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Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind in der Gesellschaft weit verbreitet und auch die Industrie hat sie entdeckt: Im Supermarkt findet man heute reihenweise Ersatzprodukte wie beispielsweise laktosefreie Milch oder Reisbrot. rbb PRAXIS mit Dr. Ute Gola, Ernährungsexpertin aus Berlin-Pankow.
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Wie kommt es, dass heute jeder mindestens einen Bekannten hat, der eine Nahrungsmittelunverträglichkeit hat. Nehmen die Zahlen tatsächlich zu oder steigt nur das Bewusstsein?
Welche Unverträglichkeit ist häufig, welche ist eher ein Marketingexperiment der Industrie?
Eine Laktoseunverträglichkeit betrifft etwa 15 Prozent der Erwachsenen. Und auch die Fruktosemalabsorption wird bei jedem dritten europäischen Erwachsenen festgestellt. Im Vergleich dazu betrifft eine Zöliakie, bei der Gluten aus Getreide nicht vertragen wird, in Deutschland gerade einmal 0,2 Prozent der Erwachsenen. Dies würde man bei der Vielfalt an glutenfreien Produkten, die der Handel anbietet, sicherlich nicht vermuten. Eine richtige Lebensmittelallergie tritt etwa nur bei einem Prozent der deutschen Bevölkerung auf. Allergien gegen Pollen, Duftstoffe oder Kosmetika sind im Verhältnis dazu viel weiter verbreitet.
Was ist das Problem bei der Laktoseunverträglichkeit?
Bei der Laktoseintoleranz wird Milchzucker nicht vertragen, denn das Enzym Laktase fehlt ganz oder teilweise. Normalerweise hat der Dünndarm genügend davon, um den Milchzucker bereits im Dünndarm zu verdauen. Bei Laktasemangel treten die Beschwerden jedoch meist erst in späteren Lebensjahren ein, denn die Produktion des Enzyms Laktase lässt altersbedingt nach.
Dann wird der Milchzucker nicht oder nur unzureichend gespalten und große Mengen an Laktose gelangen in die unteren Darmabschnitte. Blähungen, gesteigerte Darmbewegungen und Durchfall sind die Folge. Auch klagen laktoseintolerante Personen oft noch zusätzlich über allgemeine Beschwerden wie Schwäche, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen sowie Muskel- und Gelenkschmerzen.

Eine Unverträglichkeitsreaktion auf Nahrungsmittel ist ein sehr allgemeiner Begriff, der sowohl eine Allergie als auch eine Intoleranz bezeichnen kann. Eine Nahrungsmittelallergie ist immer eine immunologische Reaktion. Hier ist eine exakte Diagnose außerordentlich wichtig, denn Betroffene müssen das Allergen komplett meiden.
So darf bei einer Milchallergie das speziell in Milch enthaltende Eiweiß, welche die Symptome auslöst, nicht aufgenommen werden. Kleinste Mengen lösen die Beschwerden aus. Bei der Nahrungsmittelunverträglichkeit, die keine immunologische Reaktion ist, vertragen die Betroffenen häufig kleinere Mengen des Auslösers gut. Die Beschwerden sind hierbei fast immer dosisabhängig.
Der häufige "natürliche" Laktasemangel tritt meistens erst nach dem Abstillen oder in späteren Lebensjahren auf. In den ersten Jahren haben die meisten Kinder in Europa noch eine sehr hohe eigene Enzymproduktion im Darm, erst mit dem Alter lässt die Produktion an Laktase nach, begleitende Erkrankungen können einen zusätzlichen negativen Effekt haben. Ein Laktasemangel kann also beispielsweise eine Begleiterscheinung bei chronischen Darmerkrankungen, Zöliakie, Mangelernährung, chronischem Alkoholmissbrauch oder dem Kurzdarmsyndrom sein.
Gegen welche Lebensmittel sind Allergien bekannt und wie werden sie behandelt?
Jeder fünfte Deutsche geht davon aus, dass er unter einer Nahrungsmittelallergie leidet. Nach ausführlicher allergologischer Diagnostik ist diese jedoch nur bei etwa einem Prozent der Bevölkerung nachzuweisen, bei Kindern übrigens häufiger als bei Erwachsenen. Häufige Allergen in Lebensmitteln sind Proteine in Milch, Hühnerei, Fisch, Soja, Weizen und Nüssen. Auch einige Obstsorten, oft in Kreuzreaktion mit Pollenallergien, Gewürze oder Hefe, können eine Allergie auslösen. Der Allergie auslösende Stoff sollte komplett gemieden werden.


