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Experten schätzen, dass ein Drittel bis fünfzig Prozent der so genannten Zivilisationskrankheiten, darunter Diabetes und koronare Herzkrankheit, zu großen Teilen durch eine ungesunde Ernährungsweise bedingt sind. Was ist dran an der Bedeutung von Obst und Gemüse in der Gesundheitsprävention – welche Erkenntnisse sind wissenschaftlich bestätigt? Die rbb PRAXIS hat nachgeforscht.
Dass Gemüse und Obst bedeutend für eine gesunde Ernährungsweise sind, ist unbestritten. Denn sie liefern wichtige Nährstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Doch laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist weiterhin umstritten, bei welchen Krankheiten eine Erhöhung des Verzehrs das Krankheitsrisiko tatsächlich absenken kann und mit welcher Evidenz Studien einen Zusammenhang herstellen.
In einer Analyse der Studienlage kommt die DGE auf folgende Ergebnisse:
* Für Hypertonie (Bluthochdruck), koronare Herzkrankheit und Schlaganfall wurde eine überzeugende Evidenz dafür ermittelt, dass eine Erhöhung des Verzehrs von Gemüse und Obst das Erkrankungsrisiko reduziert.
* Das Risiko für Krebskrankheiten allgemein ist mit wahrscheinlicher Evidenz invers mit dem Gemüse- und Obstverzehr verbunden - senkt also das Risiko mit Wahrscheinlichkeit.
* Der Studie zufolge ist es nicht ausgeschlossen, dass Obst und Gemüse auch das Risiko bei Demenz senken kann.
* Es besteht weiterhin eine mögliche Evidenz dafür, dass mit einer Erhöhung des Verzehrs von Gemüse und Obst eine Körpergewichtszunahme verhindert werden kann. Da Übergewicht der wichtigste Risikofaktor für Diabetes mellitus Typ 2 ist, könnte ein erhöhter Verzehr von Gemüse und Obst indirekt auch das Vorkommen von Diabetes mellitus Typ 2 reduzieren. Unabhängig vom Übergewicht besteht mit wahrscheinlicher Evidenz kein Einfluss eines erhöhten Verzehrs auf das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2.
* Mit einer Erhöhung des Gemüse- und Obstverzehrs sinkt mit möglicher Evidenz das Risiko für bestimmte Augenkrankheiten wie Makuladegeneration und Katarakt (Grauer Star) sowie für Osteoporose.
* Ebenso ergaben die vorliegenden Studien zu den Lungenkrankheiten Asthma und COPD (chronisch obstruktive Lungenkrankheit) sowie zur rheumatoiden Arthritis Hinweise darauf, dass eine Erhöhung des Gemüse- und Obstverzehrs möglicherweise zu deren Prävention beiträgt.
* Für entzündliche Darmkrankheiten, Glaukom (Grüner Star) und diabetische Retinopathie war die Evidenz für einen Zusammenhang mit dem Gemüse- und Obstverzehr unzureichend.
Insgesamt folgern die Ernährungsexperten von der DGE: "Die umfassende Bewertung der Rolle von Gemüse und Obst zeigt, dass der Konsum von Gemüse und Obst die Gesunderhaltung fördert und damit die Forderung nach einer Erhöhung des Gemüse- und Obstverzehrs aus wissenschaftlicher Sicht berechtigt."
Gemüse und Obst – Nimm "5 am Tag"...
Etwa 650 Gramm Gemüse und Obst entsprechen „5 am Tag“ - am besten in Form von drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst. Für jeden mit den eigenen Händen leicht abzumessen: als eine Portion gilt, was in eine Hand passt, wie beispielsweise ein Apfel, eine Tomate, eine Paprika. Anders bei kleinteiligem Obst und zerkleinertem Gemüse wie Beeren, Broccoli und Salat: beide Hände zu einer Schale geformt ergeben eine Portion.
Fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag sollten es sein, möglichst frisch, nur kurz gegart, oder auch eine Portion als Saft – idealerweise zu jeder Hauptmahlzeit und auch als Zwischenmahlzeit. Das führe zu einer umfassenden Versorgung mit Vitaminen, Mineral-, sowie Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen (z.B. Carotinoide, Flavonoide).
Die höchsten Gehalte an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen haben im Allgemeinen frisches Obst und Gemüse. Ab und an sind aber auch Tiefkühlprodukte und Konserven erlaubt. Beim tief gefrorenen Gemüse ergeben zwei Hände voll eine Portion. Bei getrockneten Hülsenfrüchten wie Linsen gelten 50 g als eine Portion, auch das entspricht einer Hand voll.
Text von Nadine Bader

