Anatomische Abbildung eines Gehirns (Bild: imago)

rbb PRAXIS News vom 16.07.2013 - Risiko für Masern-Spätfolgen höher als angenommen

Laut der Universität Würzburg ist das Risiko von tödlichen Spätfolgen nach einer Maserninfektion für Kinder offenbar 30 Mal höher als bisher angenommen. Spätfolge kann eine tödliche Gehirnentzündung sein.

Wissenschaftler der Universität Würzburg und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit errechneten demnach, dass das Risiko einer tödlichen Gehirnentzündung für Kinder unter fünf Jahren bei 1 zu 3.300 und nicht wie bislang angenommen bei 1 zu 100.000 liegt. Die sogenannte sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) kann auch noch Jahre nach einer Infektion auftreten.

Das Risiko für Kinder im ersten Lebensjahr ist den Berechnungen zufolge noch wesentlich höher, für Kinder im fünften Lebensjahr entsprechend niedriger. Dies sei besonders problematisch, weil Kinder erst ab dem vollendeten elften Lebensmonat gegen Masern geimpft werden können, hieß es. Kinder im ersten Lebensjahr, für die das SSPE-Risiko am höchsten ist, können daher nicht durch eine Impfung geschützt werden, warnte Benedikt Weißbrich von der Universität Würzburg. Demzufolge ist der einzige Schutz vor SSPE für Säuglinge, dass alle um sie herum gegen Masern geimpft sind und die Erreger nicht weitergeben können.

In Deutschland wurden 2013 bislang mehr als 1040 Masernfälle gemeldet. Deshalb waren Forderungen nach einer Impfpflicht laut geworden. Ursprünglich hatte sich die Weltgesundheitsorganisation das Ziel gesetzt, die Masern bis 2010 in Europa auszurotten. In vielen Ländern, darunter auch Deutschland, sind die Impfraten bislang allerdings nicht hoch genug. Das neu gesetzte Ziel der Ausrottung der Masern ist jetzt 2015.

Quellen: AFP/epd