
rbb Praxis News vom 19.03.2013 -
Die meisten Patienten mit einer schwerer Depression in Deutschland erhalten keine angemessene Therapie. Das geht aus einer neuen Studie der Bertelsmann Stiftung hervor.
56 Prozent der schwer Depressiven werden demnach unzureichend behandelt, also nur mit Antidepressiva oder einer Psychotherapie, aber nicht mit einer Kombination aus beidem.
18 Prozent der Patienten werden laut der Erhebung gar nicht behandelt. Nur 26 Prozent bekämen wie in Leitlinien vorgesehen eine kombinierte Behandlung mit Medikamenten und Therapie oder eine Behandlung in einer Klinik.
Die Studie sollte am Mittwoch in Gütersloh veröffentlicht werden. Sie lag der Nachrichtenagentur dpa vorab vor. Demnach bestehen erhebliche regionale Unterschiede. Die insgesamt beste Versorgung im Vergleich der Länder gebe es in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Schlusslichter seien Sachsen-Anhalt, Thüringen und das Saarland.

In Brandenburg wird jeder Vierte mit einer schweren Depression angemessen versorgt. Das Land liegt damit knapp unter dem Bundesdurchschnitt von 26 Prozent. Aber die Versorgung im Flächenland ist sehr unterschiedlich.
So ist die Rate im Kreis Ostprignitz-Ruppin (13 Prozent) fast dreimal niedriger als in Potsdam (35 Prozent), Brandenburg/Havel und im Landkreis Spree-Neiße (34 Prozent). Ein Grund dafür: Während etwa im Kreis Oberspreewald-Lausitz nur zwölf Psychotherapeuten oder Fachärzte auf 100. 000 Einwohner kommen, sind es in Potsdam immerhin 65.
In Berlin werden 23 Prozent de Patienten mit einer schweren Depression angemessen behandelt - und dies, obwohl die Arzt- und Therapeutendichte überdurchschnittlich hoch ist.
Depressionen werden dort zwar sehr oft diagnostiziert (Platz zwei nach Bayern), aber die Hauptstadt hat den geringsten Anteil an stationären Behandlungen und auch Antidepressiva werden weniger lange Zeit verschrieben.
Quelle: dpa

