Entfernung eines Tattoos mittels Laser, Quelle: dpa

- Tattoos: Stichelei mit Folgen

Tattoos, oft Ergebnis einer Laune, können weitreichende Folgen haben. rbb PRAXIS hat mit der Hautärztin Dr. Tanja Fischer, Fachfrau für Laserbehandlungen, über die Möglichkeiten und Grenzen beim Entfernen von Tätowierungen gesprochen.

Wie weitreichend die Folgen von Tattoos sein können, zeigen jüngste Beispiele aus der Promi-Welt: Nur wenige Tage vor Beginn der Bayreuther Festspiele am 25. Juli war der russische Bassbariton Evgeni Nikitin vorzeitig abgereist. Der Grund: Der Sänger der Titelpartie für die Eröffnungspremiere „Der Fliegende Holländer“, früher Mitglied einer Metal-Band, hatte sich in jungen Jahren Tätowierungen mit handtellergroßem Haken-Kreuz und SS-Runen stechen lassen – die immer noch gut sichtbar sind.

Berühmte Kollegen wie die Hollywood-Schauspielerin Angelina Jolie sind da schon einen Schritt weiter: Sie ließ sich den Namenszug ihres Exmannes Billy Bob Thornton entfernen. Auch Schauspieler Mark Wahlberg will seinen vier Kindern ein Vorbild sein und trennt sich derzeit von seinen Tätowierungen auf Oberarmen, der Brust und um den Hals. Er habe schon 30 Behandlungen hinter sich, zu sehen seien die Tattoos immer noch, erklärte er gegenüber einer deutschen Fernsehzeitschrift.

Dr. Tanja Fischer ist Hautärztin und Fachfrau für Laserbehandlungen und sprach mit uns über die die Möglichkeiten und Grenzen beim Entfernen von Tätowierungen.

rbb PRAXIS: Frau Dr. Fischer, worauf sollte man bei der Tätowierung achten?

Dr. Fischer: Wer sich tätowieren lässt, sollte sich das Studio genau anschauen. Werden hier grundsätzliche Hygiene-Regeln eingehalten? Ist der Arbeitsplatz sauber und aufgeräumt, sind Nadeln, Handschuhe, Verbandsmaterial aus Einwegmaterial? Wird die Haut vor dem Stechen desinfiziert? Außerdem sollte der Tätowierer mit Ihnen über verwendete Farben und die Hautstellen sprechen, an denen er sticht. Ich rate von Farben ab, die besonders strahlend und intensiv sind. Sie enthalten oft organische Bestandteile, wie sie auch für Autolacke und Industriefarben verwendet werden. Und was diese Partikel auf Dauer in unserem Körper auslösen, weiß man noch nicht.

rbb PRAXIS: Gibt es Menschen, die sich besser nicht tätowieren lassen?

Dr. Fischer: Menschen, deren Immunsystem angegriffen oder unterdrückt ist, sollten auf Tattoos verzichten. Dazu zählen auch Patienten mit einer künstlichen Herzklappe. Vorsichtig sollten Allergiker sein, da sie auf die Farbstoffe und Inhaltsstoffe allergisch reagieren könnten. Wer zu wuchernden Narben neigt, bei dem kann das Stechen eines Tattoos eine solche Wucherung auslösen.

rbb PRAXIS: Gibt es Farben, die besonders allergen sind?

Dr. Fischer: Vor allem rötliche Farben lösen Allergien aus. Allerdings treten Allergien recht selten auf, da professionelle Tätowierungen normalerweise in einer tiefer gelegenen Hautschicht gestochen werden. Die für eine allergische Reaktion verantwortlichen Immunzellen liegen oberflächlicher. Jedoch beobachte ich immer wieder bei Henna-Tattoos Allergien, da diese nur sehr oberflächlich eingeritzt werden.

rbb PRAXIS: Gibt es gesetzliche Vorschriften für Tätowierungen?

Dr. Fischer: Leider nein – auch bei den Farben nicht. Aus meiner Sicht ist das bedenklich: Von jedem Lebensmittel, jeder Creme wissen wir, was drin ist. Aber die Bestandteile der Farben, die man sich unter die Haut sticht, sind unbekannt. Hier muss sich etwas ändern.

rbb PRAXIS: Nicht alle Menschen haben das Glück wie die Hollywood-Schauspielerin Melanie Griffith, noch immer mit dem Mann verheiratet zu sein, dessen Namen sie sich einst in den Oberarm ritzen ließ. Welche Möglichkeiten hat man, um eine Tätowierung wieder zu entfernen?

Dr. Fischer: Tätowierungen können mit Hilfe moderner Lasersysteme entfernt werden. Verwendet wird dafür ein so genannter QS-Laser. Für jede Farbe bedarf es eines eigenen Lasers mit entsprechender Lichtwellenlänge. Trotzdem gibt es keine Garantie dafür, dass das Entfernen tatsächlich klappt. Ansonsten kann man die tätowierte Haut mit Hilfe eines Ballons nach und nach dehnen, um dann das Tattoo herauszuschneiden. Oder man deckt den Hautdefekt nach dem Herausschneiden mit einem Hautlappen von einer anderen Stelle oder mit einem Hauttransplantat ab. Von allen anderen Varianten wie Blitzlampe, Säuren und Salzen rate ich ab. Sie bringen nichts oder sind noch im experimentellen Stadium.

rbb PRAXIS: Was genau passiert beim Lasern?

Dr. Fischer: Die Farbpigmente erwärmen sich durch die kurzen Laserimpulse, zerspringen in kleinste Partikel und werden dann von Fresszellen abtransportiert. Diese Partikel können sich in den Lymphknoten ablagern oder werden über Lymphknoten, Lymphe, Vene, Leber und Darm ausgeschieden.

rbb PRAXIS: Hat das Lasern Nebenwirkungen?

Dr. Fischer: Bislang ist ungeklärt, welche chemischen Verbindungen durch die Laserbehandlung entstehen und welche gesundheitlichen Langzeit-Risiken diese haben. Bei Ruß- und Kohlepartikeln gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass nach dem Entfernen Langzeitschäden auftreten. Für die organischen Farbpartikel gibt es noch keine Langzeiterfahrungen.
rbb PRAXIS: Sieht man das Tattoo nach dem erfolgreichen Lasern überhaupt nicht mehr?

Dr. Fischer: Nach dem Lasern kann ein Negativ-Tattoo entstehen. Der Anker ist also nicht mehr blau, sondern plötzlich weiß. Bei einigen Laserarten pigmentiert die Haut nach einer Weile nach, bei anderen bleibt sie jedoch blass. Kommen Sie aber bitte nicht auf die Idee, sich hautfarbene Pigmente stechen zu lassen. Sie schlagen beim Korrigieren oder Entfernen durch den Laser oft in schwarz um, und das sieht überhaupt nicht mehr schön aus.

rbb PRAXIS: Gibt es Farben, die man nicht so gut lasern kann?

Dr. Fischer: Helle Farben wie hellblau, orange, grau, weiß, gelb und rosa sind schlecht zu entfernen. Genau wie besonders glänzende Farben zerspringen die enthaltenen organischen Farbpartikel nicht so leicht, sondern dehnen sich durch die Wärme nur aus, um dann nach dem Lasern wieder zusammenzuschnurren. Bunte Tattoos verschwinden deshalb meist nicht komplett. Gut lassen sich dagegen Kohle- und Tinten-Tattoos entfernen.

rbb PRAXIS: Wie viele Sitzungen braucht man, um ein Tattoo zu entfernen?


Dr. Fischer: Das ist abhängig von der Größe der Tätowierung, der Farbintensität und davon, in welcher Hautschicht die Pigmente eingelagert sind. Oberflächliche, weniger dicht gestochene Laien-Tattoos lassen sich meist besser weglasern als Tätowierungen vom Profi, da die Kraft des Lasers nicht bis in die Tiefe reicht. Solche Tattoos müssen dann gestanzt oder geschnitten werden. Beides hinterlässt Narben. Für einfache Tinten- oder Ruß-Tattoos reichen mitunter schon zwei, drei Sitzungen. Für ein Brilliantschwarzes Studiotattoo braucht man bis zu 20.

rbb PRAXIS: Wie fühlt sich die Haut vor und nach dem Lasern an?

Dr. Fischer: Die Behandlung selbst ist relativ schmerzhaft. Man kann aber vorher eine Betäubungscreme auftragen. Die Luftkühlung sorgt für zusätzliche Linderung. Danach ist die Haut rot und geschwollen. Es können sich Blasen und Krusten bilden, die aber normalerweise sehr schön abheilen. Etwas Kortisonsalbe verhindert, dass sich die Wunde infiziert. Zwischen den Laser-Sitzungen sollten mindestens sechs Wochen Pause liegen. Je weniger die Haut pigmentiert ist, desto besser ist das Laserergebnis. Am besten bräunt man sich deshalb mindestens vier Wochen vorher und auch danach nicht. Sport ist normalerweise kein Problem, allerdings sollten dadurch die Blasen und Krusten nicht aufplatzen, weil sich ansonsten die Heilung verzögert.

rbb PRAXIS: Was kostet eine Sitzung?

Dr. Fischer: Je nach Größe des Tattoos muss man mit etwa 50 bis 200 Euro für eine Laser-Sitzung rechnen. Hier lohnt es sich, Preisvergleiche anzustellen. Vielleicht können Sie einen Paketpreis vereinbaren.

rbb PRAXIS: Worauf sollte man beim Entfernen noch achten?

Dr. Fischer: Die Behandlung gilt in den meisten Bundesländern nicht als medizinischer Eingriff, sondern als ästhetisch-kosmetischer. Rechtlich gesehen kann jeder die Behandlung anbieten. Deshalb offerieren neben Ärzten auch Kosmetikstudios oder Tätowierer das Entfernen – ohne dafür wirklich ausgebildet zu sein. Eine Liste mit Hautärzten, die sich auf Lasermedizin spezialisiert haben, findet man auf den Seiten der Deutschen Dermatologischen Lasergesellschaft. Ein guter Hautarzt sollte Sie über die Chancen und Risiken der Entfernung beraten und vor allem abschätzen können, wie gut sich das Tattoo entfernen lässt und wie viele Sitzungen benötigt werden.

rbb PRAXIS: Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Gespräch führte Constanze Löffler.