Eine Frau setzt sich eine Kontaktlinse ins Auge (Bild: imago)

rbb Praxis Service - Kontaktlinsen: Infektionen mit Akanth-Amöben oft falsch diagnostiziert

Keime können sich auf Kontaktlinsen schnell vermehren. Zum Schutz der Augen ist eine sorgfältige Hygiene und richtige Reinigung der Kontaktlinsen deshalb unerlässlich. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) warnt: „In zwei Drittel der Fälle verkennen Augenärzte die Ursache für die Akanthamöben-Infektion, die schwer zu diagnostizieren ist und bis zur Erblindung führen kann.“  rbb PRAXIS informiert.

In Deutschland tragen etwa 3,4 Millionen Menschen Kontaktlinsen. Eine sorgfältige Hygiene ist Grundvoraussetzung dafür, dass die Vorteile - klares Blickfeld und keine störende Brille auf der Nase - genutzt werden können und gleichzeitig Sicherheit besteht, dass die Augen keinen Schaden nehmen. Denn Kontaktlinsenträger sind besonders anfällig für Hornhautentzündungen, die meist von Bakterien, Viren oder Pilzen verursacht werden. Als besonders gefährlich und schwer zu diagnostizieren gilt die AkanthAmöben-Infektion. Die Einzeller kommen in der Erde, im Leitungswasser und in Klimaanlagen vor. Sie können in die Hornhaut des Auges eindringen, sich dort einnisten und gefährliche Entzündungen hervorrufen.

Diagnosestellung oftmals schwierig
Das Krankheitsbild bereitet Ärzten oft Schwierigkeiten. Laut Deutscher Ophthalmologischer Gesellschaft (DOG) ist eine Hornhautentzündung durch Akanthamöben, die so genannte Akanthamöbenkeratitis, selbst für Experten schwer zu diagnostizieren. Meist läge eine Verwechslung mit einer Herpesvirus-Infektion vor. Bis zur korrekten Diagnosestellung vergingen häufig Wochen oder Monate. Eine Gefahr für die betroffenen Patienten, denn je länger die Krankheit unbehandelt fortschreitet, desto problematischer sind die Folgen für die Augen - bereits nach drei Wochen drohen bleibende Sehbeeinträchtigungen, später sogar die Erblindung.

Um eine Akanthamöbenkeratitis diagnostizieren zu können, muss eine Gewebeprobe ins Speziallabor geschickt werden. Die DOG rät Augenärzten, sich bei unklaren Hornhautentzündungen frühzeitig an eine kompetente universitäre Einrichtung zu wenden. Dies könne der Fall sein bei einer sich sehr langsam entwickelnden Hornhautentzündung, die nicht auf eine antibakterielle oder antivirale Therapie anspricht. Wenn die Ursache diagnostiziert ist, hilft häufig eine Kombinations-Therapie mit drei Medikamenten. Die Behandlung kann jedoch selbst bei frühzeitiger Diagnose bis zu einem Jahr dauern. Sollte die medikamentöse Therapie nicht anschlagen, besteht die Möglichkeit einer Kältetherapie oder einer Hornhauttransplantation.

Sorgfältige Hygiene
Häufigste Ursache für eine Akanthamöbenkeratitis sind weiche Kontaktlinsen, die zu lange benutzt werden. Auch das Tragen von Kontaktlinsen beim Baden, eine mangelhafte Hygiene und das Reinigen mit Leitungswasser erhöhen das Infektionsrisiko. Kontaktlinsen sollten rechtzeitig ausgetauscht und nur mit empfohlenen Reinigungsmitteln streng nach Gebrauchsanleitung gesäubert werden. Für eine sorgfältige und komplette Kontaktlinsenhygiene empfehlen der Berufsverband der Augenärzte (BVA) und die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) folgende Vorgehensweise:

- Reinigung
Zur Reinigung wird die Kontaktlinse auf die Innenfläche der gewaschenen Hand gelegt und mit einigen Tropfen Reinigungslösung ca. 20 Sekunden mit dem kleinen Finger abgerieben. Dadurch werden Beläge wie Schmutzpartikel, Eiweiße, Fette oder fettähnliche Substanzen, die vom Tränenfilm, vom Augen-Make-up oder aus der Umwelt stammen, entfernt. Die Reinigungslösung muss danach mit Kochsalzlösung abgespült werden (nie mit Leitungswasser wegen erhöhtem Infektionsrisiko!).

- Desinfektion
Zur Desinfektion werden die Kontaktlinsen über einen in der jeweiligen Anwendungsanleitung empfohlenen Zeitraum in einer geeigneten Lösung gelagert. Dabei werden Krankheitserreger (Bakterien, Viren oder Pilze) abgetötet. Damit wird Infektionen vorgebeugt.

- Aufbewahrung
Die richtige Aufbewahrung ist ein wichtiger Hygieneschritt. Werden die Linsen nicht täglich getragen, sollte eine Aufbewahrungslösung mit Konservierungsstoffen verwendet werden. Der Wirkstoff verhindert, dass sich in der Lösung schädliche Mikroorganismen vermehren. Bei täglichem Tragen ist meist eine konservierungsstofffreie Kontaktlinsenhygiene vorzuziehen, auch bei Menschen mit Allergieneigung oder bekannten Allergien.

- Proteinentfernung
Der Tränenfilm enthält Eiweiße, die wichtige Schutzfunktionen ausüben. Leider gelangen diese auch auf die Kontaktlinsen, wodurch die Kontaktlinsen weniger sauerstoffdurchlässig und schlechter verträglich werden. Deshalb gibt es speziell auf die Pflegesysteme abgestimmte Tabs (Proteinentfernungstabletten), die meist einmal wöchentlich angewendet werden sollten, um Eiweißrückstände von den Kontaktlinsen zu entfernen und neuen Ablagerungen vorzubeugen.

- Abspülen und Benetzen
Das Abspülen der Kontaktlinsen nach dem Tragen entfernt schon weitgehend lockere Ablagerungen von der Kontaktlinsenoberfläche. Vor dem Einsetzen sollten die möglicherweise an den Linsen haftenden Reste von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln mit einer unkonservierten sterilen Kochsalzlösung abgespült werden. Dadurch bleibt das Auge länger feucht und die Linsen länger verträglich. Besteht schon eine gewisse Trockenheit der Augen, so können unkonservierte Benetzungstropfen das Tragen und auch das Herausnehmen der Kontaktlinsen erleichtern.

Weitere grundsätzliche Hinweise zur Hygiene:
- Gründliches Händewaschen vor jedem Berühren der Kontaktlinsen.
- Vor der ersten Anwendung eines Hygienesystems genau die Gebrauchsanweisung lesen, um Pflegefehler zu vermeiden.
- Nur Aufbewahrungslösungen verwenden, die für den getragenen Linsentyp geeignet sind. Die Lösungen nicht verdünnen und täglich frische Lösung verwenden.
- Generell niemals für formstabile Kontaktlinsen entwickelte Hygienesysteme bei weichen Kontaktlinsen einsetzen und umgekehrt. Nicht verschiedene Hygienesysteme mischen, chemische Reaktionen können Komplikationen auslösen.
- Genauso wichtig wie die Hygiene der Kontaktlinsen ist die Hygiene Ihres Kontaktlinsenbehälters: dazu gehört die Behälterdesinfektion und regelmäßiger Behälteraustausch alle ein bis drei Monate.

Text von Nadine Bader

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