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Herzrasen, Herzstolpern oder Schwindel gehören zu den Symptomen von Herzrhythmusstörungen. Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Neuesten Schätzungen zufolge sind weltweit über 33 Millionen Menschen betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass die Zahl der Betroffenen steigen wird. rbb Praxis informiert, was passiert, wenn das Herz nicht im Takt schlägt und welche Diagnosemöglichkeiten bestehen.
Unser Herz hat die Aufgabe, das Blut durch den Kreislauf zu pumpen und damit Sauerstoff und Nährstoffe zu den einzelnen Organen zu transportieren. Wenn sich der Herzmuskel zusammen- zieht, wird das Blut aus den Herzkammern ausgestoßen. Bei der Erschlaffung des Muskels wird das Blut erneut in die Kammern angesaugt. Die Herzklappen sorgen dafür, dass das Blut nur in eine Richtung gepumpt wird.
Herzrhythmus
Damit sich der Herzmuskel überhaupt zusammenzieht, muss er durch einen kleinen elektrischen Reiz "angestoßen" werden. Dieser Impuls geht von einem Nervengeflecht aus, das im rechten Vorhof des Herzens liegt, dem so genannten Sinusknoten. Der Sinusknoten gibt einen elektrischen Impuls ab, der zunächst gleichmäßig über die beiden Vorhöfe läuft. Infolgedessen ziehen sich die Vorhöfe zusammen und es kommt zur Kontraktion der Herzkammern. Dieser Vorgang wiederholt sich 60 bis 80 Mal pro Minute, rund 100.000 Mal am Tag.

Vorhofflimmern
Normalerweise verläuft sowohl der elektrische Erregungsablauf, als auch das folgende Zusammenziehen und Erschlaffen des Herzmuskels geordnet ab. Beim Vorhofflimmern ist dieser Ablauf jedoch gestört. Statt des Sinusknotens versuchen tausende anderer Zellen über zahlreiche kleinste Erregungswellen gleichzeitig im Vorhof die Rolle des Taktgebers zu übernehmen. Diese kreisenden Erregungen führen zum so genannten Flimmern der Herzvorhöfe. Das Flimmern wird auf die Herzkammern übertragen, so dass es zu einer unregelmäßigen Aktivierung der Herzkammern kommt. In der Folge gerät das Herz aus dem Takt. Viele Patienten nehmen dies als Herzstolpern wahr. Durch die schnelle Überleitung des Vorhofflimmerns auf die Herzkammern ist der Puls häufig über 100 Schläge pro Minute beschleunigt. So erklären sich die Beschwerden wie Herzklopfen, Herzjagen, und Schwindel.
Wann es gefährlich wird
Aus einem geordneten Erregungsablauf entsteht so ein elektrisches Chaos, das auch zu einem mechanischen Chaos führt. Denn das Vorhofflimmern verhindert eine geordnete Pumpfunktion der Vorhöfe und kann in der Folge die Herzleistung reduzieren. Zu den typischen Beschwerden gehören allgemeine Leistungsminderung, Schwäche, Luftnot und Wasseransammlungen (Ödeme).
Vor allem die eingeschränkte Pumpfunktion während des Vorhofflimmerns kann gefährliche Folgen haben: Die Herzvorhöfe besitzen kleine Ausziehungen, die als Herzohren bezeichnet werden. In diesen Herzohren ist die Fließgeschwindigkeit des Blutes während des Flimmerns besonders langsam, so dass sich hier häufig Blutgerinnsel bilden. Sollten diese losgeschwemmt werden, können sie Gefäße im Körper verstopfen und zu einem Organinfarkt führen. Am häufigsten passiert dies in Form eines Schlaganfalls im Gehirn.

Diagnosemöglichkeiten
Der Nachweis des Vorhofflimmerns ist Voraussetzung für die weitere Behandlung. Die Rhythmusstörung tritt bei vielen Patienten nur von Zeit zu Zeit auf, meist wenn gerade keine Arztpraxis in der Nähe ist. Um Vorhofflimmern trotzdem zu erfassen, hilft in vielen Fällen ein Langzeit-EKG. Klassische Langzeit-EKGs zeichnen den Herzrhythmus über 24 oder 48 Stunden auf. Zusätzliche diagnostische Möglichkeiten zu dem klassischen Langzeit- EKG, das der Patient am Körper bei sich trägt, bieten seit einigen Jahren so genannte Ereignisrekorder (Event recorder). Mithilfe dieser kleinen handlichen Geräte kann der Patient selber ein Anfalls-EKG aufzeichnen, wenn die Herzrhythmusstörung akut auftritt. Ereignisrekorder werden zunehmend eingesetzt, um bei gelegentlichem Herzstolpern, das zum Beispiel während eines Langzeit-EKGs nicht aufgetreten ist, abzuklären, ob es sich tatsächlich um Vorhofflimmern handelt.
Ereignisrekorder
Es gibt zwei Arten von Ereignisrekordern: externe und implantierbare Ereignisrekorder. Bei den meisten Geräten können die aufgezeichneten Daten per Telefon übertragen werden. Anschließend beurteilt der Arzt die gespeicherten EKGs. Voraussetzung beim Einsatz der meisten externen Ereignisrekorder ist, dass der Patient sein Vorhofflimmern spürt und genug Zeit hat, das Gerät ordnungsgemäß anzuwenden. Einige Geräte sind auch in der Lage, bestimmte Rhythmusstörungen, die vorher entsprechend definiert wurden, selbständig zu erkennen. Sie aktivieren dann automatisch die EKG-Erfassung, sobald zum Beispiel Vorhofflimmern auftritt.
Implantierbare Ereignisrekorder werden üblicherweise links neben dem Brustbein zwischen der ersten und vierten Rippe in lokaler Betäubung unter die Haut gesetzt. Die Elektroden zur EKG- Erfassung sind in das Gehäuse der Ereignisrekorder integriert. Die Lebenszeit der Geräte beträgt bis zu fünf Jahren. Neben der automatischen Erkennung von Vorhofflimmern besteht auch bei den implantierten Rekordern die Möglichkeit, dass der Patient die EKG-Aufzeichnung selbst startet.
Text: Nadine Bader




