
rbb Praxis News vom 01.04.2014 -
Erstmals seit 20 Jahren ist der Verbrauch von Medikamenten gegen das sogenannte Zappelphilipp-Syndrom leicht gesunken. Das teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mit.
Bei der Verschreibung von Medikamenten gegen ADHS zeichnet sich eine Trendwende ab: Erstmals seit 20 Jahren ist der Verbrauch von Medikamenten mit dem Wirkstoff Methylphenidat leicht gesunken. Wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mitteilte, wurden im vergangenen Jahr bundesweit 1803 Kilogramm des ADHS-Wirkstoffes, besser bekannt unter dem Markennamen Ritalin, verbraucht. Das waren zwei Prozent weniger als im Vorjahr. In den zehn Jahren zuvor hatte sich der Verbrauch noch verdreifacht.
Von einer echten Abwärtstendenz könne derzeit sicherlich noch nicht gesprochen werden, schränkte BfArM-Präsident Walter Schwerdtfeger ein. Jedoch sei der erstmalige leichte Rückgang ein "positives Signal, das möglicherweise auf einen kritischeren Umgang mit Methylphenidat hindeutet".
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist die häufigste psychische Störung bei Kindern und Jugendlichen und kann bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Eine eindeutige Erklärung gibt es bislang nicht dafür. Die Hauptursache wird in der Veränderungen der Funktionsweise des Gehirns vermutet. Wissenschaftler gehen davon aus, dass neben genetischen Faktoren zum Beispiel auch Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Schätzungen zufolge sind rund 500.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland betroffen, Jungen dabei drei- bis viermal so häufig wie Mädchen.
Seit den 1990er Jahren waren die Verordnungen von Arzneimitteln gegen das sogenannte Syndrom steil nach oben gegangen. Im Zusammenhang mit ADHS-Medikamenten wurden allerdings Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Wachstumsstörungen und Herz-Kreislauf-Beschwerden bekannt. Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Kliniken und Kassen hatte deshalb 2010 die Verordnung der Mittel eingeschränkt.
Quelle: AFP

