
-
Homöopathie, Akupunktur, Osteopathie – alternative Heilmethoden werden seit Jahren verstärkt nachgefragt – ungeachtet der Tatsache, dass sich deren Wirkung wissenschaftlich immer noch nicht nachweisen lässt. rbb PRAXIS erklärt, was diese Methoden mit der Schulmedizin gemeinsam haben.
„Ben Cao Gang Mu“ ist eines der bedeutendsten Werke der chinesischen Heilkunst. 1900 Arzneistoffe und mehr als 11 000 medizinische Rezepte sind darin beschrieben. An der Berliner Charité wird das Mammutwerk nun ins Englische übersetzt. Das Werk dürfte weit über den Expertenkreis hinaus Aufmerksamkeit erregen. Denn die traditionelle chinesische Medizin stößt auch im Westen auf wachsendes Interesse.
Mindestens zwei Drittel aller Erwachsenen hierzulande setzen auf die sanfte Medizin. Europaweit sollen es mehr als 150 Millionen Menschen sein, die auf Akupunktur, Pflanzenheilkunde oder Chiropraktik vertrauen. Viele Leiden der heutigen Zeit sind mit purer Naturwissenschaft und schulmedizinischem Verständnis allein nicht mehr therapierbar.
Patienten wollen ganzheitlich und individuell wahrgenommen werden. „Patienten setzen alternativmedizinische Verfahren oft komplementär ein, also ergänzend zur Schulmedizin“, sagt Claudia Witt, Stiftungsprofessorin für Komplementärmedizin an der Berliner Charité. Die Fachärztin untersucht Methoden, die auf anderen Theorien basieren als die Schulmedizin, wie etwa die traditionelle chinesische Medizin (TCM), Pflanzenheilkunde, Homöopathie, Osteopathie, Feng-Shui, Irisdiagnostik oder Bachblü̈tentherapie.
Mehr Zeit für Patienten
Bisher fehlen für die meisten dieser Alternativverfahren stichhaltige Beweise. Dennoch streiten Forscher nicht ab, dass Patienten davon profitieren. So nimmt sich der Homöopath zum Beispiel mehr Zeit für seinen Patienten, jede Sitzung ist eine Art Mini-Psychotherapie. Die Wissenschaftler der Szene vermuten, dass die nachweisbar positiven Effekte statt auf die Therapie im engeren Sinne auf die Placebowirkung zurückzuführen sind.
Bei Akupunktur beispielsweise haben Studien gezeigt, dass die erkennbaren Effekte häufig nicht davon abhängen, wo die Nadeln gesetzt werden. Entscheidend scheint zu sein, dass Patienten ü̈berhaupt gepiekst werden. Trotzdem zeigen Studien, dass Akupunktur bei Rückenschmerz oder Migräne deutlich besser wirkt als die medikamentöse Standardtherapie.
Eine wissenschaftliche Erklärung dafür steht bisher aus. Diese Erkenntnisse wären jedoch auch für die Schulmedizin interessant. Denn konventionelle Therapien könnten ebenso nutzbare Placeboeffekte haben. Die Grenzen zwischen alternativen und konventionellen Behandlungsmethoden würden weiter verschwimmen. Bis das chinesische Nachschlagewerk „Ben Cao Gang Mu“ zum Nachschlagewerk für alle Schulmediziner avanciert, dürften allerdings noch einige Jahre ins Land gehen.


