Ambrosia-Knospen

- Ambrosia - der wuchernde Allergietreiber

Ambrosia ist ein Albtraumgewächs: Ihre Pollen sorgen für eine ganzjährige Plage bei Allergikern, treiben Gesundheitskosten in die Höhe und bringen jede Menge Neuallergiker hervor. In Berlin und Brandenburg hatte Ambrosia in diesem Jahr beste Wachstumsbedingungen – und wucherte. Jetzt beginnt die Blütezeit – mit Millionen von hochallergenen Pollen. rbb PRAXIS erklärt, warum Ambrosia so aggressiv wirkt und was das für Allergiker und Nicht-Allergiker bedeutet.

Tränende Augen, Ausschläge, Asthma – all das kann eine magere Pflanze aus der Beifuß-Familie auslösen. Die Rede ist von Ambrosia artemisiifolia, auch Traubenkraut oder – im Englischen – Ragweed genannt. Nur wenige ihrer Pollen braucht es, um Allergikern zuzusetzen – genauer: fünf bis zehn Pollen pro Kubickmeter Luft reichen dafür aus. Für eine Reaktion auf Gräser braucht es fünf Mal so viele Pollen.

Der Grund: Ambrosia-Pollen sind extrem klein. Zum Vergleich: Gräserpollen sind fast doppelt so groß wie Ambrosia. Birkenpollen immerhin noch fast ein Drittel größer als das Beifußgewächs. Deshalb gelangen Ambrosiapollen auch viel leichter bis tief in die Bronchen. Kurz: Ambrosia sorgt mit wenigen Pollen für viele Allergieanfälle und mit kleinen Pollen für heftige Allergieanfälle - bis hin zum allergischen Asthma.

Tatsächlich belegen Studien wie die der Asthma-Allergy Association: Ambrosia löst bei Pollenallergikern doppelt so häufig Asthma aus, wie andere Pollenarten. In Australien nennt man Ambrosia deshalb sogar schon „Asthma-Pflanze“.

Asthmasprays

Wenn Ambrosia die Luft raubt

Das Atmen wird schwerer, die Brust scheint sich zuzuziehen. Plötzlich und innerhalb von Sekunden schrumpft das Lungenvolumen, so beschreiben Patienten das Gefühl bei einem allergischen Asthmaanfall. Wie lange der dauert und wie schlimm er wird, ist für den Allergiker nicht abzusehen. Dem Allergen ausweichen ist unmöglich: die Pollen haften an Haaren und Textilien, schlüpfen mit dem nächsten Windstoß durchs Fenster oder sind schon längst überall – im Hausstaub.
Laut der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie leiden etwa 5% der Bevölkerung unter allergischem Asthma. Etwa 2700 Menschen sterben jährlich an den Folgen der Krankheit.

Neue Allergiepatienten

Das Thema Ambrosia kann schnell auch die betreffen, die sich bisher nicht an Pollen stören mussten, sagt Dr. Ulf Gereke. In seiner Gemeinschaftspraxis für Allergologie und Lungenheilkunde in Cottbus ist ihm aufgefallen: „Durch Ambrosia hatten wir in den letzten Jahren viele ‚neue Allergiker’ in der Praxis. Das waren Menschen, die vorher gar keine Probleme mit irgendwelchen Pollen hatten und nun mit reinen Ambrosiaallergien kommen.“

Multiplikator Ambrosia

Die Diplom-Biologin Anja Schwalfenberg ist regelmäßig deutschlandweit mit dem "Allergie-Mobil" des Deutschen Allergie- und Asthma Bundes e.V. unterwegs. Zusammen mit Kollegen aus den Bereichen Allergologie, Pneumologie und Chemie berät sie Menschen kostenlos zum Thema Allergie und führt auch Lungenfunktionstests durch.

Im Zusammenhang mit Ambrosia nennt Anja Schwalfenberg ein weiteres Problem: "Natürlich gibt es zuerst einmal genetische Dispositionen für die Allergieanfälligkeit. Aber auch Menschen, bei denen erstmals Ambrosia eine Allergie auslöste, reagieren danach tendenziell leichter auf andere, weniger aggressive Pollen. Zumindest wenn ihre Ambrosia-Allergie unbehandelt bleibt." Ambrosia kann also zu einer Art "Allergie-Multiplikator" werden - auch bei Neuallergikern.

Zusatzkosten in Milliardenhöhe

Im Deutschlandvergleich wucherte Ambrosia bisher besonders üppig in Brandenburg. Aber auch in Berlin ist sie oft zu finden, die beifußblättrige Pflanze.

Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und das Allergiezentrum der Universität München haben 2012 eine Studie zu den Kosten von Ambrosia veröffentlicht. Die Institute schätzen, dass das Allergen in Deutschland zwischen 200 Millionen und einer Milliarde Euro an Zusatzkosten verursacht.

Frau niest in Taschentuch

Keine Atempause

Ob Neuallergiker oder lange Geplagter - nicht zuletzt macht seine Blütephase Ambrosia zur echten Plage für den Menschen. Denn wenn die meisten anderen allergieauslösenden Pflanzen endlich keine Pollen mehr in die Luft schleudern, legt das Traubenkraut erst richtig los.

Dessen Hauptpollenflugzeit ist von August bis Oktober und wenn der Winter mild ist, können die Ambrosiakeime sogar bis in den Dezember hinein fliegen. Für Allergiker bedeutet das: kaum Ruhepause für das hyperaktive Immunsystem.

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