Eine Frau wird geschminkt, Quelle: dpa

- Make-Up trotz Hautkrankheiten?

"Wer schön sein will, muss leiden" - ob dieser Sinnspruch wirklich sinnvoll ist, sei dahingestellt. Betroffene mit Erkrankungen der Haut fragen sich jedoch, ob man die Stellen bei Akne oder Neurodermitis abdecken oder darauf lieber verzichten sollte. Die rbb PRAXIS hat bei einer Hautexpertin nachgefragt.

Frau Dr. Adler, sollte man, wenn die Haut nicht ganz gesund ist, sich lieber nicht schminken, um die Haut nicht noch mehr zu belasten?
Doch, natürlich kann man sich schminken. Allerdings sollte man je nach Hautbeschaffenheit ein paar Dinge beachten. Bei Akne beispielsweise produziert die Haut von Natur aus zu viel Talg. Besonders offensichtlich ist das im Gesicht, Dekolletée und Rücken. Es betrifft aber auch die Kopfhaut. Nun ist es wichtig, die unerwünschten Talgmassen, die sich auf der Haut befinden, nicht mit Make-Up zu verstärken. Fettarme oder fettfreie Produkte sind hier deshalb die richtige Wahl. Diese Eigenschaften sind jedoch auf den Tiegeln und Tuben nicht immer eindeutig erkennbar vermerkt. Am besten lässt man sich deshalb in einer Apotheke beraten. Und das gilt generell für "Problemhaut".

Welche weiteren Hinweise gibt es, ob sich Produkte bei Akne eignen?
Ein Hinweis ist der Begriff "Nicht-Komedogen". Das bedeutet, dass die Produkte nicht die Entstehung von Komedonen, also von Mitessern, fördern. Mitesser sind verstopfte Poren und die Vorstufe der entzündeten Pusteln, die man dann landläufig "Pickel" nennt. Denn Aknehaut produziert nicht nur vermehrt Talg, sondern die Poren sind auch stark verhornt. Der Talg kann nicht gut abfliessen und die verstopften Poren entzünden sich.

Ist denn der Preis ein Anhaltspunkt für geeignete Produkte? Sind teurere Make-Ups die bessere Wahl?

Gute Produkte sind tatsächlich meist etwas teurer. Aber andersherum enthalten leider teure Make-Ups von namhaften Herstellern nicht selten Silikonöle, die die Poren verstopfen. Deshalb sind diese ungeeignet für Akne-Haut. Zudem geben sie der Haut oft ein trockenes, stumpfes Aussehen. Ich plädiere generell für die Anwendung im Gesicht für hochwertigere Produkte aus der Apotheke, gerade wenn die Haut nicht kerngesund ist. Die Haut am Körper ist da oft unempfindlicher, da tun es auch preiswerte Cremes oder Lotionen. Und Apothekenprodukte sind meist günstiger als diejenigen aus den Parfümerien.

Muss man Akne-Haut am Abend besonders gründlich vom Make-Up reinigen?
Nein, ganz im Gegenteil. Von Gesichtswässerchen und Lotionen zum Abschminken rate ich generell ab. Die Regale in den Geschäften sind voller entsprechender Produkte, die man meiner Meinung nach nicht braucht. Leitungswasser und ein Mikrofasertuch sind zur Reinigung völlig ausreichend. Möchte man trotzdem ein spezielles Abschmink-Produkt nutzen, darf es keinen Alkohol enthalten, denn der trocknet die Haut zu sehr aus. Spannt die Haut nach dem Abschminken trägt man eine fettende Creme auf die trockenen Hautpartien auf, wie rund um die Augen. Die fettigere T-Zone braucht dagegen oft gar keine Pflege.

Welche Besonderheiten gelten für eine andere häufige Hauterkrankung wie Neurodermitis?
Diese Erkrankung nennt man heute meist "Atopische Dermatitis" oder "Atopisches Ekzem". Es handelt sich dabei um eine chronische Entzündung der Haut, deren Ursache nicht sicher geklärt ist. Die Schutzbarriere der Haut gestört, da die Zusammensetzung der Hautfette weniger günstig ist als bei gesunder Haut. Deshalb können sich Krankheitskeime besonders leicht ansiedeln. Somit ist hier die Hygiene ein besonders wichtiger Aspekt bei der Make-Up Auswahl. Besonders gut geeignet sind Spender, anstelle von Tiegeln, in die man mit dem Finger hineingeht. Das Make-Up darf ausserdem bei der Neurodermitis fetthaltiger, cremiger sein, als bei der Akne. Puder sind dagegen weniger geeignet. Die sind dafür wieder günstiger bei Akne. Das gilt sowohl für Make-Up als auch für Rouge.

Lidschatten, Kajal und Mascara enthalten meist Farbstoffe und Konservierungsmittel. Sind diese deshalb bei der empfindlichen Neurodermitis-Haut generell tabu?

Lidschatten, Kajal und Mascara machen nur selten Probleme, aber Kontaktallergien treten doch immer wieder auf. Und das auch bei eigentlich gesunder Haut. Ist die Haut empfindlich sollte man deshalb besonders rund um die Augen darauf achten, dass die Produkte gut vertragen werden. Denn, wie gesagt, ist bei der Neurodermitis die Schutzfunktion der Haut gegen äußere Einflüsse geschwächt. Die Haut an den Augenlidern ist besonders zart und durch den "Haut auf Haut"- Kontakt in den Lidfalten wird die Barriere der Haut durch Feuchtigkeitsstau zusätzlich durchlässig und führt zu Lidekzemen. Also ist es ganz wichtig die Augen auch gut abzuschminken. Und dafür empfehle ich parfümfreie Apotheken-Produkte. Für ganz Empfindliche gibt es diese sogar als keimfreie Einzelportionen, ganz ohne Konservierungsmittel. Generell sollten Betroffene mir Atopischer Haut meiner Meinung nach für den ganzen Körper Apothekenprodukte bevorzugen.

Worauf muss man beim Abschminken achten?
Auch bei der Neurodermitis bzw. der Atopischen Dermatitis reichen im Prinzip Wasser und ein Mikrofasertuch aus. Abschminklotionen sollten frei von Duftstoffen und Konservierungsstoffen sein. Das ist für alle Hauttypen empfehlenswert, jedoch bei der Neurodermitis ganz besonders wichtig. Und Vorsicht gilt bei vermeintlich besonders gut verträglichen pflanzlichen Produkten aus dem Bioladen. Darauf sollte man gerade bei der Neurodermitis besser verzichten. Denn die Inhaltsstoffe von vielen Pflanzen kennt man trotz langjährger Forschung noch immer nicht komplett. So ist beispielsweise die häufig in Cremes verwendete Ringelblume besonders stark allergen.

Eine Hauterkrankung die meist erst ab dem 40. Lebensjahr auftritt ist die Rosazea. Was muss man hier beachten?

Betroffene mit einer Rosazea haben ebenfalls eine sehr empfindliche Haut. Diese kann jedoch zu trocken oder zu fettig sein. Typisch sind rote Stellen auf der Haut, bedingt durch erweiterte, vemehrt durchblutete Äderchen. Ausgelöst wird diese Durchblutungsstörung unter anderem durch zu viel Sonne. Weitere mögliche Auslöser sind Stress, Rauchen, Alkohol oder Kaffeekonsum, aber die UV-Strahlung hat einen besonders hohen Stellenwert. Deshalb brauchen Betroffene immer einen Sonnenschutz, das ganze Jahr über. Aber jetzt im Sommer mit einem besonders hohen Lichtschutzfaktor.

Das bedeutet also, dass man unter dem Make-Up nicht nur eine Tagespflege sondern auch eine Sonnenschutzcreme auftragen sollte?

Moderne Sonnenschutzcremes können heute eine Tagespflege ersetzen. Es gibt sogar Dreifach-Kombinationen, d.h. Sonnenschutz, Pflege und Make-Up in einem. Und dies gilt nicht nur für Problemhaut. Man kann auch mit gesunder Haut auf eine Tagespflege verzichten, wenn man Sonnencreme aufträgt. Generell gilt, je weniger die Haut belastet wird, desto besser. So haben auch Duftstoffe in Cremes nichts zu suchen. Und man sollte bei einem Produkt bleiben, wenn man damit zufrieden ist. Lassen Sie Pröbchen lieber links liegen und vermeiden Sie häufiges Wechseln Und das gilt für Pflegeprodukte genauso wie für Make-Up. Am besten gar nicht schminken sollten sich jedoch Kinder – ihre Haut ist noch sehr empfindlich. Und auch bei Jugendlichen warne ich vor Verwendung stark parfümierter und aromatisierter Lippenstifte und Lip-Gloss. Hier sieht man öfter starke Hautentzündungen, nicht selten sogar mit Blasenbildung.

Vielen Dank für das Gespräch!

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