Mit Zucker gefülltes Glas, Quelle: imago/Montage: rbb

- Wie viel Zucker ist zu viel?

Das Marmeladen- oder Nutellabrot zum Frühstück und ein Stück Kuchen am Nachmittag - für die meisten gehört Süßes zum Alltag einfach dazu. Doch nicht nur die süßen Versuchungen treiben unseren Zuckerkonsum in die Höhe. In nahezu allen Produkten der Lebensmittelindustrie verstecken sich Zuckerzusätze. Wie viel Zucker ist zu viel und wie kommt man den versteckten Zuckerzusätzen auf die Spur? rbb Praxis mit Tipps für einen gesunden Umgang mit Zucker.

Zucker ist heutzutage in fast jedem industriell hergestellten, hoch verarbeiteten Nahrungsmittel enthalten. Das erschwert es, einen Überblick und somit die Kontrolle über den täglichen Zuckerkonsum zu behalten. Dabei geht es nicht um das Riegelchen Schokolade, das genussvoll verzehrt wird oder das Löffelchen Zucker im Kaffee. Zwischen 50 und 60 Prozent aller industriell hergestellten Nahrungsmittel sind zuckerhaltig, und das auch, wenn sie gar nicht süß schmecken. Denn Zucker steckt nicht nur in eingemachten Essiggurken, Salzstangen, Sandwiches oder Tomatenketchup, sondern auch in Fisch- oder Fleischkonserven, die durch Zucker zum Beispiel ihre appetitliche Farbe behalten.

Versteckspiel mit dem Zucker

In der bundesweiten Markterhebung "Versteckte Süßmacher" kommen die Verbraucherzentralen zum Ergebnis: "Die Angaben zu Zucker und Süßmachern auf Produktverpackungen verwirren Verbraucher oft mehr, als dass sie informieren." Die Verbraucherzentralen prüften insgesamt 276 Produkte. Fast alle davon enthielten Zucker, darunter auch solche, bei denen Verbraucher nicht mit süßenden Zutaten rechnen – wie Soßenbinder und Fleischsalat. Ein wesentlicher Kritikpunkt: Neben Zucker wurden 70 weitere Bezeichnungen für süßende und zum Zuckergehalt beitragende Zutaten gefunden. Viele Stoffe mit hohem Zuckergehalt wie etwa Glukosesirup oder Süßmolkepulver werden in der Zutatenliste gar nicht als Zucker aufgeführt.

Die Vielfalt der verwendeten Süßmacher vertreibt Zucker so von der Spitzenposition der Zutatenliste – und der Verbraucher geht auf den ersten Blick von einem geringeren Zuckergehalt aus. Der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) fordert, schnellstmöglich Nährwertangaben einzuführen, die für Hersteller verbindlich und für Verbraucher verständlich sind. Das Zutatenverzeichnis allein reiche nicht aus. Das könne beispielsweise eine Nährwertampel leisten. Die Ampel soll Verbrauchern mittels der Farben Rot, Gelb und Grün auf einen Blick zeigen, wie viel Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren und Salz ein Lebensmittel enthält.

Dem Zucker auf der Spur

Zucker gehört zur Gruppe der Kohlenhydrate. Hinter diesem Begriff wird Zucker oftmals in der Nährwerttabelle auf Lebensmittelpackungen versteckt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen, nicht mehr als zehn Prozent der Gesamtenergiezufuhr in Form von zugesetztem Zucker aufzunehmen. Das entspricht etwa 50 bis maximal 60 Gramm Zucker pro Tag für einen Erwachsenen, für Kinder kann das je nach körperlicher Aktivität bzw. Energiebedarf deutlich weniger sein. Im Durchschnitt verzehrt jeder Deutsche rund 35 Kilogramm Zucker pro Jahr. Das sind nahezu 100 Gramm täglich - fast doppelt soviel wie für eine gesunde Ernährung empfohlen wird. Eine große Menge davon versteckt sich hinter ganz verschiedenen Bezeichnungen in Fertigprodukten und wird aufgenommen, ohne dass wir uns darüber bewusst sind.

Die wichtigste Informationsquelle, um den zugesetzten Zuckergehalt herauszufinden, ist die Zutatenliste, die auf jeder Verpackung angegeben sein muss. Wenn Zucker an vorderster Stelle aufgeführt wird, ist viel davon enthalten. Aber Vorsicht: Zucker kann sich auch hinter anderen Bezeichnungen wie beispielsweise Traubenzucker, Dextrose, Fruchtzucker, Fructose, Glukose, Saccharose, Glukosesirup oder Maltodextrin verstecken.

Kritik an den GDA-Werten

Die Verbraucherzentralen kritisieren, dass immer mehr Hersteller als Basis für die vereinfachte Kennzeichnung der Nährwerte die so genannten GDA-Werte verwenden. GDA bedeutet Guideline Daily Amount, auf Deutsch: Richtwerte für die Tageszufuhr. Sie bezeichnen die täglich empfohlene Menge an Energie und Nährstoffen. Die Werte sind jedoch nicht allgemeingültig, vielmehr beziehen sie sich auf eine Frau mit einem angenommenen Energiebedarf von 2000 kcal. Es wird angegeben, mit wie viel Prozent der jeweilige Nährstoff zur empfohlenen Tageszufuhr beiträgt. Das verwirre mehr, als es nütze, denn für Kinder und ältere Menschen ergäben die Nährwertangaben ein falsches Bild. Ein weiterer Kritikpunkt der Verbraucherzentralen: "Die Berechnungsgrundlagen der Industrie für den Tagesbedarf an Zucker mit 90g entsprechen nicht den offiziellen Ernährungsempfehlungen und sind viel zu hoch angesetzt, mit dem Ergebnis, dass Lebensmittel gesund gerechnet werden."

"Ampelkennzeichnung" als Verbraucherhilfe

So einfach könnte es sein, wenn es nach den Verbraucherzentralen ginge: grün, gelb, rot - diese Farben sollen auf einen Blick Auskunft über den Anteil an Zucker, Fett, gesättigten Fettsäuren und Salz eines Lebensmittels geben. In Großbritannien wird eine solche Ampelkennzeichnung bereits eingesetzt und von Regierungsseite unterstützt:

- Grün bedeutet, dass eine geringe Menge der betreffenden Zutat im Produkt enthalten ist – unter diesem Gesichtspunkt kann von diesem Lebensmittel also reichlich gegessen werden.

- Gelb steht für einen mittleren Gehalt der betreffenden Zutat und empfiehlt einen Genuss in Maßen.

- Rot weist auf einen hohen Anteil der jeweiligen Zutat hin und mahnt zu einem sparsamen Verzehr. Ein Lebensmittel erhält die rote Ampel für Zucker, wenn es mehr als 12,5 Gramm zugesetzten Zucker pro 100 g Lebensmittel enthält.


Text: Nadine Bader

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