Ein Operationsteam arbeitet an einem Operationstisch (Bild: dpa)

rbb PRAXIS News vom 26.08.2013 - Zahl der Operationen erneut gestiegen

In Deutschland ist die Zahl der Operationen seit 2005 um mehr als ein Viertel gestiegen. Allein die Zahl der Wirbelsäulen-Operationen hat sich in dem Zeitraum mehr als verdoppelt. Das teilt das Bundesgesundheitsministerium mit.

Laut der Antwort, welche das Bundesgesundheitsministerium auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion gab, hat es 2005 rund 12,13 Millionen Operationen gegeben. 2011 waren es bereits 15,37 Millionen Operationen.

Die Zahl der Wirbelsäulen-Operationen ist in dem genannten Zeitraum von 326.962 auf 734.644 gestiegen. Auch bei den Operationen am Hüftgelenk und am Knie liegt Deutschland demnach im europaweiten Vergleich an der Spitze. Laut der vom Bundesgesundheitsministerium vorgelegten Statistik gab es 2010 in Deutschland 295 Hüft-OPs je 100.000 Einwohner, in Finnland waren dies beispielsweise nur 199 solcher Eingriffe je 100.000 Einwohner.

Ende 2012 hatte die AOK in ihrem "Krankenhaus-Report" über einen drastischen Anstieg von Operationen berichtet. Die Krankenkasse kam zu dem Schluss, dass viele Eingriffe unnötig seien und vor allem in jenen Bereichen gestiegen seien, die "wirtschaftlichen Gewinn versprechen".

Verantwortlich für diese Entwicklung sei vor allem das sogenannte Fallpauschalensystem in den Krankenhäusern, kritisierte die Linkspartei. "Die Fallpauschalen sind ein riesiger Fehlanreiz. Da wird tausendfach operiert, nur weil es mehr Geld bringt", erklärte Vize-Fraktionschef Klaus Ernst.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) wies dies zurück. Dass Deutschland ein Problem mit medizinisch nicht notwendigen Operationen habe, liege "nicht an denen, die die Operationen hinterher bezahlen, sondern an denen, die zu viel operieren", erklärte Verbandssprecher Florian Lanz. Die Fallpauschalen hätten sich "bewährt". Dadurch würden die tatsächlichen medizinischen Leistungen bezahlt und nicht mehr wie früher nur die Anzahl der Tage, die jemand im Krankenhaus verbracht habe.

Seit 2004 werden die Leistungen der Krankenhäuser in der Regel nicht mehr tageweise abgerechnet, sondern pauschal je nach Krankheit. Die sogenannten Fallpauschalen unterscheiden sich dabei nach Krankheitsarten und Behandlung.



Quelle: AFP/dpa/Bundesgesundheitsministerium/Statistisches Bundesamt