Ägyptische Tigermücke (Quelle: dpa)

Institut für Tropenmedizin registriert Fälle - Reisende bringen Zika-Virus auch nach Deutschland

Es steht im Verdacht für Babys im Mutterleib sehr gefährlich werden zu können - das durch bestimmte Mücken übertragene Zika-Virus. Deutsche Experten warnen nun Schwangere vor Reisen in die vor allem betroffen Länder Lateinamerikas. Auch in Deutschland berichtet ein Tropeninstitut von registrierten Infektionen, die Reisende in den vergangenen Jahren offenbar mit nach Deutschland gebracht haben.

Brasilien ist zurzeit das am stärksten betroffene Land des Zika-Virus. Übertragen wird es von der Ägyptischen Tigermücke Aedes aegypti. Sticht das Insekt zu, besteht vor allem für Schwangere ein großes Risiko. Experten nehmen an, dass der übertragene Erreger bei Embryos im Mutterleib möglicherweise zu Schädelfehlbildungen führen kann. Geistige Behinderungen sind die Folge. In Brasilien wurde bei 404 Kindern ein zu kleiner Schädel festgestellt. Die sogenannte Mikrozephalie führen die Wissenschaftler auf das Zika-Virus zurück. 

Brasilianische Forscher an der Katholischen Universität Paraná haben inzwischen das Zika-Virus in Gehirnen von Neugebornen mit einer Schädelfehlbildung nachgewiesen. Mit diesem Ergebnis nähern sie sich der Vermutung an, dass der Erreger beim Ungeborenen die sogenannte Mikrozephalie auslösen kann. Auch das "New England Journal of Medicine" berichtete von einem Zika-Virus Fund im Gehirn eines Fötus mit schweren Schädelfehlbildungen. Eine Slowenin, die im brasilianischen Natal gearbeitet hatte und schwanger wurde, wies nach Ihrer Rückkehr Zika-Symptome auf. Nachdem bei einer Untersuchung schwere Fehlbildungen am Schädel des Fötus festgestellt wurden, entschied sie sich für eine Abtreibung und stellte den Fötus der Wissenschaft zur Verfügung.

Im Kampf gegen das Zika-Virus schickt die brasilianische Regierung jetzt die Armee ins Feld. Gesundheitsminister Marcelo Castro sagte, es sollen mehr als 200.000 Soldaten von Haus zu Haus gehen, um Broschüren zu verteilen und den Menschen Tipps zum Mückenschutz zu geben. Außerdem sollen mindestens 400.000 Schwangere mit Mückenschutzmitteln versorgt werden.

Zahl der anonymen Abtreibungen in Brasilien gestiegen

Die brasilianische Zeitung "Folha de Sao Paolo" berichtet von einem Anstieg der Abtreibungen im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Zika-Virus. Sie beruft sich auf die Aussagen mehrerer Ärzte. Diese berichteten, dass vermehrt Frauen, die sich mit dem Zika - Virus infiziert haben, um eine anonyme Abtreibung gebeten hätten. Die Frauen kämen aus wohlhabenden Familien mit hohem Bildungsniveau. In Brasilien sind Abtreibungen illegal, nur unter bestimmten Bedingungen können Frauen legal abtreiben. Das erklärt die anonymen Anfragen der Frauen, die finanziell abgesichert sind.

Schwangere mit Reisewunsch Brasilien sollen sich beraten lassen

Auch deutsche Experten warnen nun Schwangere vor Reisen nach Lateinamerika. Die
Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) und das Auswärtige Amt empfehlen, Aufenthalte in den Ausbruchsgebieten "möglichst zu vermeiden". Sollten Reisen unvermeidlich sein, müssten sich Schwangere konsequent vor Mückenstichen schützen. Eine pauschale Reisewarnung für Schwangere kann nicht ausgesprochen werden, da die epidemiologische Situation sich kurzfristig ändern kann und eine individuelle Bewertung erforderlich ist. Die DTG empfiehlt schwangeren Reisenden aber dringend eine Beratung durch einen Tropenmediziner oder Reisemediziner mit Kenntnis der jeweiligen aktuellen epidemiologischen Situation.

Das Zika-Virus ist ein Flavivirus. Es wurde erstmals 1947 aus einem Rhesusaffen im Zika-Wald in Uganda isoliert und erhielt daher seinen Namen. Die Viren werden durch den Mückenstich auf den Menschen übertragen. Eine Infektion beim Menschen geht mit Hautausschlag, Fieber, Gelenkschmerzen sowie seltener Muskel- und Kopfschmerzen und Erbrechen einher, häufiger auch mit einer Bindehautentzündung. Der Hautausschlag hält im Mittel sechs Tage an. Andere Symptome nehmen früher ab. Todesfälle scheinen nicht oder nur extrem selten vorzukommen.

Das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin berichtet bislang von zehn nach Deutschland importierten Zika-Fällen seit 2013. Allerdings gibt es in Deutschland keine explizite Meldepflicht für Zikavirus-Infektionen, weshalb diese Zahl eine Unterschätzung der tatsächlichen Zahl darstellt. Auf Nachfrage der rbb Praxis bestätigte das Robert-Koch-Institut in Berlin, dass bisher nur wenige Einzelfälle von sexueller Übertragung von Zikavirus bzw. Nachweis in Samenflüssigkeit beschrieben worden sind. Die Möglichkeit der sexuellen Übertragung scheint in Einzelfällen zu bestehen, die epidemiologische Bedeutung muss aber noch im Detail untersucht werden.

WHO warnt vor Ausbreitung überall in Amerika

Das Virus tauchte innerhalb der letzten Monate in 21 Ländern auf dem amerikanischen Kontinent auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt davor, dass sich das Zika-Virus auf dem gesamten amerikanischen Kontinent ausbreitet. Zuletzt wurden Fälle von Infektionen aus Regionen in Mittel- und Südamerikas gemeldet, neben Brasilien aus Kolumbien, Mexiko, der Dominikanischen Republik und Costa Rica. Auch aus Polynesien wurden Schädigungen des Zentralnervensystems bei Neugeborenen berichtet. Der erste Zika-Fall in China wurde Anfang Februar bekannt gegeben. Der 34-Jährige aus dem Bezirk Ganxian in der Provinz Jiangxi habe sich in Venezuela infiziert und sei auch schon vor Ort behandelt worden.  

Auswirkungen auf die Olympischen Sommerspiele

Die Olympischen Sommerspiele 2016 werden zwischen dem 5. und 21. August in Rio stattfinden. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) setzt laut seines Präsidenten Thomas Bach alle Hebel in Bewegung, um die Gesundheit der Teilnehmer zu garantieren. Darüber hinaus verwies Bach darauf, dass zu dieser Zeit Winter in Brasilien sei. Die klimatischen Bedingungen würden die Anzahl der Mücken verringern. Dennoch haben einige teilnehmenden Komitees Bedenken angemeldet. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) klärt die Sportler über ihre Verbandsärzte auf. Das US-Olympiakomitee USOC mahnt zur Vorsicht und stellt seinen Sportlern frei abzusagen. Das kenianische Olympia-Komitee KOC erwägt sogar, auf die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen zum Schutz ihrer Athleten zu verzichten, falls sich die Ausbreitung des Zika-Virus zu einer Epidemie entwickelt.  

Beitrag von Beate Wagner