Kügelchen vor einem Flaschenhals Quelle: dpa

Homöopathie - Gesund werden auf sanfte Tour

Sie sind winzig, weiß und bestehen fast ausschließlich aus Zucker – homöopathische Streukügelchen. Wie die sogenannten Globuli genau wirken, können Wissenschaftler trotz zahlreich durchgeführter Studien bisher nicht erklären.

Da sich die Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln bislang nur schwer nach strengen, wissenschaftlichen Kriterien beurteilen lässt, wie sie bei klassischen Therapien üblich sind, stehen viele Experten – vor allem an den Unikliniken – der Methode skeptisch gegenüber. Ein abschließendes Urteil steht noch aus. Trotz fehlender wissenschaftlichem Beleg zählt die Homöopathie hierzulande zu den beliebtesten alternativen Heilmethoden.

Homöopathische Ärzte warnen vor Selbstbehandlung

Bei schwerwiegenden Erkrankungen sollten Patienten sich jedoch niemals selbst behandeln. Davor warnte vergangene Woche der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). In Italien war kürzlich ein Kind mit Lungenentzündung verstorben, das laut der Zeitung "La Republica“ ausschließlich von seinen Eltern homöopathisch behandelt worden war. Neben der Lungenentzündung litt der Junge an einer Gastroenteritis.

"Die Selbstbehandlung einer Pneumonie ist generell unverantwortlich, ob mit Homöopathika oder anderen Medikamenten“, sagte dazu die erste Vorsitzende des DZVhÄ, Cornelia Bajic. Die Behandlung dieser Erkrankung gehöre in die Hand eines Kinderarztes, der dann über eine sinnvolle Therapie zu entscheiden habe. "Ein homöopathisch ausgebildeter Kinderarzt kennt die Grenzen der ärztlichen Homöopathie ebenso wie die Grenzen einer konventionellen Pharmakotherapie“, sagte sie. Selbst ernannte Spezialisten in der Homöopathie seien eine große Gefahr sowohl für Erkrankte als auch für die Reputation homöopathischer Ärzte.

Der Meißner Arzt und Übersetzer Samuel Hahnemann entwickelte die Homöopathie Anfang des 19. Jahrhunderts als Pendant zur Schulmedizin: Während diese mit Mitteln heilt, die den Krankheitssymptomen entgegenwirken, greift die klassische Homöopathie zu Substanzen, die beim Gesunden ähnliche Befindlichkeiten erzeugen, wie sie der Kranke vorweist. Hahnemann nannte diesen Grundsatz "Similia similibus curentur“ – Ähnliches mit Ähnlichem heilen.

Selbstheilungskräfte mobilisieren

Die homöopathischen Arzneien werden aus pflanzlichen, tierischen, mineralischen, metallischen Grundstoffen oder Sekreten gewonnen und in einem eigens dafür entwickelten Verreibungs- und Verschüttelungsverfahren hergestellt. Man nennt das "Potenzierung“. Unterschieden wird zwischen hochverdünnten Arzneimitteln, sog. Hochpotenzen, sie enthalten kein Molekül des Ausgangstoffes mehr (ab Potenzstufen D24 oder C12), und sogenannten Niedrigpotenzen. Der Prozess der Potenzierung soll die "dynamische Kraft der Arznei“ fördern. Die Kügelchen sollen damit den Körper des Patienten zur Selbstheilung anregen.

Die Homöopathie wird eingesetzt bei Allergien, Abwehrschwäche, Asthma, Blasenentzündung, Heuschnupfen, Migräne, Muskelzerrungen und verschiedenen psychosomatischen Beschwerden. Patienten die sich homöopathisch behandeln lassen, sind meist chronisch krank und schulmedizinisch vorbehandelt.

Bis heute ist die Homöopathie keine generelle Krankenkassenleistung. Krankenkassen können sie jedoch im Rahmen sogenannter integrierter Versorgungverträge anbieten. Ärzte, die homöopathisch behandeln, sollten eine ärztliche Zusatzbezeichnung für Homöopathie tragen, sie wird von den Ärztekammern vergeben.

Text von Beate Wagner

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