Dr. Christian Butter, Herzzentrum Brandenburg, Bernau, Quelle: rbb
Dr. Christian Butter, Herzzentrum Brandenburg, Bernau

rbb Praxis Interview - Plötzlicher Herztod - Gefahr für Menschen mit Herzschwäche

rbb Praxis sprach mit Dr. Christian Butter vom Herzzentrum Brandenburg Bernau.

Die größte Gefahr für Menschen mit einer Herzinssuffizienz ist der "Plötzliche Herztod". Was versteht man darunter? Von einem Plötzlichem Herztod spricht man, wenn ein unerwartetes, abruptes Herzversagen zu Bewusstseinsverlust führt und innerhalb von Sekunden (Sekundentod) oder einer Stunde den Tod herbeiführt. Aber auch Todesfälle innerhalb von 24 Stunden nach Symptombeginn werden noch der Diagnose "Plötzlicher Herztod" zugeordnet.

Jedes Jahr fallen in Deutschland zwischen 100.000 und 150.000 Menschen einem plötzlichen Herztod zum Opfer. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, meist sind sie über 60 Jahre alt, aber in fünf bis zehn Prozent der Fälle erleiden auch junge, anscheinend gesunde Menschen einen plötzlichen Herztod, nicht selten beim Sport. In 55 Prozent tritt ein Plötzlicher Herztod bei einer zuvor nicht bekannten Herzerkrankung auf.

im Röntgenbild sichtbar: der implantierte ICD, der kleine "Notarzt" unter der Haut bei einem Patienten mit Herzschwäche, Quelle: rbb

Wie kann es bei Menschen mit einer Herzschwäche zu einem solchen plötzlichen Herztod kommen? Fast immer ist dafür bei Patienten mit Herzinsuffizienz eine "bösartige" Rhythmusstörung verantwortlich, das Kammerflimmern oder eine andere so genannte schnelle Herzrhythmusstörung. Der Herzmuskel zieht sich dann nicht mehr synchron zusammen. Der Blutkreislauf bricht zusammen. Das Gehirn wird nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt, woraufhin es innerhalb kürzester Zeit zur Bewusstlosigkeit kommt und ohne Gegenmaßnahmen rasch der Tod eintritt.

Der Plötzliche Herztod entwickelt sich fast immer aus einer schnellen Rhythmusstörung. Diese kann eine Kammertachykardie  sein. Das Herz schlägt mit einer Frequenz von 100 bis 240 Schlägen pro Minute so schnell, dass sich die Herzkammern nicht ausreichend mit Blut füllen können und zu wenig Blut in den Kreislauf gelangt.

Eine weitere Art der schnellen Rhythmusstörung ist das Kammerflattern, bei dem die Frequenz noch weiter ansteigt (über 250 - 350 Schläge/min). Beim Kammerflimmern schließlich ist der Rhythmus gänzlich unregelmäßig und die Frequenz liegt bei über 350 /min. Nur in 10 bis 20 Prozent der Fälle kommt es durch eine sehr langsame Herzrhythmusstörung (Bradykardie), oder einen kompletten Ausfall des Erregungsleitungssystem mit völligem Herzstillstand (Asystolie) zum Plötzlichen Herztod.

Abfrage des Defis zeigt Herzfunktionen an, Quelle: rbb
In der Geräteabfrage zu sehen: der ICD hat dem betroffenen Patienten bereits einmal das Leben gerettet. Der rote Strich bedeutet: hier erlitt der Patient mit Herzinsuffizienz eine "bösartige " Rhythmusstörung , Kammerflimmern. Für den Bruchteil einer Sekunde setzt das Herz aus. Das Gerät hat sich sofort angeschaltet, durch einen Elektroschock das Herz wieder zum Schlagen und in Takt gebracht.

Warum sind Patienten mit einer Herzschwäche besonders gefährdet, den Plötzlichen Herztod zu erleiden?
Ihr Herz ist vorgeschädigt, der Herzmuskel kann verdickt sein, die Herzkammern können erweitert sein, die Pumpfunktion ist oft reduziert, das Herz schlägt asynchron. Der Herzmuskel bewegt sich also ohnehin nicht mehr regulär. Da kann es jederzeit zu einer Eskalation kommen. Und dann hat ein schon krankes Herz keine Regulationsreserven mehr. Hinzu kommt, dass viele Menschen zumindest im Anfangsstadium nichts von ihrer Krankheit, von der Herzinsuffizienz merken und  wissen. Die Krankheit verläuft oft schleichend. Die ersten Symptome, wie Leistungsminderung, Atemnot bei Belastung, schnellere Ermüdbarkeit werden Infekten oder anderen Dingen zugeordnet. Und vor allem jüngere Menschen denken dann nicht an eine Erkrankung des Herzmuskels. Sie sind besonders gefährdet.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Was können Ärzte heute Menschen mit einer Herzschwäche anbieten, um sie vor dem Plötzlichen Herztod zu schützen?
Schon seit Jahren haben wir zum Glück eine sehr gute Methode, das Risiko für Patienten mit einer diagnostizierten Herzinsuffizienz, am plötzlichen Herztod zu versterben, einzudämmen bzw. sogar auszuschalten. Menschen mit einer hochgradig eingeschränkten Pumpfunktion (unter 35 Prozent) des Herzens, also einer schweren Hetzinsuffizienz, können wir einen winzigen Defibrilator implantieren, ein winziges Elekroschockgerät, einen ICD .

Dieser  implantierbare Cardioverter-Defibrillator (ICD) ist ein kleiner Computer plus Batterie in einem Metallgehäuse aus Titan, das etwa die Größe einer Taschenuhr hat. Er wiegt etwa 70 Gramm. Der ICD wird unter der Haut implantiert, meistens im Bereich des oberen Brustmuskels. Zusätzlich zu dem ICD werden Elektroden (dünne, isolierte Drähte) implantiert und zum Herzen verlegt.  Sie leiten die Impulse zwischen dem  Gerät und dem Herzen hin und her.

Bei Bedarf, also  wenn das Herz aus dem Takt kommt , werden  elektrische Impulse vom ICD zum Herzen übertragen. um die normale elektrische Aktivität des Herzens wieder herzustellen. Das Gerät überwacht quasi ständig den Herzrhythmus. Je nach Rhythmusstörung gibt das Gerät eine Reihe kleiner, schneller Impulse ab oder es kann eben auch bei lebensgefährlichen Rhythmusstörungen (z.B. Kammerflimmern)  eine Herzschocktherapie (Defibrillation) durchführen. Und so das Herz wieder zum „Schlagen“ bringen.  Menschen mit einem  ICD tragen den Notarzt quasi immer bei sich in der Brust.

Die dritte Komponente dieses Systems ist ein Programmiergerät. Das ist ein externer Computer, der im Krankenhaus oder bei Ihrem Arzt verbleibt. Mit dem Programmiergerät wird der ICD programmiert, und Ihr Arzt kann Informationen aus dem ICD abfragen, die für Ihre weitere Behandlung wichtig sind.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Cornelia Fischer-Börold

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