Patientin bei der Kopfakupunktur, Quelle: dpa

rbb PRAXIS online - Neue Ergebnisse zeigen: Akupunktur kann Schmerzen lindern

Rund 1,5 Millionen Menschen vertrauen hierzulande auf die Behandlungsform der Akupunktur. Über ihre Wirksamkeit sind sich Experten immer wieder uneinig. Doch eine neue Studie belegt jetzt: Schmerzpatienten kann so geholfen werden.

Eine Akupunktur kann chronische Schmerzen bei Rücken- oder Nackenschmerzen, Osteoarthritis oder bei Kopfschmerzen lindern – das zumindest zeigt erneut eine Meta-Analyse, die kürzlich in dem Fachblatt Archives of Internal Medicine (2012; doi: 10/1001/archinternmed.2012.3654) veröffentlicht war. In die Analyse flossen Daten von 17.922 Patienten aus 29 Studien ein. Alle waren strikt einer Gruppe zugeordnet: entweder der Akupunkturgruppe, der Scheinakupunkturgruppe oder der Kontrollgruppe.

Bei der Scheinakupunktur werden die Nadeln wie bei der richtigen Nadelung platziert, jedoch nicht durch die Haut gestochen. Der Vergleich erlaubt die „echte“ Wirkung der Akupunktur. In einem Teil der Studien wurde die Akupunktur mit Scheinakupunktur, in anderen Studien mit einer Gruppe, die keine Akupunktur erhielt, verglichen. Manche Studien verglichen alle drei Optionen miteinander.

Die Ergebnisse zeigen: Statistisch gesehen gab es zwischen Schein- und richtiger Akupunktur minimale, aber „sehr konsistente“ Unterschiede - die Akupunktur hat somit eine echte, wenn auch geringe Wirkung. Die Scheinakupunktur aber hat auch eine Wirkung. Deutlich besser fielen die Ergebnisse aus, wenn die Akupunktur mit keiner Behandlung verglichen wurde. Nicht zu unterschätzen dürfte hierbei der Placeboeffekt sein. Für die Patienten spielt das keine Rolle – sie wollen die Behandlung, weil sie wirkt. In den USA lassen sich deshalb allein drei Millionen Menschen akupunktieren. Und auch hierzulande boomt die Nadeltherapie: Mindestens 1,5 Millionen Menschen nehmen die chinesische Technik in Anspruch.

Birgit Meierhoff ist eine von ihnen. Mehr als 15 Jahre litt sie an schwerer Migräne. „Alle zwei Wochen fiel ich tagelang aus, weil ich mit Übelkeit und heftigsten Kopfschmerzen im Bett lag.“ Auch mit Medikamenten bekam die 36-Jährige das Leiden nicht in den Griff. Vor einem halben Jahr rieten ihr gute Freunde zur Akupunktur. Die junge Berlinerin selbst sah darin eher einen letzten Versuch. „Ich glaube nicht an Dinge, die ich nicht greifen kann und Akupunktur gehörte für mich dazu.“

Zumindest zur Nadel-Heilkunst hat sie ihre Meinung inzwischen geändert. Schon nach der ersten Sitzung fühlte sie sich entspannt und empfand eine bis dato unbekannte innere Ruhe. Nach sechs Terminen war die Grafikerin für viele Wochen beschwerdefrei. Inzwischen hat sie ab und zu wieder Kopfschmerzen, aber nicht mehr so schlimm. Vor allem sei die Angst vor der nächsten Attacke weg, sagt sie. „Denn ich weiß, wer mir helfen kann.“

Die Zahl an nadelnden Ärzten und Heilpraktikern steigt ebenso von Jahr zu Jahr. Und das, obwohl gesetzlich Versicherte die Kosten für diese Therapieform in der Regel immer noch selbst bezahlen müssen. Dass die Scheinakupunktur ebenso wie die richtige Nadelung effektiv ist, wundert und stört Experten wenig. Schließlich liefere die klassische chinesische Literatur viele Hinweise darauf, dass die Lebensenergie Qi nicht nur – wie im Westen oft angenommen – über die zwölf Hauptmeridiane wie über große Autobahnen fließe. Den Akupunkteuren zufolge existieren zusätzlich unzählige Haupt- und Nebenstraßen, die genadelt ebenfalls eine große Wirkung erzielen.

Für die Existenz von Meridianen fehlt bisher jeglicher wissenschaftliche Beweis. Messen konnte man bislang, dass durch gekonntes Nadelstechen über bestimmte Schmerzfühler elektrische Impulse zunächst an das Mittelhirn und später die Großhirnrinde weitergeleitet werden. Und dass diese Hirnbereiche daraufhin veranlassen, dass Nerven-Botenstoffe ausgeschüttet werden wie zum Beispiel das stimmungsaufhellende Serotonin und die schmerzlindernden Neuro-Peptide.

Text: Beate Wagner

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