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Klopfakupressur gegen quälende Gedanken? Die Selbstheilmethode soll helfen, Ängste zu überwinden, Diäten durchzuhalten sowie Bluthochdruck und Allergien zu heilen.
Doch einfach nur ein paar Punkte zu klopfen, reicht nicht aus. Zunächst muss man sein Thema oder Problem genau benennen, sagt die Diplom-Psychologin Barbara Frien, die an der Volkshochschule Dortmund Klopfakupressur-Kurse anbietet. Ich habe Stress, diese Aussage sei zu wenig. Wichtig ist der Grund dafür: „Streite ich mit meinem Partner? Bin ich im Beruf unterfordert? Oder erfülle ich ständig die Erwartungen anderer?“ Während man „seinen“ Satz immer wieder leise vor sich hin spricht, beklopft man mit bis zu vier Fingerspitzen bestimmte Punkte im Gesicht, am Oberkörper und an den Fingern.
Bei Panik: unter dem Schlüsselbein klopfen!
Für jedes Problem sind andere Punkte zuständig. Bei Spinnenphobien, Flug- und Höhenangst soll das Klopfen von Punkten an Jochbein, Achselhöhle und Schlüsselbein Abhilfe schaffen. Bei Panikattacken werden diese fünf Punkte empfohlen: Jochbein, Achselhöhle, Augenbraue, Schlüsselbein und der Nagelfalz am kleinen Finger. „Wer in seiner Panik die korrekte Reihenfolge vergisst, kann nur unter dem Schlüsselbein klopfen", beruhigt Ratgeber-Autorin Susanne Marx. „Dieser Punkt liegt auf dem Nieren-Meridian, der in der chinesischen Medizin eng mit dem Thema Angst verknüpft ist.“
Lassen sich unangenehme Gefühle einfach wegklopfen?
Verbriefte medizinische Erfolge der Klopfmethode sind allerdings spärlich. Kritiker vermuten, dass das Klopfen in Einzelfällen wirkt, weil es die Leute ablenkt und entspannt. Ein Indiz dafür ist eine Studie mit 119 angstkranken US-Studenten: Die Angststörungen verbesserten sich am besten bei jenen Probanden, die Stellen am Arm klopften, die gar keine Meridianpunkte waren. Auch jene, die nur sahen, wie eine Puppe geklopft wurde, schnitten besser ab als die Gruppe mit der korrekt ausgeführten Klopfakupressur. „Viele Studien, die der Kopfakupressur eine positive Wirkung bescheinigen, entbehren wissenschaftlichen Standards und sind in dubiosen Zeitschriften erschienen“, sagt Steffen Moritz, Professor für Klinische Psychologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Er und seine Kollegen überprüften die Methode jüngst bei Patienten mit Zwangsstörungen – erfolglos. Effektive Bestandteile der Technik, etwa während der Therapie mit den eigenen Ängsten konfrontiert zu werden, seien altbekannt und kein besonderes Heilungsmerkmal der Klopfakupressur.



