Asthma-Kranke mit Spray, Quelle: dpa

rbb PRAXIS - Wenn die Luft knapp wird

Der Atem stockt. Die Brust wird eng. Der Hustenreiz scheint die Luftröhre hinab und wieder herauf zu kriechen. Mit diesem Gefühl beginnt für Millionen Menschen in Deutschland der Frühling. Die Diagnose: allergisches Asthma. Heilungs-Chancen: keine. Und die Zahl der Betroffenen wächst. Allein in Deutschland leiden fünf Prozent aller Erwachsenen und jedes zehnte Kind an Asthma.

Doch nicht alle Patienten bekommen die Atemnot durch fliegende Blütenpollen oder Gräser. Auch pflanzliche oder synthetische Stoffe wie zum Beispiel Medikamente können Asthma auslösen. Zwei Formen sind es, mit denen die Betroffenen zu kämpfen haben: das entzündliche oder das allergische Asthma. Ungefähr acht von zehn Patienten leiden an der zweiten Variante. Sein Name hat einen griechischen Ursprung: “Allergie” setzt sich aus “allos” (anders) und dem Wort “ergon” (Reaktion) zusammen. Allergie bedeutet also “ Reaktion auf das Andere”. Das Abwehrsystem bekämpft hierbei nicht nur Krankheitserreger, sondern auch harmlose Stoffe.

Allergisches Asthma: Erhöhtes Risiko im Kindesalter

Allergisches Asthma beginnt meist im Kindesalter. Je früher der Körper mit Substanzen aus Blütensamen, Hausstaubmilbenkot, Haaren von Katzen, Hunden oder Schimmelpilzen in Kontakt kommt, desto größer ist das Risiko, asthmakrank zu werden. Besonders gefährdet sind Kinder, die durch ihre Gene zur Überempfindlichkeit des Immunsystems neigen. Sprich: deren Geschwister, Eltern, Großeltern bereits an Asthma, Neurodermitis oder Heuschnupfen (allergische Rhinitis) leiden. Haben beide Eltern eine der oben genannten Krankheiten, ist in vier von zehn Fällen das gemeinsame Kind auch betroffen.

Bei vielen Pollenallergikern beginnt das Leid mit Heuschnupfen. Die entzündete Nase läuft und die Augen tränen. Bei jedem vierten Betroffenen verlagert sich die Entzündung innerhalb von zehn Jahren von Nase und Augen ins Bronchialsystem. Asthma entsteht. Mediziner sprechen vom “Etagenwechsel”.

Asthma bronchiale: Wenn die Bronchien verkrampfen

Das entzündliche Asthma beginnt anders. Es kann in jedem Alter auftreten, am häufigsten nach dem 45. Lebensjahr. Die Ursachen sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Meist gehen Infekte der Atemwege durch Clamydien, Viren und Bakterien voraus. Außerdem scheint regelmäßiger Kontakt mit chemischen oder giftigen Stoffen der dauerhaften Reizung der Bronchialschleimhaut Vorschub zu leisten. Auch wiederholtes Reizen der Atemwege durch sauren Mageninhalt bei Sodbrennen bereitet der Krankheit den Weg.

Doch ganz gleich, ob Allergene oder Atemwegsinfektionen der Auslöser sind: Die Folge ist immer eine Entzündung der Bronchialschleimhaut. Dabei lagert die Schleimhaut Flüssigkeit ein, gibt vermehrt zähen Schleim ab und reagiert in diesem Zustand auch auf viele weitere Stoffe überempfindlich. Wenn dann die Muskeln der Bronchien verkrampfen, muss die eingeatmete Luft gegen einen höheren Widerstand abgeatmet werden. Die Folge: ein akuter Asthma-Anfall. Um den zu lindern sitzt der Asthmatiker aufrecht und stützt beide Arme auf den Tisch. Denn so fällt es der Atemhilfsmuskulatur des Brustkorbs leichter Luft ein- und wieder auszuatmen. Im chronischen Stadium überblähen die Lungen durch das vermehrte Atmen. Die Folge: Funktionsausfall von Lungenbläschen (Emphysem).

Unklar ist, warum die Zahl der Neuerkrankungen an Asthma nach wie vor steigt. Neben vielen anderen diskutieren Experten aber immer wieder vor allem ein Phänomen: Hygienisch sterile Bedingungen scheinen allergische Reaktionen zu begünstigen. Das belegen auch Studien: Kinder, die zu Heuschnupfen, Neurodermitis oder allergischem Asthma neigen und dem Keimspektrum auf einem Bauernhof ausgesetzt waren, hatten seltener Asthma als solche, die in der Stadt aufwuchsen.
Text: Beate Wagner

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