
Rohkost -
Karottenstifte, Lauchstängelchen und Radieschenscheiben – so stellen sich wohl die meisten Menschen Rohkost vor. Dabei kann Rohes auch ganz anders aussehen – und nach mehr schmecken, als nach dem Dip. "Gesund" nennen das die einen, "Roh-Volution" die anderen und manche auch "gefährlich". rbb PRAXIS erklärt, was hinter Rawfood steckt.
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Rohkost ist kein Neuling auf dem Esstisch – schon in Kochbüchern aus den 1920ern und 30ern wurde vor allem der Verzehr von rohem Gemüse empfohlen und das nicht nur als Salatbeilage. Aber Rohes zu essen oder (in der pseudo-hippen englischen Variante) "eating raw" ist seit einigen Jahren wieder im Trend. Besonders in Berlin. So kommt zum Beispiel seit 2008 einmal im Jahr die Rohkostmesse „Rohvolution“ in die Stadt - mit tausenden Besuchern laut Veranstalter. Tatsächlich soll sich die Besucherzahl 2013 sogar noch mal verdreifacht haben, im Vergleich zum Vorjahr.
Auch das erste deutsche Rohkostrestaurant eröffnete in Berlin – in Wilmersdorf. Und obwohl es inzwischen wieder schließen musste, verkauft sein Koch Helge Grotelüschen mit Erfolg weiter Rohkostgerichte in einem von Berlins vielen Biosupermärkten oder beliefert Feiernde mit rohem Catering. Rohes Catering – auch das ein Trend, den man überall in Berlin bestellen kann - von über 20 verschiedenen Anbietern.
Wer dann noch einen Nachschlag braucht: Berliner Unternehmen wie Happy Cheeze sorgen zum Beispiel für herzhaften rohen Käse aus Cashewkernen. Und in Friedrichshain, Prenzlauer Berg oder Neukölln liegen süße Zitronen-Rohkost-Torten in den veganen Supermärkten bereit.
Längst gibt es sie: Menschen, die sich zu mehr als 60 Prozent oder sogar ganz von rohen Lebensmitteln ernähren – sogenannte Rohköstler. Wie viele es sind, ist nicht bekannt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung geht davon aus, dass es in der Bundesrepublik deutlich weniger Rohköstler gibt, als beispielsweise Vegetarier (ca. sieben Millionen) oder Veganer (ca. 700.000). Und doch – was sie kochen - bzw. ja gerade nicht kochen – stößt auf immer mehr Interesse.

Zubereitung mit Gradwanderung
Was Rohkost tatsächlich ist, wie man zum Beispiel Gemüse zubereiten darf, damit es noch als Rohkost durchgeht – darüber sind sich selbst die Rohköstler nicht ganz einig. Das kommt daher, dass sie keine einheitliche Gruppe bilden, sondern ganz unterschiedlichen Essensphilosophien anhängen.
Auf den ersten Blick gilt für alle: was auf dem Teller landet, darf weder gekocht, noch gebraten, gedämpft oder gegrillt sein. Klar. Für die meisten Rohköstler gilt auch: Bis zu 42 Grad dürfen die Lebensmitteln erhitzt werden – zum Beispiel, um sie zu dörren. Also Obst oder Gemüse das Wasser aus den Zellen zu ziehen. Bei den meisten Rohköstlern ist auch die Weiterverarbeitung mit dem Mixer sehr beliebt – ob nun für Smoothies, für ein praktisches Gemüsepulver oder einen Plätzchenteig. Letzterer wird stundenlang gedörrt - nicht gebacken.
Obwohl es auch da Ausnahmen gibt, sind die meisten Rohköstler keine Fleisch- und Fischesser. Zwar sind ja beispielsweise ein italienisches Rinder-Carpaccio oder ein japanisches Thunfisch-Sashimi ebenso roh, die Rohkostbewegung ist aber vor allem aus Vegetarier- und noch stärker aus Veganerkreisen hervorgegangen. Gerade deshalb ist die Idee der Verantwortung für andere Lebewesen stark verankert.
Rohkost ist nicht gleich Rohkost
Wer zum Beispiel zu den sogenannten Ur-Köstlern gehört, der legt speziellen Wert darauf, dass Gemüse und Obst überhaupt so wenig wie möglich verarbeitet werden. Das betrifft zum Beispiel die Form des Gemüses – die Karotte in Stifte schneiden und dann am besten noch in Sojasauce marinieren oder pürieren, muss da gar nicht sein.
Die Fruktarier stehen dagegen nur auf das, was der Baum oder Busch ihnen gibt – also klassische Früchte genauso wie Samen oder Nüsse. Dahinter steckt auch die Philosophie nur das von den Pflanzen zu nehmen, was diese im Sinne der Fortpflanzung quasi sowieso "freiwillig" abgeben und fallen lassen.





