
rbb Praxis News vom 26.11. 2013 -
Angesichts verbreiteter Kritik am Einfluss der Pharmaindustrie auf Ärzte will sich die Branche ein Verbot jeglicher Geschenke an Mediziner auferlegen. Wie der Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie, Diener, am Dienstag in Berlin sagte, betrifft das unter anderem Geschenke wie Kugelschreiber oder Schreibblöcke.
In einem 14-seitigen Kodex soll zudem festgelegt werden, dass Geldflüsse an Mediziner veröffentlicht werden müssen - etwa Beratungshonorare, Spenden oder die Finanzierung von Fortbildungsveranstaltungen. Entsprechende Beschlüsse sollen auf einer Mitgliederversammlung am Mittwoch in Berlin fallen.
Das Verbot von Geschenken soll im zweiten Halbjahr 2014 in Kraft treten. Geldleistungen und Zuwendungen sollen die Unternehmen erstmals 2016 fürs Vorjahr dokumentieren. Die Zeit bis dahin sei auch für die technischen Vorbereitungen in den Unternehmen nötig.
Diener rief die Mediziner und ihre Organisationen auf, sich zur Nennung der Namen der Ärzte bereitzuerklären. "Wir können schon aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht gegen den Willen der Ärzte veröffentlichen", sagte er.
Geld fließt auf verschiedene Arten von Pharmaherstellern an Ärzte. So gibt es jährlich Hunderte neue kleine Studien, in denen Ärzte gegen Entschädigung Erfahrungen mit neuen Medikamenten bei ihren Patienten an die Hersteller melden.
Fortbildungsveranstaltungen und Kongresse werden gesponsert. Tausende Pharmavertreter besuchen regelmäßig Arztpraxen und haben oft auch kleine Geschenke dabei. Kritiker werfen der Branche unter anderem vor, dass sie viele Medikamente auch mittels beeinflusster Ärzte breit in die Anwendung bringe, obwohl diese nicht für alle Patienten optimal seien - und womöglich sogar Risiken bergen.
Quelle: dpa

