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Während die meisten Menschen bei den milden Temperaturen aufblühen, ist die Freude bei Pollenallergikern getrübt. Denn durch den milden Winter hat ihre Saison mit Niesattacken und tränenden Augen schon lange begonnen. rbb Praxis-Autorin Nadine Bader informiert über Ursachen und Risikofaktoren.
Etwa fünfzehn Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben Heuschnupfen. Vor zwanzig Jahren waren es noch zehn Prozent. Die Zunahme hat laut Prof. Dr. Karl-Christian Bergmann, Leiter der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, mit verschiedenen Faktoren zu tun. Dazu gehörten wahrscheinlich zunehmende Hygiene und auch der Klimawandel.
Zurzeit fliegen deutschlandweit die Pollen der Erle. Die Pollensaison der Birke beginnt dieses Jahr im Süden Deutschlands Mitte März, in den nördlichen Bundesländern etwa eine Woche später. Gräserpollen sind im Süden ab Mitte April, im Norden eine Woche später zu erwarten. Die Saison für Beifußpollen startet im Süden und Norden gleichzeitig Mitte Juli. Der Flug der Ambrosia setzt im Süden eine Woche später, um den 20. Juli ein, im Norden rund drei Wochen später.
Ursache
Ursache des Heuschnupfens (Pollenallergie) ist eine Überreaktion des Körpers auf bestimmte Blüten-, Baum- und Gräserpollen. Diese Stoffe (Allergene) werden vom Körper fälschlicherweise als "Feinde" eingestuft.
Wenn ein Allergie-Risikopatient erstmals mit dem Allergen in Kontakt kommt, beginnen Abwehrzellen (B-Lymphozyten) sofort mit der Produktion einer bestimmten Art von Abwehrstoffen (Antikörper), dem Immunglobulin E (IgE). Die IgE-Antikörper passen genau auf die Struktur des Allergens und binden sich daran. Bei einem erneuten Kontakt mit dem gleichen Allergen führen die Antikörper zur Freisetzung großer Mengen an Entzündungsstoffen, vor allem Histamine, die zu einer Abwehrreaktion führen. Betroffen sind besonders die Körperstellen, auf welche die Allergene direkt treffen - also die Bindehaut der Augen oder die Schleimhaut der Nase. Es kommt zu Reizungen oder Anschwellen der Schleimhäute, Tränenfluss, Fließschnupfen und Niesattacken.
Risikofaktoren
Es ist noch unklar, warum bestimmte Stoffe bei manchen Menschen eine allergische Reaktion auslösen und bei anderen nicht. Es bestehen aber mehrere Faktoren, die das Risiko erhöhen, an einer Allergie zu erkranken:
- Genetische Vorbelastung
Je mehr Familienmitglieder Allergiker sind, umso größer ist das Risiko für die Kinder, ebenfalls eine allergische Erkrankung zu entwickeln. Das höchste Risiko haben Kinder, wenn beide Elternteile an der gleichen Allergie leiden: Laut Bundesverband der Pneumologen e.V. (BdP) entwickeln die Kinder dann zu 50 bis 70 Prozent allergische Beschwerden.
- Übermäßige Hygiene – "Bauernhofeffekt"
Auf dem Land leiden weniger Kinder unter Heuschnupfen und Asthma als in der Stadt. Insbesondere Kinder, die von Geburt an bzw. möglichst frühzeitig auf einem Bauernhof leben, treten Allergien wesentlich seltener auf als bei Stadtkindern. Laut Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ) sind Kinder besonders geschützt, wenn sie schon im ersten Lebensjahr mit Nutztieren in Kontakt gebracht werden. Diese Aussagen berufen sich auf eine Studie, die in mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz, durchgeführt wurde. Ein weiteres Ergebnis: Wenn die Mütter in der Schwangerschaft in Tierställen gearbeitet hatten, hatte ihr werdendes Kind sehr viel seltener Allergie-Antikörper auf relevante Heuschnupfen-Auslöser im Blut.
Es ist zu vermuten, dass der schützende "Bauernhofeffekt" u. a. mit der Vielfalt und der Menge an Bakterien zu tun hat, die sich zwangsläufig in einem landwirtschaftlichen Betrieb findet. Dem Bundesverband der Pneumologen e.V. (BdP) zufolge kommen die Kinder mit mehr Keimen in Kontakt und können so einen besseren Immunschutz aufbauen als in der Stadt. Der Kontakt mit Bakterien (bzw. mit dem Bakterienbestandteil Endotoxin) in der Kindheit bewirke möglicherweise, dass das Immunsystem Allergene besser toleriere. Wie genau dieser Toleranzeffekt funktioniere, sei allerdings noch unklar.
- Luftverschmutzung
Es ist davon auszugehen, dass eine erhöhte Feinstaubbelastung (zum Beispiel durch Auto- und Industrieabgase, Zigarettenrauch, Heizungsanlagen etc.) bereits bestehende Allergien verstärkt. Laut Bundesverband der Pneumologen e.V. ist der genaue Mechanismus noch unklar, fest stehe aber, dass ultrafeine Partikel besonders weit in die tieferen Lungenabschnitte vordringen können, sich dort festsetzen und Entzündungen hervorrufen. Eine Untersuchung in Japan habe gezeigt, dass die Häufigkeit von Heuschnupfen zunehme, je näher die Betroffenen an einer viel befahrenen Straße - mit entsprechend hoher Feinstaubbelastung - wohnten. Gemäß Prof. Dr. Karl-Christian Bergmann, Leiter der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, kann die Kombination von größeren Pollenmengen und erhöhter Feinstaubkonzentration zu verstärkten Heuschnupfensymptomen führen.
Text von Nadine Bader

