Blutgefäße am Herzen, Quelle: imago

- Lebensgefahr durch Aorta-Riss

Ein Riss der Hauptschlagader, der Aorta, ist lebensgefährlich. Symptome sind starke Bauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken, Übelkeit und Brechreiz. Der Riss der Aorta tritt plötzlich auf und endet oft tödlich. Dabei könnte die Ursache in vielen Fällen früh erkannt werden – mithilfe eines Ultraschalls der Aorta. rbb PRAXIS klärt auf.

Die Hauptschlagader ist das größte Blutgefäß der Körpers. Sie führt vom Herzen abgehend durch den Brust- und Bauchraum in den Unterbauch. Hier verzweigt sie sich in die Beinarterien. Mit jedem Herzschlag wird über die Aorta Blut aus dem Herzen in die Arme, Beine und die Bauchorgane gepumpt. Platzt eine krankhaft erweiterte Bauchschlagader (Aneurysma), droht der Patient innerlich zu verbluten. Nur wenige Menschen erreichen dann lebend das Krankenhaus. Und die Gefahr zu sterben, ist  selbst bei einer sofortigen Notoperation sehr hoch.

Ursachen für ein Bauchaortenaneurysma
Die meisten Aneurysmen entstehen aufgrund von Gefäßverkalkung (Arteriosklerose). Laut Deutscher Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) haben fünf von hundert Männern über 65 Jahre eine krankhafte Erweiterung der Hauptschlagader, welche überwacht werden sollte.

Bei einem von hundert Patienten ist den Gefäßmedizinern zufolge eine umgehende Behandlung notwendig. Besonders gefährdet sind aktive und frühere Raucher, darüber hinaus wird von einer erblichen Veranlagung ausgegangen. Frauen haben ein niedriges Risiko, sollten aber bei Vorliegen von Risikofaktoren wie Rauchen und Arteriosklerose ebenfalls untersucht werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) warnt: Das Gefährlichste am Bauchaortenaneurysma ist, dass es vom Patienten oftmals zunächst nicht bemerkt wird. Durch die Erweiterung und Größenzunahme der Aorta können Symptome wie Rückenschmerzen und Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule oder der Nieren auftreten. Wenn ein Bauchaortenaneurysma platzt, führt das zu einem unerträglichen Bauchschmerz mit Ausstrahlung in den Rücken, Übelkeit und Brechreiz. Durch die innere Blutung kommt es zu einer lebensbedrohlichen Situation.

Vorbeugendes Aorten-Screening
Die Sterblichkeit bei Patienten mit gerissenem Bauchaortenaneurysma liegt bei bis zu 90 Prozent. Zur Vorbeugung plädiert die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) deshalb für ein Aorten-Screening. Dabei handelt es sich um eine Früherkennungsuntersuchung, mit der Erweiterungen der Bauchschlagader mittels eines Ultraschalls des Bauchraums entdeckt werden sollen. Zunächst wird der Bauch abgetastet und anschließend eine kurze Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Die Untersuchung ist schmerzlos und strahlenfrei. Zudem werden wegen der möglichen erblichen Veranlagung die Krankheitsbilder in der Familie abgefragt.

Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) empfiehlt eine einmalige Ultraschalluntersuchung der Bauchaorta bei folgenden Risikopatienten:
1.) Männer ab dem 65. Lebensjahr, insbesondere bei ehemaligen oder aktuellen Rauchern
2.) Frauen ab dem 65. Lebensjahr mit aktuellem oder vorhergehendem Nikotinkonsum, Vorschäden an Herz oder Gefäßen oder positiver Familienanamnese
3.) Männer und Frauen aller Altersstufen, deren Familienangehörige ein Bauchaortenaneurysma haben (positive Familienanamnese)

Wenn bei der Untersuchung kleinere Aneurysmen entdeckt werden, sollten diese in regelmäßigen Abständen mit Ultraschall überwacht werden. Hierzu hat die DGG einen Screening-Pass entwickelt, worin nach jeder Untersuchung die Befunde eingetragen werden können. Erst bei plötzlicher Größenzunahme des Aneurysmas sollten weiterführende Untersuchungen und gegebenenfalls eine präventive Operation erfolgen.

Gefäßchirurgische Screening-Untersuchungen werden von Spezialisten in vielen gefäßchirurgischen Ambulanzen und Praxen durchgeführt. Fragen Sie am besten bei Ihrem Hausarzt nach. Derzeit sind gefäßmedizinische Screening-Untersuchungen keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), der über die Kassenleistungen der gesetzlichen Krankenkassen entscheidet, liegt aber ein Antrag vor, das Ultraschall-Screening auf Bauchaortenaneurysmen als Kassenleistung einzuführen. Der Antrag wird derzeit geprüft. In den USA und in Großbritannien gibt es bereits Aorten-Screening-Früherkennungsprogramme.

Text: Nadine Bader