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Akupunktur boomt in Deutschland. Die jahrtausend alte chinesische Heilmethode wird seit Anfang des vorigen Jahrhunderts weit über spirituelle Kreise hinaus zunehmend nachgefragt - als Ergänzung oder Alternative zur modernen Schulmedizin. rbb PRAXIS klärt auf, warum.
Burmester ist eine Patienten, die die Akupunktur für sich entdeckt hat. Doch sie ist ein einzelnes Beispiel und damit kein Beweis für die Wissenschaft. Denn eine der Hauptfragen von Forschern ist bisher ungeklärt: Führt die Akupunktur nachweislich zum Erfolg? Oder ist es der Glaube daran und die vermehrte Zuwendung, die die Patienten erfahren?
Schmerzlinderung durch elektrische Impulse
Für die Existenz der Lebensenergie, die bei der Akupunktur über die Meridiane fließen soll, fehlt bisher jeder Beweis. Klar ist wohl aber: Durch gekonntes Nadelstechen über bestimmte Schmerzfühler werden elektrische Impulse zunächst an das Mittelhirn und später an die Großhirnrinde weitergeleitet. Es kommt zur Ausschüttung von Neuro-Botenstoffen wie Serotonin und Neuro-Peptiden, die die Stimmung aufhellen und die Schmerzen lindern.
Wer sich akupunktieren lässt, den interessieren wissenschaftliche Streitereien jedoch oft nur bedingt. Er ist oft chronisch krank und will nur eins: die Linderung der Beschwerden.
Ihren Ursprung hat die Akupunktur im alten China. Wie die Kräuterheilkunde, die Chinesische Massage und die Atem- und Bewegungstherapie zählt sie zur TCM-Lehre. Gut geeignet ist die Akupunktur bei allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen und Asthma, entzündlichen und funktionellen Störungen des Verdauungstraktes oder neurologischen Störungen wie Trigeminusneuralgie oder Karpaltunnelsyndrom. Außerdem sollen Patienten mit Schlafstörungen, Stress sowie akuten und chronischen Schmerzzuständen bestens auf die Nadelung ansprechen. Eine Liste der WHO erweitert das Indikationsspektrum um akute Infektionen, Kopfschmerzen, Tennisellenbogen, Ischialgien, und Gelenksentzündung.
Wer es ausprobieren will, sollte sich an seine Krankenkasse wenden. Private Krankenversicherer übernehmen meist die Kosten. Gesetzliche Kassen entscheiden bei bestimmten Indikationen wie zum Beispiel chronischen Rückenschmerzen und Kniearthrose.
Wie wird Akupunktur angewendet?
| Neben der herkömmlichen Nadelung gibt es die Elektro- die Ohr- und die Laserakupunktur. Bei der klassischen Variante stechen die Akupunkteure mit feinen Nadeln aus medizinischem Stahl, die zehnmal dünner als Stecknadeln sind, in die Haut und das darunter liegende Gewebe. Wie schmerzhaft das ist, hängt davon ab, ob nur einige Millimeter oder zentimetertief gestochen wird. Bei anderen Akupunkturverfahren stimuliert der Arzt oder Heilpraktiker die Punkte mit elektrischem Strom oder wie beim Laser mit einem schwachen Diodenstrahl. Pro Sitzung werden zwischen ein und 15 Punkte der insgesamt mehr als 360 verschiedenen spezifischen und unzähligen unspezifischen Akupunkturpunkten gleichzeitig gestochen. Das sterile Einmalhandwerk verbleibt 20-30 Minuten im Gewebe, manchmal auch länger. Auch die Moxibustion ist weit verbreitet. Dabei soll der Energiefluss im Körper angeregt werden, indem Beifuss als Zigarre gedreht auf bestimmten Reizpunkten abgebrannt oder über die Leitbahnen bewegt wird. Für den Behandlungszeitraum gilt: Je älter die Erkrankung, desto länger/häufiger muss der Patient genadelt werden. Bei akuten Beschwerden sollte eine Besserung nach drei bis sechs Sitzungen spürbar sein. Bei chronischen Störungen tritt eine Besserung manchmal erst nach der zehnten Behandlung ein. |
Text: Beate Wagner


