Impfstoff gegen Hepatitis B. Quelle: imago

- Schutz vor Hepatitis

Hepatitis ist eine Erkrankung, von der die meisten schon einmal gehört haben. Doch nur wenige wissen, was sich genau dahinter verbirgt. Und dass es mehr Situationen mit Ansteckungsrisiko gibt, als viele denken. Mit den richtigen Maßnahmen kann man sich aber gut schützen.

Hepatitis ist der medizinische Fachbegriff für eine Entzündung der Leber. Am häufigsten wird sie durch von Mensch zu Mensch übertragbare Viren verursacht. Eine geringere Rolle spielen andere Auslöser wie Bakterien, Parasiten oder Gifte (etwa bei Alkoholmissbrauch) und Medikamente. Zu den Anzeichen für eine Leberentzündung gehören Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden sowie gelblich verfärbte Haut und Augen. Oftmals wird die Ansteckung von den Betroffenen jedoch nicht bemerkt, weil viele der Infizierten keine oder nur geringfügige Symptome zeigen. Trotzdem sind sie für eine bestimmte Zeit Virusträger und können andere Menschen so unwissentlich anstecken.

Hepatitis-Formen

Feststellen kann man eine Hepatitis durch eine erhöhte Zahl von Leberenzymen (so genannte "Leberwerte") im Blut, die freigesetzt werden, wenn Leberzellen durch die Entzündung zerstört werden. Bei einem Drittel der Erkrankten kommt es durch Leberfunktionsstörungen nach sechs bis zehn Wochen zur Gelbsucht, die mit Stuhlentfärbung, Dunkelfärbung des Urins und Juckreiz einhergeht. Die Viren, die die Infektion verursachen können, werden mit Buchstaben bezeichnet (Hepatitis A bis E). Die Erreger rufen unterschiedlich schwere Leberentzündungen hervor, die spontan ausheilen oder chronische Verläufe nehmen können.

Während Hepatitis A und E im Allgemeinen ohne Komplikationen ausheilen, können die Formen B, C und D zu chronischen Verläufen bis hin zu Leberversagen führen. In manchen Fällen versagt das infizierte Organ. Dann kann nur noch eine Transplantation helfen. Schutzimpfungen sind möglich gegen die Formen A, B und D. Die Behandlung einer akuten Hepatitis erfolgt durch Bettruhe und spezifische Diät, bei chronischen Verläufen werden Interferone und Virustatika eingesetzt.

Hepatitis A (HAV)

Eine Infektion mit dem Hepatitis A-Virus gilt als "Reisekrankheit". Das Virus gelangt meistens über verunreinigte Lebensmittel oder kontaminiertes Wasser in den Körper. Aber auch eine Schmierinfektion durch direkten Kontakt zwischen Menschen ist möglich. Selten erfolgt eine Ansteckung über Blut oder Sperma. Spezielle Medikamente zur Behandlung der Hepatitis A gibt es derzeit nicht. Eine Infektion mit dem Virus, die sich in Fieber oder einer "Gelbsucht" äußert, heilt meistens von alleine aus. Empfohlen werden körperliche Schonung und Bettruhe, bis Symptome wie Erbrechen und grippeähnliche Erscheinungen abgeklungen sind. Entscheidend ist, alles zu vermeiden, was die Leber zusätzlich belasten könnte.

Chronische Verläufe sind nicht bekannt. In seltenen Fällen kann die Infektion aber zu einem akuten Leberversagen führen. Eine Impfung kann Schutz vor Hepatitis A bieten. Die Impfung gegen Hepatitis A für Erwachsene gehört zu den Impfungen, die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) nicht generell, sondern nur für gefährdete Personen empfohlen werden. Dazu gehören Reisende in Regionen, in denen Hepatitis A weit verbreitet ist, medizinisches Personal und Patienten mit chronischer Lebererkrankung.

Hepatitis B (HBV)

Das Hepatitis B-Virus ist hochgradig ansteckend. Es ist infektiöser als HIV und kann bis zu sieben Tage außerhalb des Körpers überleben. Die Ansteckung erfolgt über Körpersekrete wie Blut, Sperma oder Speichel. In den meisten Fällen verläuft eine Infektion unbemerkt. Bei 90 bis 95 Prozent der erwachsenen Patienten heilt die akute Infektion von alleine aus. Bei fünf bis zehn Prozent der Erkrankten und sehr häufig bei Säuglingen und kleinen Kindern nimmt sie einen chronischen Verlauf. Wird die chronische Entzündung nicht behandelt, kann sie zu Leberzirrhose und zu Leberkrebs führen. Laut Deutscher Leberstiftung ist Hepatitis B für 80 Prozent der Leberkrebs-Fälle weltweit verantwortlich. Bei chronischen Verläufen werden Interferone und Virustatika zur Behandlung eingesetzt. Die Medikamente können die Vermehrung des Virus dauerhaft hemmen und die Krankheit so zum Stillstand bringen.

Eine Impfung kann vor Hepatitis B schützen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt sie seit 1992. Auch von der Ständigen Impfkommission (STIKO) wird die Hepatitis-B-Impfung als Standardimpfung für alle Kinder empfohlen. Ist keine Grundimmunisierung im Säuglingsalter erfolgt, so wird das Nachholen der Impfung im Alter zwischen neun und 17 Jahren empfohlen bzw. ist zu jedem Zeitpunkt möglich.

Hepatitis C (HCV)

Im Gegensatz zu Hepatitis B wird das Hepatitis C-Virus fast ausschließlich über Blut-Kontakte übertragen. Die Hepatitis C war vor Einführung der Tests für Blutprodukte und -spender die häufigste der durch Bluttransfusionen übertragenen Hepatitisarten. Haupt-Infektionswege verlaufen über die Mitbenutzung von Injektionsnadeln, über Bluttransfusionen, unsterile Tätowiernadeln, Piercings oder Rasiermesser.

Die Verläufe nach einer Ansteckung sind sehr unterschiedlich. Bei etwa 20 Prozent der Patienten heilt die Infektion spontan aus. Die Mehrheit entwickelt einen unterschiedlich schweren chronischen Verlauf. Laut Deutscher Leberstiftung degeneriert bei ca. 15 bis 20 Prozent der betroffenen chronisch Kranken die Leber zu einer Zirrhose. Es gibt jedoch gut wirkende Therapien gegen eine Hepatitis C-Virusinfektion. Innerhalb der ersten vier Monate nach Ansteckung ist die Heilungswahrscheinlichkeit am höchsten. Eine Impfung gegen Hepatitis C gibt es noch nicht.

Hepatitis D (HDV)

Eine HDV-Infektion tritt nur zusammen mit einer HBV-Infektion auf, da das Hepatitis D-Virus das Hüllprotein des Hepatitis B-Virus für seine Vermehrung braucht. Hepatitis D wird über Blut, Blutprodukte und seltener durch Geschlechtsverkehr übertragen. Der Deutschen Leberstiftung zufolge ist die chronische Hepatitis D die schwerwiegendste aller Virushepatitis-Erkrankungen. Die Entwicklung einer Leberzirrhose verlaufe schnell. Derzeit könnten ca. 25 Prozent der Patienten erfolgreich behandelt werden. Einen aktiven Schutz bietet die Impfung gegen Hepatitis B.

Hepatitis E (HEV)

Die Übertragung von Hepatitis E erfolgt über kontaminierte Nahrungsmittel und verseuchtes Wasser. In Deutschland kommt Hepatitis E nur vereinzelt vor. Eine Infektion mit dem Hepatitis E-Virus ist klinisch nicht von einer Infektion mit dem Hepatitis A-Virus zu unterscheiden. Sie verläuft häufig jedoch schwerer. Bedrohlich kann die Hepatitis E für Schwangere sein. Es kann zu Fehl- und Totgeburten und zu einem akuten Leberversagen kommen. Ein Fünftel bis ein Viertel der infizierten Schwangeren stirbt laut Deutscher Leberstiftung an der Infektion.

Hepatitis E verläuft in der Regel nicht chronisch. Ausnahmenfälle können Patienten mit Immunsuppression nach einer Organtransplantation sein. Bei ihnen wurden schon chronische Fälle beschrieben. Eine Impfung befindet sich in der klinischen Testphase.


Text: Nadine Bader