Rohkost: Gemüseplatte

Rohkost - Kalt. Roh. Lecker?

Karottenstifte, Lauchstängelchen und Radieschenscheiben – so stellen sich wohl die meisten Menschen Rohkost vor. Dabei kann Rohes auch ganz anders aussehen – und nach mehr schmecken, als nach dem Dip. "Gesund" nennen das die einen, "Roh-Volution" die anderen und manche auch "gefährlich". rbb PRAXIS erklärt, was hinter Rawfood steckt.

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Rohgemüse-Platte

La Haute Cuisine Crue

Nicht alle Trends sind immer klar zu erkennen und setzen sich durch. Auch bei der Rohkost ist das so. Zwar tauchen in den Rohkost-Foren und -Netzwerken z.B. immer wieder "neue Pflanzen" auf, die es zu probieren gelte (vor allem aus Afrika oder Asien). Allerdings kennt der "durchschnittliche Rohköstler" in der Regel sowieso viel mehr leckere Pflanzenarten als der Durchschnittsbürger.

Wenn es einen ganz allgemeinen Trend gibt, dann den zur Lust am kalten Kochen - also dem Verarbeiten der Lebensmittel mit Messer und Mixer, Hobel und Dörrofen. Da geht es um das Marinieren genauso, wie ums Zermusen oder Einlegen – kurz: Gemüse und Obst werden kunstvoll kombiniert und maximal lauwarm verarbeitet und das bis hin zum Gourmet-Menü.

Einige Rohköstler aus Online-Netzwerken halten das sogar schon für den Beginn der "Neuen Rohen Küche - La Haute Cuisine Crue". Und ob es stimmt oder nicht – auch ganz klassische Sterneköche greifen Rohkostideen oder Lebensmittel aus der Szene auf. Besonders beliebt: cremige Mousse aus Gemüse oder vergessene Beeren wie die Goji. Die Gojibeere ist hier besser bekannt als Bocksdorn- oder chinesische Wolfsbeere. Sie wird schon seit mehr als tausend Jahren in der chinesischen Medizin verwendet.

Früchte im Mixer

Rohe Power

Goji sind übrigens gleich in doppelter Hinsicht Rohkost-Trend, denn sie sind auch Bestandteil des so genannten "Super Food". Darunter versteht man Rohkostkompositionen, die besonders viel Energie spenden sollen – zum Beispiel für den Sport. Verwendet werden dafür Pflanzen, die besonders hohe Anteile an Vitaminen, Mineralien, Aminosäuren usw. haben. Besonders beliebt sind neben der Goji Beere zurzeit: Rohkakao, Maca-Rübchen aus Peru und Baobab, der afrikanische Affenbrotbaum.

Allerdings: im Vergleich zu anderen Rezepten geht es gerade beim rohen Super Food oft trocken zu – mit Pulvern aus den entsprechenden Pflanzen werden die Nährstoffgehalte einfacherer Gerichte schlicht aufgepeppt. Nicht immer geht es nämlich auch um die Wiederentdeckung jahrtausendealter Pflanzen im eigenen Beet.

Besser roh... ?

Unter Ernährungswissenschaftlern ist man sich zur Rohkost einig. Zumindest, wenn es um die vegetarische Rohkost geht. Und zumindest, wenn sich Menschen nicht ausschließlich von Rohkost ernähren. Denn: Rohkost hat beispielsweise wenig Fett. Und in rohem Gemüse steckt außerdem bis zum dreifachen an Vitamin C oder B6, verglichen mit der gekochten Variante. Kurz: Menschen die ab und an eine Mahlzeit durch Rohkost ersetzen, sind der Traum fast jedes Ernährungswissenschaftlers oder Mediziners.

Anders sieht es bei den Rohköstlern aus – also den Menschen, die sich hauptsächlich oder ausschließlich von Rohkost ernähren. Da gehen unter Forschern, Medizinern und den Rohessern die Meinungen bisweilen weit auseinander. Streitpunkt ist die Frage: führt eine Ernährung, die zu 70 Prozent oder mehr aus rohen Lebensmitteln besteht zu einer Unterversorgung?

Seit Jahren wird immer wieder mit einer Studie argumentiert: der sogenannten Giessener Studie, die von 1996 bis 1998 am Institut für Ernährungswissenschaften der Uni Giessen entstand. Das Ergebnis: Sowohl der Body-Maß-Index (BMI), wie auch die Versorgung mit Vitaminen oder Antioxidantien war bei den Rohköstlern normal, bzw. sogar sehr gut.
Allerdings neigten die Studienteilnehmer zur Magerkeit und ihren Körpern fehlte es (zum Teil deutlich) an den Vitaminen B12 und D. Die Forscher kamen deshalb zu dem Schluss: Eine reine Rohkosternährung ist nicht zu empfehlen.

...oder besser nicht?

Bisher gibt es keine groß angelegte Studie, die die Giessener widerlegen könnte. Allerdings legen einige kleinere Untersuchungen nahe, dass Rohköstler zwar anders leben, aber medizinisch gesehen nicht schlechter. So zum Beispiel die Ergebnisse von Luigi Fontana von der Washington University School of Medicine.
Demnach sind Rohköstler zwar in der Regel magerer als andere Menschen, werden aber nicht häufiger krank. Und: Rohköstler leiden nicht öfter an Osteoporose, als andere Menschen – und das, obwohl die Forscher aus Giessen in den 90er Jahren niedrige Calciumwerte bei Rohköstlern entdeckt hatten.
Weitere Studien unter der Leitung von Fontana scheinen sogar zu belegen, dass es eine Verbindung zwischen der sparsameren Rohkost-Ernährung und der Prävention von Herzkrankheiten und Krebs gibt. Genauer - und vor allem bei einer großen Menschengruppe - untersucht worden ist das allerdings noch nicht.

Text: Lucia Hennerici

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