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Hurra – endlich Sommerferien! Viele Eltern können ihre Kinder aber nicht rund um die Uhr betreuen und fragen sich, wie sie da am besten für eine gute Ernährung sorgen können. Dass die Kinder in den Ferien mehr Zeit haben, ist vor allem eine große Chance, sagt die Ernährungsmedizinerin Dr. Ute Gola. Eltern sollten die Kinder auch mal selbst etwas ausprobieren lassen – mit der Einkaufstüte und dem Kochlöffel in der Hand. Wie das am besten geht? rbb PRAXIS sprach darüber mit Dr. Ute Gola.
Eltern sollten die Sommerferien als Chance wahrnehmen, weil die Kinder jetzt mehr Zeit haben, um in der Küche auch mal selbst zu experimentieren. Wenn die Kinder anfangen zu kochen, sollten sich Eltern im Vorfeld selbst davon überzeugen, dass die Kinder sicher mit Küchengeräten umgehen können. Das, was dann "selbst gekocht" auf den Tisch kommt, sollte schon einigermaßen sinnvoll sein und schmecken. Viel wichtiger ist aber, dass es den Kindern Spaß macht, um sie spielerisch an das Thema Ernährung und Kochen heranzuführen.
Am besten sprechen die Eltern schon am Abend zuvor mit den Kindern ab, was die Kinder sich am nächsten Tag eventuell einfach nur aufwärmen oder frisch als kleine Mahlzeit zubereiten. Dann sollten die Kinder auch ruhig mal alleine mit der Einkaufstasche los, um etwas frisches Obst und Gemüse, das ihnen schmeckt, selbst auszuwählen und zu besorgen.
Kann es auch mal ein Fertiggericht sein, wenn es schnell gehen muss oder ein Kind anfängt, mit dem Kochen zu experimentieren?
Die Einteilung Fertiggerichte seien immer ungesund und Selbstgekochtes auf jeden Fall gesund, ist zu einfach. Es gibt durchaus auch gute Fertiggerichte, die meist jedoch nicht ganz preiswert sind. Wenn man zum Fertiggericht greift, sollten das eher Produkte mit einem hohen Gemüseanteil sein. Grundsätzlich gilt: im Tiefgefrorenen sind Mikronährstoffe in der Regel besser erhalten als in Fertiggerichten aus dem Glas bzw. Dose oder in Tütenverpackungen.
Wenn Kinder anfangen, zu kochen, sollten sie gerade bei den ersten Versuchen nicht überfordert werden. Meist ist es einfacher, mit „Aufwärmen“ oder einem Fertiggericht anzufangen. Spaghetti mit fertiger Tomatensauce sind alleine noch keine runde Mahlzeit, schmecken aber den meisten Kindern gut und sind einfach von ihnen zu kochen. Rohes Gemüse dazu geknabbert, fertig ist eine gute Mahlzeit.

Es spricht nichts dagegen, wenn Kinder mal Pizza, Pasta oder Pommes essen. Die Pommes können im Backofen zubereitet werden, dann sind sie nicht so fettreich. Und natürlich wäre es schöner, die Kinder würden anstatt des Ketchups eine Soße mit Tomatenmark zu den Nudeln essen. Aber in Maßen ist auch gegen Ketchup nichts einzuwenden.
Ein Pizzaboden lässt sich gut mit frischem Gemüse und Käse belegen und ist dann durchaus eine gesunde Mahlzeit. Und die Pommes können mit Salat oder Rohkost kombiniert werden. Das schmeckt vielen Kindern und kann von den Größeren auch selbst zubereitet werden.
Wie könnte ein ernährungstechnisch gelungener Sommerferientag für Kinder aussehen?
Kinder sollten mit einem guten Frühstück in den Tag starten. Dazu gehören Getreide- und Milchprodukte sowie Obst. Auch gegen ein Brot mit Nuss-Nougat-Creme spricht nichts, wenn frisches Obst mit dazu kommt. Mittags sollten die Kinder, wenn sie alleine zu Hause sind, ruhig etwas Freiraum zum Experimentieren haben. Eltern sollten ein Auge darauf haben und gemeinsam mit den Kindern planen – aber mit einem gewissen Maß an Gelassenheit. Dafür kann das gemeinsame Abendessen dann wieder alles bieten, was zu einer schönen Mahlzeit dazu gehört - Essen, Gespräche, Spaß. Es sind gerade die gemeinsamen Mahlzeiten bei denen Kindern lernen und Rituale fürs ganze Leben entwickeln. Manchmal verbessern Eltern auch ihre eigenen Gewohnheiten, weil Kinder genau auf sie achten, das heißt natürlich auch Vorbild sein. Zu einem Sommerferientag sollte unbedingt auch Bewegung draußen gehören. Einerseits, weil das wichtig für den Aufbau des Muskel- und Skelettsystems der Kinder ist und die Hunger-Sättigungs-Regulation bei Bewegung besser gesteuert wird. Andererseits werden im Sommer durch das Sonnenlicht in der Haut Vitamin D-Speicher für das ganze Jahr gebildet.
Manche Produkte sprechen durch ihre Aufmachung und Verpackung gezielt Kinder an. Besonders gesund für Kinder – die Behauptung wird dann häufig in der Werbung aufgestellt, beispielsweise bei Frühstückscerealien. Oftmals verstecken sich dahinter aber Kalorienbomben. Wann sollten Eltern hellhörig werden?
Eltern sollten vorsichtig sein, wenn die Produkte vordergründig süß schmecken und bei Süßigkeiten die Übersicht behalten. Der Blick auf die Zutatenliste bringt wichtige Informationen. Wenn an erster Stelle Zucker steht, dann ist es eine Süßigkeit und sollte besser auch wie Naschzeug behandelt werden.
Im Sommer essen die meisten – besonders auch Kinder - gerne Eis. Wie oft darf man da zugreifen?
Das kommt darauf an, was es den ganzen Tag noch zu essen gibt. Bei einer ausgewogenen Ernährung ist gegen eine oder zwei Kugeln Eis am Tag nichts einzuwenden. Aber nicht jeder Tag ist so heiß, dass es gleich Eis geben muss. Tiefkühlobst als Eis schmeckt auch mal ganz prima. Als Orientierung für die Menge an Süßigkeiten, die ein Kind am Tag essen darf, eignet sich die zur Schale geformte Kinderhand. Frisches Obst oder Studentenfutter können auch eine gute Alternative sein – süß und gesund zugleich.
Vielen Dank für das Gespräch, Frau Dr. Gola.
Das Gespräch führte Nadine Bader.




