Rote Pille inmitten von rosa Pillen, Quelle: imago

- 'Homöopathie: Nicht mehr als eine Placebo-Behandlung'

Professor Edzard Ernst untersucht seit über 20 Jahren alternative Heilmethoden. rbb PRAXIS sprach mit ihm darüber, wie er deren Wirksamkeit aus wissenschaftlicher Sicht bewertet und inwiefern die Schulmedizin von alternativen Heilverfahren lernen kann.

Der Markt für sanfte Heilmittel boomt. Immer wieder suchen auch Krebspatienten Hilfe im Bereich der alternativen Heilmethoden. Was ist aus wissenschaftlicher Sicht davon zu halten?
Es kommt darauf an, für was genau Patienten Hilfe suchen. Einige alternative Verfahren können palliativ nützlich sein. Aber keine Form der Alternativmedizin heilt Krebs.

Welche alternativen Heilmethoden können aus Ihrer Sicht palliativ nützlich sein?
Zum Beispiel können Entspannungstechniken die Lebensqualität verbessern, aber sie können nichts gegen den Krebs selbst ausrichten.

Wie sind alternativen Heilverfahren wie beispielsweise die Misteltherapie, die Mykotherapie (Einsatz von Heilpilzen) und der Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln wie Petersilienextrakt aus wissenschaftlicher Sicht zu bewerten?
Die Datenlage zu diesen Therapieformen erlaubt nicht den Schluss, dass es sich hierbei um effektive Behandlungsformen des Krebses handelt.

Sie haben als Professor für Komplementärmedizin viele alternative Heilmethoden streng wissenschaftlich untersucht. Welche Erkenntnisse haben Sie über die Homöopathie gewonnen?
Die Homöopathie ist erstens in ihren Grundsätzen nicht plausibel und zweitens zeigen die etwa 200 kontrollierten Studien hierzu nicht, dass sie mehr als eine Placebo-Behandlung darstellt.

Heilpilze: natürlich und in Pulver- und Tablettenform, Quelle: imago

Gibt es homöopathische Mittel, die Sie selbst einnehmen oder von denen Sie sich vorstellen könnten, sie anzuwenden?
Nein. 

 

Inwiefern trägt die Schulmedizin in ihrer heutigen Ausgestaltung nicht selbst dazu bei, dass mehr Menschen Hilfe durch alternative Heilmethoden suchen?
Die Medizin besteht einerseits aus Wissenschaft und andererseits aus „Kunst“, also menschlicher Wärme, Verständnis, Empathie etc. In dem modernen Medizin-Betrieb kommen diese Faktoren häufig zu kurz. Und das treibt viele Menschen in die Hände von Scharlatanen, die diese Faktoren sehr gut beherrschen.

Sie sagen, dass während Empathie und menschliche Wärme in der Schulmedizin unterentwickelt sind, die Wissenschaft in der Alternativmedizin nicht vorhanden ist. Wie müsste und könnte eine ganzheitliche Medizin aussehen und realisiert werden, die beides beinhaltet?
Eine solche Medizin wäre bei weitem keine Revolution. Sie wäre lediglich eine Umsetzung von dem, was man als gute Medizin bezeichnen könnte. Eigentlich sollte jeder Arzt sie ausüben und sich daran erinnern, dass kranke Menschen sowohl moderne Wissenschaft als auch "altmodische" Hingabe benötigen. Das ist keine Frage von "entweder oder". Und wirklich gute Ärzte haben das zu allen Zeiten beherzigt.

Vielen Dank für das Gespräch! Das Gespräch führte Nadine Bader.