- Heilsames Essen?

Die Vorstellung ist verlockend: Vitamine, Bakterienkulturen und Muttermilch – reichlich genossen trotzt man Viren, Bakterien und Krebszellen. Doch die Wissenschaft weiß bis heute nicht genau, wie und ob man das Immunsystem mit Nahrungsmitteln unterstützen kann.

Wer glaubt, Vitamine seien ein Allheilmittel, helfen gegen Infekte und beugen Krebs vor, der sei hiermit eines Besseren belehrt: „Die vermehrte Einnahme von Vitamin A kann häufiger zu Lungenkrebs führen“, warnt Jürgen Schrezenmeir, Ernährungsmediziner und Buchautor. Vor allem Raucher sind von diesem Effekt betroffen. "Das ACE-Prinzip – also die vermehrte Einnahme der antioxidativen Vitamine A, C und E – müssen wir heute als kontraproduktiv bei der Krebsprävention ansehen.“

Sehr umstritten ist auch die Wirkung von Probiotika. Sie sind vor allem in entsprechend ausgezeichneten Joghurtprodukten enthalten. Die Industrie preist die lebenden Mikroorganismen als Allheilmittel gegen Darmkrämpfe, Verstopfungen und Unwohlsein an.

Doch in einer Untersuchung, in der alle korrekt ausgeführten Probiotika-Studien ausgewertet wurden, war die Wirkung begrenzt: Die Bakterienkulturen konnten lediglich die Dauer und Schwere von infektiösen Durchfällen verringern sowie von Durchfällen, die durch Antibiotikagabe ausgelöst werden. Und: "Nicht jedes Erzeugnis hilft bei allen Erkrankungen gleich gut, da die Hersteller unterschiedliche Bakterienkulturen verwenden“, sagt Schrezenmeir. Auch wie viel Probiotika-Menge im Einzelfall notwendig ist, hängt von der verwendeten Bakterienart ab. Und die ist für den Käufer nicht ersichtlich.

Heilsame Muttermilch

Bekannt aus dem Alltag ist stattdessen die heilsame Wirkung von Muttermilch. Auch die Wissenschaft hat deren vorbeugende Kraft ausführlich untersucht: "Neugeborene sollten die ersten vier bis sechs Monate ihres Lebens gestillt werden“, erläutert Schrezenmeir. Muttermilch enthält u. a. so genannte Ganglioside. Diese Verbindungen aus Fetten und Zuckermolekülen können die kindliche Immunlage günstig beeinflussen. Außerdem besteht die kostenlose Säuglingsnahrung aus abwehrfördernden Enzymen und Eiweißen, die das Baby vor Infekten schützen. "Die Muttermilch enthält viele bioaktive Substanzen, die wir noch gar nicht kennen“, sagt Schrezenmeir.

Für das Immunsystem von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen gesund hat sich Fischöl erwiesen. Die darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren können die Immunantwort bei Autoimmunerkrankungen und Allergien dämpfen. Vor allem fette Fische wie Lachs und Thunfisch enthalten hohe Mengen an Omega-3-Fettsäuren. Gesunde Menschen müssen für ihre Ernährung allerdings nicht extra Fischöl-Konzentrate zu sich nehmen, urteilte das Bundesinstitut für Risikobewertung – vor allem, wenn sie regelmäßig Fisch verzehren.

Tomaten gegen Krebs

Wer Fisch isst, muss sich also keine Sorgen ums Immunsystem machen. Und wie sieht es mit Gemüse aus? Tomaten sollen helfen unser Immunsystem gegen Krebszellen fit zu machen, haben Wissenschaftler herausgefunden. Die stärksten Effekte wurden gegen Prostata-, Bauch-speicheldrüsen-, Eierstock- und Magenkrebs nachgewiesen. Die genauen Faktoren, die dazu führen, sind noch nicht bekannt. Das in Tomaten in hohen Konzentrationen enthaltene Lycopen mag eine immunmodulierende Wirkung haben.

Die bislang durchgeführten Studien kommen jedoch zu widersprüchlichen Ergebnissen. So empfiehlt die amerikanische Zulassungsbehörde für Arzneimittel (FDA) nicht explizit, mit Tomaten oder Tomatensauce gegen bösartige Tumore vorzusorgen. "Eine spezielle Diät für ein gesundes Immunsystem zu empfehlen ist kaum möglich“, sagt Schrezenmeir. Zu unklar seien noch die Wechselwirkungen zwischen diversen Nahrungsstoffen und der körpereigenen Abwehr. "Doch mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung tut man seinem Immunsystem auf jeden Fall etwas Gutes.“

Text: Constanze Löffler

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