochen. Damit verschafft sich der Arzt verschafft ein realistisches Bild über den Erfolg der Arzneimitteltherapie im konkreten Wohnumfeld. Und dem Patienten bleibt der Krankenhaus-Aufenthalt erspart. Zudem spiegelt das Krankenhaus nicht die Alltagssituation wider. "Insofern kann diese telemedizinische Anwendung zur Optimierung der Behandlung in vielen Fällen hilfreich sein."

(Quellen: dpa, afp, ddp)

rbb PRAXIS im Inforadio

Grafik: Impulsleitende Neuronen (Quelle: rbb)

rbb PRAXIS, 11.04.2013 - Parkinson-Tag

Hoffnung setzen viele Patienten auf eine besondere Therapie: die tiefe Hirnstimulation. Zum Parkinson-Tag ein Beitrag von Ursula Stamm.

Telemedizin

Bei der Auswertung von telemedizinischen Daten, Quelle: dpa

rbb PRAXIS - Der Wohnzimmer-Arzt

Telemedizinische Betreuungsangebote für chronisch Kranke können vor allem in Gebieten mit geringer Arztdichte die Betreuung erleichtern. Per Funk und Internet weiß der Arzt über den Zustand seiner Sorgenkinder rund um die Uhr Bescheid, sogar am Wochenende.