Gedeckter Tisch (Foto:dpa)

- Mahlzeit für die Sinne

Wir essen nicht nur, wenn wir Hunger haben. Auch das Licht im Restaurant, die Tellergröße und die Körperfülle des Tischnachbarn beeinflussen unseren Appetit. rbb Praxis erklärt, warum das Unterbewusstsein immer mitisst.

Es ist angerichtet: Kaffee mit Milchschaum, Obst, Fisch, Rührei, Gulascheintopf – die Auswahl am Hotelbuffet duftet appetitlich. Dennoch stehen wir manchmal minutenlang ratlos davor. Dass wir uns nicht entscheiden können, hat jedoch eine Ursache: Wann, wie und wie viel wir essen, hängt nicht nur von unserem Hunger ab. Auch die Vielfalt, der Geruch, die Atmosphäre und die Menschen, mit denen wir zusammen speisen, beeinflussen uns unbewusst.

Schon vor dem ersten Biss ins Brot oder das Schnitzel trifft unser Unterbewusstsein etwa 250 Entscheidungen. Das führt dazu, dass wir mehr Lust auf Salat haben, wenn die Blätter frisch knacken statt vor sich hinzuwelken. Dass wir in die Bäckerei gehen, wenn es nach ofenfrischen Brötchen duftet. Dass wir ein Stück Pizza der vitaminreichen Möhrensuppe vorziehen, nur weil es in bunteren Farben leuchtet.

Die Lust am Essen

Essen ist eine emotionale Angelegenheit, eine Sache der Gefühle. Zahlreiche Untersuchungen belegen: Deutsche empfinden Essen nach Urlaub, Familie und Sex als lustvolle Beschäftigung. Andersherum bestimmen auch unsere Gefühle, wie viel und ob wir essen. Wer Herzschmerz hat, geht mit Schokolade gegen das seelische Ungleichgewicht vor oder verweigert Essen ganz. Verliebte bekommen oft keinen Bissen hinunter.

Warum Menschen mit emotionalem Stress unterschiedlich reagieren, wissen Experten nicht genau. Klar ist nur: Bestimmte Stoffe in Lebensmitteln regulieren unsere Emotionen. Beispiel dafür ist die Aminosäure Tryptphan in der Schokolade. Sie beeinflusst die Hirnfunktion und löst Wohlbefinden aus. Umgekehrt bestimmen auch äußere Reize und der Hör-, Seh-, Tast- und Geruchssinn mit, was auf den Teller kommt.

Kleinkinder zeigen das deutlich. „Sie essen natürlicherweise nur das, was ihnen schmeckt und nur soviel, bis sie satt sind“, sagt Thomas Ellrott, Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie der Universität Göttingen. „Babys erhalten vom Gehirn das Signal Hunger und folgen ihm, bis ihr Körper genug Energie aufgenommen hat.“ Und sie fassen in das volle Glas, manschen mit Brötchen und ziehen bunte Brause farblosem Wasser vor. Kinder essen noch mit allen Sinnen. Je älter wir werden, desto mehr verliert sich dieser natürliche Zugang.

„Statt dem angeborenen Hunger- und Sättigungsrhythmus folgen Erwachsene mehr äußeren Impulsen“, sagt Ellrott. Essen wird zu einem kulturellen und sozialen Element. „Erwachsene essen, weil sie mittags mit den Kollegen in die Kantine gehen, weil das Buffet viele Leckereien für wenig Geld bietet oder es zu Weihnachten wie jedes Jahr eine Gans gibt.“

Wie stark Gewohnheiten das Essverhalten beeinflussen, ist dem Göttinger Ernährungsexperten zufolge von verschieden Faktoren abhängig und wahrscheinlich auch genetisch bedingt. Einige essen nur, wenn sie hungrig sind, der Duft von Pizza in der Fußgängerzone lässt sie kalt. Andere müssen ihm folgen, auch wenn sie vor zehn Minuten erst vom Tisch aufgestanden sind.

Darauf sollten Sie achten:

Lieber kleine Teller!
Wer große Teller verwendet, isst automatisch mehr. Das zeigt eine Studie mit Kinogängern, die kleinere oder größere Portionen Popcorn mit in die Vorstellung nahmen. Versuchspersonen, die aus XXL-Tüten naschten, nahmen mehr als ein Drittel mehr des süßen Getreides auf als diejenigen mit einer normalen Portion.

Wenn die Sinne trügen
Frischer Kaffeeduft am Morgen weckt die Lust auf ein ausgiebiges Frühstück. Kaffeehausketten kennen das psychologische Mittel längst und versprühen in Einkaufspassagen gern kaffeeähnliche Aromen, die noch unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegen. Außerdem tückisch: Süße Düfte machen Lust auf Desserts.

Mit Musik geht alles besser
Auch das Ambiente bestimmt mit, wie wir ein Lebensmittel bewerten. So mundet ein Glas Wein besser, wenn angenehme Musik gespielt wird. In einer Studie bewerteten Probanden ihn um bis zu 60 Prozent kräftiger und gehaltvoller als beim stillen Genuss.

Hoch die Tassen
Ob Hefebier, Kölsch oder die Maas auf dem Oktoberfest – jedes Bier hat sein spezielles Glas, nur in ihm schmeckt es typisch. Die Form des Glases beeinflusst aber auch, wie viel wir daraus trinken. So nahmen Probanden aus dickbäuchigen Gläsern fast 90 Prozent mehr Flüssigkeit zu sich als aus schmalen, hohen Gläsern.

Text: Beate Wagner

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