Ein Kind trinkt ein Glas Milch, Quelle: dpa

rbb PRAXIS online - Lebensmittelallergien – der richtige Weg zur Diagnose

Kleine Pusteln auf der Haut, Übelkeit oder ein juckender, brennender Mund. Die Symptome einer Lebensmittelallergie können sehr unterschiedlich sein. Im schlimmsten Fall kann nach einem winzigen Krümel Nahrung ein anaphylaktischer, lebensbedrohlicher Schock eintreten. Deshalb muss ein Verdacht auf eine Lebensmittelallergie unbedingt abgeklärt werden. Die häufig im Internet angebotenen IgG- oder IgG4-Antikörper-Bluttests sind dafür jedoch nicht geeignet.

Wenn der Magen nach dem Essen grummelt oder sich Pusteln auf der Haut bilden, kann das ganz schön lästig sein. Rund zwanzig Prozent der Deutschen denken, dass sie betroffen sind und bestimmte Nahrungsmittel nicht vertragen. Eine Nahrungsmittelallergie haben tatsächlich nur etwa ein bis drei Prozent der Erwachsenen und vier bis sechs Prozent der Kinder. Daneben gibt es viele Menschen, die wahrscheinlich eher unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden – ein aus medizinischer Sicht jedoch vollkommen anderes Problem.

Unter einer Lebensmittelallergie versteht man eine spezifische Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Lebensmittel bzw. Lebensmittelbestandteile. D.h., dass bei einer Lebensmittelallergie eine Abwehrreaktion des Körpers hervorgerufen wird, weil das Immunsystem fälschlicherweise auf bestimmte Stoffe im Essen – die Allergene – anspringt. Dagegen basieren Lebensmittelunverträglichkeiten auf verschiedenen Mechanismen. Ursache ist häufig ein Enzymdefekt (zum Beispiel Laktase), so dass der aufgenommene Stoff (Milchzucker oder Laktose) nicht richtig im Körper abgebaut werden kann. Das Immunsystem ist jedoch nicht beteiligt und Menschen mit Unverträglichkeiten können – im Gegensatz zu Allergikern – oftmals kleine Mengen des betreffenden Stoffes ohne Beschwerden vertragen.

Bei den Allergenen handelt es sich um eigentlich harmlose Proteine, die das Immunsystem von Allergikern jedoch als Bedrohung wahrnimmt. Jedes Lebensmittel, das kleine Mengen an Eiweißstoffen beinhaltet, kann eine allergische Reaktion hervorrufen. Zu den häufigsten Allergie auslösenden Lebensmitteln gehören Kuhmilch, Hühnerei, Fisch, Soja, Weizen und Erdnüsse. Aber auch in Obst und Gemüse sind Zucker-Eiweiß-Verbindungen enthalten, die eine Allergie auszulösen können.

Besteht der Verdacht auf eine Lebensmittelallergie, muss dies unbedingt medizinisch abgeklärt werden, sagt die Ernährungsmedizinerin Dr. Ute Gola. Denn heftige allergische Reaktionen könnten zu gesundheitlichen Problemen führen, die in seltenen Fällen auch schwer verlaufen könnten wie bei einem anaphylaktischen Schock. Für eine richtig zusammengestellte allergenfreie Diät brauche man eine genaue Diagnose der verursachenden Allergene. Ohne Diagnosestellung ist es laut der Ernährungsmedizinerin nicht ratsam, dass sich Patienten an strikte und ungerechtfertigte Ernährungseinschränkungen halten. Dies könne gerade bei Kindern zu unausgewogener Ernährung mit möglichen Mangelerscheinungen führen.
Antikörper im Blut (Quelle: rbb)

Umstrittene IgG-Tests

Nicht zu empfehlen sind die vielfach im Internet angebotenen Bluttests auf IgG-Antikörper, die Aufschluss über eine mögliche Lebensmittelallergie geben sollen. Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI) warnt davor, Geld für solche dubiosen IgG-Test auszugeben, die keinen diagnostischen Wert hätten. IgG-Antikörper seien eine normale Reaktion auf bestimmte Lebensmittelbestandteile und werden deshalb häufig nachgewiesen - eben auch bei gesunden Menschen, die dann völlig ungerechtfertigte Ernährungseinschränkungen auf sich nehmen würden.

Patienten mit Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie sollten sich gründlich beim Allergologen untersuchen lassen. Die Diagnostik einer Nahrungsmittelallergie kann langwierig und aufwendig sein – ist jedoch unabdingbar, um Klarheit zu bekommen. Laut den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI) gibt es keinen einzelnen beweisenden Parameter. Zu den diagnostischen Möglichkeiten bei Nahrungsmittelallergien gehören:

- Anamnese (Analyse der Krankengeschichte durch Arzt oder Ernährungsfachkraft)
- Symptom-Ernährungs-Tagebuch
- In-vitro-Untersuchungen (u.a. Serumtests auf IgE-Antikörper, um erste Rückschlüsse auf Allergiebereitschaft zu ziehen)
- In-vivo-Untersuchungen:
> Hauttests (Haut-Prick-Test)
> Diagnostische Eliminationsdiäten
> Kontrollierte orale Provokationstests mit verdächtigen Nahrungsmitteln

       

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Auf Provokationstests beruhende Diätempfehlungen sind bei Kindern jedoch nur zwölf bis 18 Monate gültig. Viele der frühkindlichen Allergien haben eine gute Prognose und verflüchtigen sich mit der Zeit. Deshalb müssen die Untersuchungen beim Allergologen in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. Generell gilt: alle Patienten mit gesicherter schwerer Nahrungsmittelallergie sollten stets mit einem Notfall-Set ausgerüstet und entsprechend geschult sein.

Text: Nadine Bader

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