Spritze mit Masernimpfstoff, Quelle: dpa

rbb PRAXIS Service - Masern sind mehr als eine Kinderkrankheit

Berlin ist wieder einmal alarmiert. Diesmal gehen die Masern um. Zwischen Januar und 10. April 2013 haben sich 58 Menschen mit dem ansteckenden Virus infiziert. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es nur fünf Fälle. Die Behörden beunruhigt vor allem, dass rund 60 Prozent der Betroffenen Jugendliche und Erwachsene zwischen 16 und 45 Jahren sind. Sie erkranken häufig besonders schwer.

Die Gesundheitsbehörden in Berlin haben Mitte letzter Woche Alarm geschlagen, denn offenbar besteht bei einer Vielzahl von Erwachsenen, die jünger als 45 Jahre sind, bei Masern eine Impflücke. "Es passiert gerade etwas in Berlin, was wir noch nicht richtig einschätzen können", erklärt die Infektiologin Dr. med. Marlen Suckau. Sie ist Leiterin des zuständigen Referates bei der Berliner Senatsverwaltung. 

"Das beunruhigt uns." Die betroffenen Altersgruppen wurden in Kindertagen zum Teil gar nicht geimpft, oder die zweite Impfung – die bei Kindern unbedingt notwendig ist – nicht gegeben. Der Immunschutz beträgt bei ihnen nur rund 60 Prozent. Erst seit dem Jahrtausendwechsel hat sich die reguläre Immunisierung bei Kindern durchgesetzt, auch weil die beiden notwendigen Impfungen mittlerweile relativ dicht beieinander liegen und so seltener vergessen werden: zu Beginn und Ende des zweiten Lebensjahres.

Vakziniert wird zusammen mit der Impfung gegen Mumps und Röteln. Entsprechend gut sind die Impfraten von heute: "Rund 95 Prozent der Kinder sind geschützt", sagt Suckau. Sicher sind auch ältere Menschen: Vor der breitflächigen Verwendung des Impfstoffes seit Beginn der 1970er Jahre erkrankten nahezu alle Kinder an Masern und bildeten dabei Antikörper gegen das Virus. Alle über 45-Jährigen sind deshalb in Sicherheit.
Grafik: Darstellung einer menschlichen Lunge mit Entzündung (Quelle: rbb)

"Masern nicht auf die leichte Schulter nehmen"

Masern werden leicht von Mensch zu Mensch übertragen, indem sie infizierte Tröpfchen einatmen. Zunächst setzt ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Fieber, Schnupfen, Halsschmerzen und Abgeschlagenheit ein. Wenige Tage später bilden sich auf der Haut großflächige Flecken, welche die Tendenz haben, miteinander zu verschmelzen.

In seltenen Fällen greifen Masern auf das Gehirn über und können tödlich enden. "Wir dürfen Masern nicht auf die leichte Schulter nehmen“, warnt Suckau. Die Krankheit könne gerade bei Erwachsenen zu schweren Komplikationen führen. "Wir beobachten besonders viele Lungenentzündungen.“ Mehr als die Hälfte aller seit Januar infizierten Berliner Patienten wurde stationär behandelt.
Masern-Impfung, Quelle: dpa

Impfung auch nach Kontakt mit Krankem noch sinnvoll

Doch soweit muss es gar nicht erst kommen: "Wir empfehlen allen nichtimmunisierten Erwachsenen, die jünger als 45 Jahre sind, sich jetzt noch impfen zu lassen", so Suckau. Der Schutz könne auch noch drei Tage nach dem Kontakt mit einer infizierten Person durch die Impfung aufgebaut werden.

Trotz aller Warnungen gibt es nach wie vor Eltern, welche die Impfung ihrer Kinder scheuen – vor allem aus Angst vor Nebenwirkungen. Häufige Erscheinungen wie Schwellungen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen und Müdigkeit sind jedoch völlig harmlos. Allergische Reaktionen sind rar; Gehirnentzündungen Treten pro einer Million Impfung gar nur ein Mal auf. Für Suckau gibt es deshalb nur ein Fazit: "Die Vorteile einer Impfung überwiegen gegenüber den überschaubaren Risiken."

Text von Constanze Löffler

Dossier

rbb-Montage: Tablettenmännchen mit Spritze geht gegen Viren vor, Quelle: imago

rbb PRAXIS Service - Dossier: Impfungen

Ob Masern, HPV, Polio oder Grippe - im Dossier zum Thema Impfen finden Sie umfassende Informationen in Form von Videos, Interviews und Artikeln zu den verschiedenen Schutzimpfungen.

RBB praxis IM iNFORADIO

Patientin mit Masern, Quelle: dpa

rbb PRAXIS, 12.04.2013 - Masern - wie können Erwachsene sich schützen?

Masern gelten als Kinderkrankheit. Doch in diesem Jahr sind bereits 58 Menschen an Masern erkrankt, die meisten von ihnen Erwachsene. Viele mussten sogar in Krankenhäusern behandelt werden. 58 Fälle: das sind deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Wie eine solche Welle zu erklären ist und wie man sich auch als Erwachsener vor Masern schützen kann, dazu ein Bericht von Ursula Stamm.

Service